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Ur­teils­ver­kün­dung im Jü­ter­bo­ger Brand­an­schlags­pro­zess

Quelle: Opferpespektive e.V.

Chris P. gab an, die Tat ge­mein­sam mit sei­nem Freund Fe­lix G. be­gan­gen zu ha­ben. Die bei­den Män­ner seien durch den Va­ter des An­ge­klag­ten, der auch die Brand­sätze ge­baut habe, zu der Tat an­ge­stif­tet wor­den. Ein Zeuge be­rich­tete im Ver­fah­ren, dass im Laufe des Tat­abends ge­mein­sam neo­na­zis­ti­sche Lie­der am La­ger­feuer ge­sun­gen wur­den. Der ras­sis­tisch mo­ti­vierte Brand­an­schlag vom 01. Ok­to­ber 2016 war eine der schwers­ten rech­ten Ge­walt­ta­ten im Land Bran­den­burg, die vom Ver­ein Op­fer­per­spek­tive im ver­gan­ge­nen Jahr er­fasst wurde. Ei­nige der Be­woh­ner der Un­ter­kunft lit­ten noch Mo­nate nach der Tat un­ter den psy­chi­schen Fol­gen des An­schlags. Nur auf­grund glück­li­cher Um­stände ist in der Tat­nacht kei­ner der Be­woh­ner und Betreuer*innen kör­per­lich schwer ver­letzt wor­den oder zu Tode ge­kom­men.

„Die öffent­li­che Wahr­neh­mung des Ver­fah­rens be­schränkt sich lei­der auf die Be­schrei­bung des Tat­her­gangs und die Äuße­run­gen der Tä­ter. Es ist zu wün­schen, dass so­wohl die Tat­fol­gen für die Be­trof­fe­nen ju­gend­li­chen Ge­flüch­te­ten, als auch der ras­sis­ti­sche Nor­mal­zu­stand in Jü­ter­bog und Um­ge­bung stär­ker in den Fo­kus der Öffent­lich­keit ge­lan­gen“, so Mar­tin Ve­sely vom Ver­ein Op­fer­per­spek­tive. So war der Brand­an­schlag im ver­gan­ge­nen Jahr ei­ner von ins­ge­samt neun ras­sis­tisch mo­ti­vier­ten An­grif­fen im Land­kreis Teltow-Fläming. Auch in die­sem Jahr er­fasste der Ver­ein be­reits sechs ras­sis­tisch mo­ti­vierte An­griffe in Jü­ter­bog und be­nach­bar­ten Ge­mein­den. Dar­un­ter am 07. Fe­bruar ein mas­si­ver An­griff von Rech­ten auf ei­nen Ju­gend­club in Jü­ter­bog, der auch von Ge­flüch­te­ten fre­quen­tiert wird.

Ge­flüch­tete und de­ren Unterstützer_innen be­rich­ten der Op­fer­per­spek­tive im­mer wie­der von ei­nem feind­li­chen Klima in der Re­gion. Dies äußert sich, ne­ben di­rek­ten kör­per­li­chen An­grif­fen auf Ge­flüch­tete, auch in Be­dro­hun­gen und Be­lei­di­gun­gen in All­tags­si­tua­tio­nen, bei­spiels­weise beim Ein­kau­fen im Su­per­markt. „Men­schen, die sich so­li­da­risch auf der Seite von Ge­flüch­te­ten po­si­tio­nie­ren, ha­ben Angst dies in der Öffent­lich­keit zu zei­gen, weil sie An­fein­dun­gen von Rech­ten be­fürch­ten oder be­reits real be­droht wer­den. Die­ser Zu­stand ist für die Be­trof­fe­nen un­er­träg­lich. Wenn dann auch noch der ört­li­che Bür­ger­meis­ter be­wusst Ängste vor Ge­flüch­te­ten schürt, ver­schärft dies die Si­tua­tion zu­sätz­lich. Es müs­sen – auch über Jü­ter­bog und Um­ge­bung hin­aus – drin­gend An­stren­gun­gen un­ter­nom­men wer­den, rechte Ein­stel­lun­gen in der Re­gion zu­rück­zu­drän­gen“, so Mar­tin Ve­sely wei­ter.

Die mor­gige Ur­teils­ver­kün­dung fällt zu­fäl­lig mit dem 25. Jah­res­tag des ras­sis­ti­schen Brand­an­schlags in Mölln vom 23. No­vem­ber 1992 zu­sam­men, und ver­weist so­mit auf eine be­drü­ckende Kon­ti­nui­tät ras­sis­ti­scher Ge­walt in der Bun­des­re­pu­blik. In der Klein­stadt in Schles­wig-Hol­stein er­mor­de­ten da­mals Neo­na­zis die zehn- und vier­zehn­jäh­ri­gen Mäd­chen Ye­liz Ars­lan und Ay?e Y?lmaz, so­wie ihre 51-jährige Groß­mut­ter Bahide Ars­lan.

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