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Wittstock/Dosse: Nach III. Weg Kundgebung – Neonazis versuchten Gegendemonstrant_innen anzugreifen

Quelle: Presseservice

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Gegen eine Veranstaltung von ungefähr 65 Neonazis hatten am Freitagabend ca. 40 Menschen auf dem Wittstocker Marktplatz zunächst ohne Zwischenfälle protestiert. Nach zunächst verbalen Auseinandersetzungen begaben sich jedoch Gruppen von Teilnehmer_innen der neonazistischen Versammlung direkt zur Gegenveranstaltung und suchten dort die gewalttätige Konfrontation. Bereitschaftspolizei ging allerdings im letzten Moment dazwischen und schickte die Aggressoren weg. An einer anderen Stelle versuchten Neonazis weiterhin offenbar eine kleine Gruppe von Gegendemonstrant_innen auf dem Nachhauseweg abzufangen.

III. Weg setzt „Tradition“ asylfeindlicher Aufmärsche fort

Die neonazistische Versammlung reihte sich einmal mehr in eine ganze Reihe von Veranstaltungen gegen „die Asylpolitik“ in der Region ein. Zuvor fanden ähnliche Veranstaltungen bereits mehrfach in Wittstock/Dosse und einmal in Pritzwalk statt. Dieses mal wurde die Versammlung jedoch erstmals unter dem Emblem der neonazistischen Kleinpartei „der dritten Weg“ beworben. Ähnlich wie im Mai in Pritzwalk, blieb die Demonstration jedoch nur stationär, als Kundgebung.

Dennoch kamen ungefähr 65 Personen aus den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin, Prignitz, Havelland, Potsdam-Mittelmark und Brandenburg an der Havel, die sich am Marktplatz entlang des historischen Rathauses aufstellten. Dabei wurden typische Fahnen und Banner des neonazistischen Milieus gezeigt. Das Rathaus als Propagandasymbol zu missbrauchen gelang den Neonazis jedoch nicht. Die Stadtverwaltung hatte nämlich dort zuvor ebenfalls Symbolik positioniert, mit der sich allerdings deutlich zu Toleranz und Vielfalt bekannt wurde.

Wittstock bekennt Farbe

Gegenüber den Neonazis, am anderen Ende des Markplatzes, hatte sich zudem das Bündnis „Wittstock bekennt Farbe“, unterstützt durch das Bündnis „Neuruppin bleibt bunt“ und Antifas, zu einer Kundgebung versammelt. Dabei wurden interessierten Bürger_innen vor allem zahlreiche Informationsangebote zum Thema Asyl bereitgestellt. Eine kleine Plakatausstellung wurde gezeigt sowie Broschüren zum mitnehmen angeboten.

Darüber hinaus wurde natürlich auch protestiert. Mit Beginn der Neonazikundgebung stellten sich die Gegendemonstrant_innen ebenfalls auf, zeigten Plakate und Transparente, die sich gegen Hass und neonazistische Ideologie richteten, und pfiffen die Neonazis auf der anderen Seite aus. Ein als Pirat verkleideter Mann schwang mitten auf dem Marktplatz sogar eine Peitsche Richtung neonazistischer Versammlung. Möglicherweise sollte durch das Knallen des Leders den Neonazis gezeigt werden, dass sie hier nicht willkommen sind.

Angriffsversuche auf Gegendemonstrant_innen

Die Teilnehmer_innen der Neonazikundgebung blieben zunächst jedoch unbeeindruckt. Der erste Redebeitrag von Pascal Stolle („Der dritte Weg“) führte auch nicht gerade zu emotionalen Ausschweifungen, wurde wahrscheinlich schon zu oft wiederholt. Auch der Redebeitrag von Marvin Koch („Freien Kräften Neuruppin/Osthavelland“) schien ebenfalls ähnlich zu verlaufen. Dann provozierte Koch jedoch mit dumpfer Polemik gegen Antifas im Allgemeinen, so dass sich einige Gegendemonstrant_innen einen Spaß daraus u.a. ihn zu verulken. Die Neonazis verstanden aber diesbezüglich offenbar überhaupt keinen Spaß, fühlten sich möglicherweise in „ihrer“ Stadt brüskiert und begaben sich, unmittelbar nach dem Ronny Scharfenort die neonazistische Versammlung beendete, sofort in Richtung Gegenkundgebung. Allen voran schritten zwei bekannte Brüder, welche T-Shirts mit einem Emblem der „Nationalen Sozialisten Wittstock/Dosse“ trugen. Sie versuchten die Situation durch verbale Beleidigungen und Drohungen eskalieren zu lassen. Die Polizei trennte jedoch die Lager. Ebenfalls stellte sie sich dazwischen, nachdem Sympathisant_innen der „Freien Kräfte Prignitz“ desgleichen versuchten, zur Gegendemonstration vorzudringen. Dabei sollen auch konkrete Bedrohungen gegen einzelne Gegendemonstranten ausgesprochen worden sein.
Tatsächlich sammelten sich die Neonazis dann später noch in einmal in einer Seitenstraße und versuchten die zuvor bedrohten Personen auf deren Nachhauseweg durch nochmalige Gewaltandrohung und Spuckattacken einzuschüchtern.
In allen Fällen blieb es jedoch, zumindest an diesem Abend, bei den Versuchen. Verletzungen wurden nicht bekannt.

Fotos: hier

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