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Völ­ki­sches vom AfD-Ab­ge­ord­ne­ten An­dreas Kal­bitz

Quelle: Inforiot
AfD- Landtagsabgeordneter Andreas Kalbitz (Screenshot: Landtag Brandenburg)

AfD- Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter An­dreas Kal­bitz (Screen­shot: Land­tag Bran­den­burg)

INFORIOT Der AfD-Land­tags­ab­ge­ord­nete An­dreas Kal­bitz hat eine be­wegte po­li­ti­sche Ver­gan­gen­heit im Feld zwi­schen hart rechts­kon­ser­va­ti­ven und ex­trem rech­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen. Schon An­fang der 1990er sprach sich Kal­bitz für eine Ra­di­ka­li­sie­rung nach Rechts in den Uni­ons­par­teien aus. Von dort führte ihn sein po­li­ti­sches Wir­ken an et­li­che ex­trem rechte Or­ga­ni­sa­tio­nen und Zeit­schrif­ten heran. Als Au­tor schrieb Kal­bitz selbst im ein­schlä­gi­gen Duk­tus. Kal­bitz, Jahr­gang 1972, lebt in Kö­nigs Wus­ter­hau­sen und zog nach den Wah­len im Sep­tem­ber für die “Al­ter­na­tive für Deutsch­land” in den Pots­da­mer Land­tag ein.

UPDATE 21.10.2014: Kal­bitz war auch Mit­glied der rechts­ra­di­ka­len Par­tei “Die Re­pu­bli­ka­ner”. Er be­haup­tet, diese Mit­glied­schaft ver­ges­sen zu ha­ben und sie darum bei sei­ner Be­wer­bung auf ei­nen Lan­des­lis­ten­platz nicht an­ge­ge­ben zu ha­ben.

Die Zeit­schrift “Der Rechte Rand” be­rich­tete in ei­ner Aus­gabe aus dem Jahr 1995, dass Kal­bitz im “Wi­ti­ko­bund” wir­ken würde. Der 1950 ge­grün­dete, ex­trem rechte, völ­ki­sche und re­van­chis­ti­sche Wi­ti­ko­bund ist nach sei­nem Selbst­ver­ständ­nis eine “na­tio­nale Su­de­ten­deut­sche Ge­sin­nungs­ge­mein­schaft” und ge­hört zum äußers­ten rech­ten Rand im Mi­lieu der Ver­trie­be­nen­ver­bände. Wer ein­mal da­bei ist, soll auf ewig blei­ben: Die Mit­glied­schaft ist auf Le­bens­zeit aus­ge­rich­tet.

“Kampf ge­gen den volk­li­chen Tod”
2001 gra­tu­lierte Kal­bitz im Wi­ti­ko­bund-ei­ge­nen Rund­schrei­ben “Wi­ti­ko­brief” dem ex­trem rech­ten “Freund­schafts- und Hilfs­werk – Ost” (FHwO) zum zehn­jäh­ri­gen Ju­bi­läum. Kal­bitz lobte den Ein­satz des FHwO, weil es po­si­tiv im “oft­mals aus­sichts­los schei­nen­den Kampf ge­gen den kul­tu­rel­len und volk­li­chen Tod auf jahr­tau­sen­de­al­tem deut­schen Kul­tur­bo­den” wir­ken würde. Das FHwO ist un­ter an­de­rem mit der Neo­na­zi­par­tei NPD eng ver­quickt. In ei­nem wei­te­ren Text fragte Kal­bitz “Wo ist der Wi­der­stand?” und trau­erte über die weg ster­ben­den “Ka­me­ra­den der Er­leb­nis­ge­ne­ra­tion”. Die “Ju­gend von heute” wie­derum sei Op­fer ei­nes “nie da­ge­we­se­nen kul­tu­rel­len Sub­stanz­ver­lusts” und “durch Ma­te­ria­lis­mus und Genuß­sucht” zu “ent­seel­ten Kon­su­men­ten” ge­wor­den. In Ma­nier der ex­tre­men Rech­ten be­klagte Kal­bitz, dass ein “Eth­no­zid am deut­schen Volk” statt­fin­den würde – ganz so, wie der­zeit Bran­den­bur­ger Neo­na­zis vor ei­nem “Volks­tod” war­nen.

Au­tor für Neo­nazi-Ver­eins­blatt
Pas­send dazu: Zwi­schen­zeit­lich trat Kal­bitz als Au­tor für die Zeit­schrift “Fritz” in Er­schei­nung – dem Ver­eins­blatt der ex­trem rech­ten “Jun­gen Lands­mann­schaft Ost­deutsch­land” (JLO, bis 2006: “Junge Lands­mann­schaft Ost­preu­ßen”). Die JLO war jah­re­lang für An­mel­dung und Or­ga­ni­sa­tion der “Trau­er­mär­sche” in Dres­den ver­ant­wort­lich. Diese De­mons­tra­tio­nen wa­ren zeit­weise die eu­ro­pa­weit größ­ten und be­deu­tends­ten Ver­samm­lun­gen von Alt- und Neo­na­zis. 2003, als Kal­bitz Texte bei­steu­erte, war die JLO be­reits von Neo­na­zis do­mi­niert. In In­ter­views in Neo­nazi-Zeit­schrif­ten aus die­ser Zeit be­zeich­nen sich JLO-Funktionäre selbst als “Na­tio­nale So­zia­lis­ten”, nut­zen die Neonazi-Grußformel “88” (Zeit­schrift “Das treue Mä­del”) und lo­ben die Zu­sam­men­ar­beit mit dem “Wi­ti­ko­bund” (Zeit­schrift “Die Ka­me­rad­schaft”).

Ver­schwö­rungs­theo­rien als “Meis­ter­leis­tung”
In Kal­bitz’ Tex­ten für die JLO-Zeit­schrift “Fritz” be­müht die­ser er­neut seine Volks­tod-Ana­lyse: Ein “Be­wußt­s­eins­eth­no­zid in den Köp­fen der bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Ju­gend” sei zu be­kla­gen und die Er­in­ne­rung an NS-Ver­bre­chen sei eine “Ver­ständ­nis­im­plan­ta­tion von 12 Jah­ren als 99% deut­scher Ge­schichte”. Ein Buch des fran­zö­si­schen Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kers Thi­erry Meyssan wird in­des von Kal­bitz als “geis­tige Waffe” und als “Meis­ter­leis­tung des in­ves­ti­ga­ti­ven Jour­na­lis­mus” ge­lobt. Meyssan ver­tritt die These, dass bei den Ter­ror­an­schlä­gen vom 11. Sep­tem­ber 2001 kein Flug­zeug in die New Yor­ker Twin Towers ge­flo­gen sei, es han­dele sich um ei­nen Fall von “in­sze­nier­tem Ter­ro­ris­mus”.

Schla­gende Schü­ler­ver­bin­dung und JU-Ra­di­ka­ler
Der ge­bür­tige Münch­ner Kal­bitz ist zu­dem “Al­ter Herr” bei der in sei­ner Hei­mat­stadt an­säs­si­gen “Pen­na­len Bur­schen­schaft Sa­xo­nia-Czer­no­witz”, ei­ner schla­gen­den Schü­ler­ver­bin­dung. Die Sa­xo­nia-Czer­no­witz hält ihre Tref­fen im Haus der Bur­schen­schaft “Da­nu­bia” ab. Die Da­nu­bia ist be­kannt für das Ab­hal­ten von ex­trem rechte Ver­an­stal­tun­gen in ih­rem An­we­sen – un­ter an­de­rem spra­chen dort Ho­lo­caust­leug­ner wie Horst Mah­ler und Wil­helm Stäg­lich.

In Kal­bitz’ Münch­ner Zeit fällt auch sein zeit­wei­li­ges En­ga­ge­ment in CSU und in der “Jun­gen Union” (JU) – er war un­ter an­de­rem CSU-Par­tei­tags­de­le­gier­ter und im Be­zirks­ver­bands­aus­schuß der JU Mün­chen. Kal­bitz trat ent­schie­den für eine Ra­di­ka­li­sie­rung sei­ner da­ma­li­gen Par­tei nach Rechts ein. So schrieb er 1992 in ei­nem De­bat­ten­bei­trag für die neu­rechte Wo­chen­zei­tung “Junge Frei­heit” ein Plä­doyer “für ei­nen rech­ten Auf­bruch in der CDU/CSU”: “Non­kon­for­mis­ti­sche Rechte” müss­ten “Alt­las­ten” in der Union “er­trän­ken” – oder aber “den ver­kom­me­nen Ge­fechts­stand” der Union “auf­ge­ben” und sich dann ei­ner “un­ver­brauch­ten po­li­ti­schen Kraft” zu­wen­den. Of­fen­bar war also Kal­bitz schon da­mals auf der Su­che nach ei­ner rech­ten “Al­ter­na­tive” in der Par­tei­en­land­schaft.

Zu­letzt – von 2009 bis 2014 – war Kal­bitz  Ge­schäfts­füh­rer des Hör­buch­ver­la­ges “Edi­tion Apol­lon” in Kö­nigs Wus­ter­hau­sen. Der mitt­ler­weile in­sol­vente Ver­lag ver­öf­fent­lichte un­ter an­de­rem ei­nen Jah­res­ka­len­der 2011 mit An­sich­ten der We­wels­burg, die im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus zu ei­ner SS-Kultstätte um­ge­baut wer­den sollte.

 

Andreas Kalbitz als Autor im "Witikobrief" (Ausschnitt)

An­dreas Kal­bitz als Au­tor im “Wi­ti­ko­brief” (Aus­schnitt)

Andreas Kalbitz (AfD) als Autor für die "Junge Landsmannschaft Ostpreußen" 2003 (Ausschnitt)

An­dreas Kal­bitz (AfD) als Au­tor für die “Junge Lands­mann­schaft Ost­preu­ßen” 2003 (Aus­schnitt)

Andreas Kalbitz (AfD) 1992 in der "Jungen Freiheit" (Ausschnitt)

An­dreas Kal­bitz (AfD) 1992 in der “Jun­gen Frei­heit” (Aus­schnitt)

Andreas Kalbitz als Witikone (Faksimile aus "Der Rechte Rand")

An­dreas Kal­bitz als Wi­ti­kone (Fak­si­mile aus “Der Rechte Rand”)

Wewelsburg-Kalender aus dem Verlag von Andreas Kalbitz (Screenshot Amazon.com)

We­wels­burg-Ka­len­der aus dem Ver­lag von An­dreas Kal­bitz (Screen­shot Amazon.com)

JLO-Interview in Neonazi-Zeitschrift "Die Kameradschaft" (Faksimile)

JLO-In­ter­view in Neo­nazi-Zeit­schrift “Die Ka­me­rad­schaft” (Fak­si­mile)

Interview mit JLO-Funktionär in Neonazizeitschrift von 2001 (Faksimile)

In­ter­view mit JLO-Funktionär in Neo­na­zi­zeit­schrift von 2001 (Fak­si­mile)

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