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The­mar (TH): Kon­so­lo­die­rung durch Mu­sik – das Neo­nazi-Kon­zert aus Bran­den­bur­ger Per­spek­tive

Quelle: Presseservice Rathenow

Einchecken in Themar: Auch Brandenburger, wie NPD Landesorganisationsleiter Michel Müller (Mitte, mit Sonnenbrille), nahmen Rechtsrock-Großevent teil (Foto: Lukas Beyer)

Ein­che­cken in The­mar: Auch Bran­den­bur­ger, wie NPD Lan­des­or­ga­ni­sa­ti­ons­lei­ter Mi­chel Mül­ler (Mitte, mit Son­nen­brille), nah­men Rechtsrock-Großevent teil (Foto: Lu­kas Beyer)

 

Am ver­gan­ge­nen Sams­tag fand im thü­rin­gi­schen The­mar ein Tref­fen von un­ge­fähr 6.000 Neo­na­zis statt. Die Ver­an­stal­tung war von ei­nem lo­ka­len NPD Funk­tio­när als öffent­li­che Ver­samm­lung an­ge­mel­det wor­den, hatte aber, wie das Motto: „Rock ge­gen Über­frem­dung II“ schon of­fen­bart, eher den Cha­rak­ter ei­nes Sze­ne­kon­zer­tes.  Zwar sol­len auch meh­rere „Po­li­ti­ker“ ver­schie­de­ner Neo­nazi-Par­teien auch Re­de­bei­träge ge­hal­ten ha­ben, je­doch dürfte der größte Teil des Pu­bli­kums we­gen den an­ge­kün­dig­ten Auf­trit­ten sze­ne­be­kann­ter Rechts­rock Bands, dar­un­ter „Stahl­ge­wit­ter“, „Lu­ni­koff Ver­schwö­rung“, „Sleip­nir“ und „Uwo­caust“, an­ge­reist sein.

Neo­na­zis­ti­sches Mi­lieu aus Bran­den­burg ver­tre­ten

Die Teil­neh­men­den ka­men aus dem ge­sam­ten Bun­des­ge­biet und aus dem na­hen eu­ro­päi­schen Aus­land. Un­ter den Ver­samm­lungs­gäs­ten wa­ren auch viele Neo­na­zis aus Bran­den­burg. Auf Fo­tos von Be­ob­ach­ten­den sind vor al­lem be­kannte Szene-Ak­teure aus den kreis­freien Städ­ten Pots­dam und Bran­den­burg an der Ha­vel so­wie den Land­krei­sen Pri­gnitz, Ost­p­ri­gnitz-Rup­pin, Ha­vel­land, Pots­dam-Mit­tel­mark, Elbe-Els­ter und Spree-Neiße er­kenn­bar. Der Groß­teil die­ser Per­so­nen gilt als Sym­pa­thi­sie­rende der NPD und ihr na­her La­bel, wie den „Freien Kräf­ten Pri­gnitz“ oder den „Freien Kräf­ten Neu­rup­pin-Ost­ha­vel­land“. Auf­fäl­lig war auch eine grö­ßere Gruppe Neo­na­zis, die  T-Shirts mit dem Bran­den­bur­ger Orts­na­men „Fins­ter­walde“ tru­gen, wo­bei die Buch­sta­ben „NS“ be­son­ders her­vor­ge­ho­ben wa­ren.

Be­mer­kens­wer­tes­ter Teil­neh­mer aus Bran­den­burg war aber der erst­mals seit März 2016 wie­der öffent­lich ak­tive Ra­the­nower Mi­chel Mül­ler, der im Lan­des­vor­stand der NPD für den Be­reich Or­ga­ni­sa­tion zu­stän­dig ist. Er war mit drei wei­te­ren Per­so­nen aus Ra­the­now, Nenn­hau­sen und dem Prem­nit­zer OT Dö­be­ritz an­ge­reist, die, laut ei­nem Schrei­ben des Bran­den­bur­ger In­nen­mi­nis­te­ri­ums, der of­fi­zi­ell „auf­ge­lös­ten“ Ka­me­rad­schaft „Haupt­volk“ (Ver­eins­ver­bot April 2005) an­ge­hör­ten. Mül­ler ge­hörte, laut Mi­nis­te­rium, eben­falls die­ser Or­ga­ni­sa­tion an. Ak­tu­ell nimmt er, ne­ben sei­ner NPD in­ter­nen Funk­tion, auch zwei Man­date in Kom­mu­nal­par­la­men­ten in der Stadt Ra­the­now und im Land­kreis Ha­vel­land war.

Eine ähn­li­che kom­mu­nal­po­li­ti­sche Funk­tion hat der  Bel­zi­ger An­dré Schär, der am Sams­tag­nach­mit­tag eben­falls in The­mar zu se­hen war. Der NPD Funk­tio­när ist Stadt­rat in Bad Bel­zig und Kreis­rat im Land­kreis Pots­dam-Mit­tel­mark.

Wei­tere be­kannte Po­li­tak­teure, die am Kon­zert in The­mar teil­nah­men wa­ren Mar­kus N. aus Gu­ben (ehe­ma­li­ger NPD Kom­mu­nal­po­li­ti­ker), der Witt­sto­cker Ronny S. (Ver­an­stal­ter meh­re­rer Auf­mär­sche im Raum Witt­stock-Pritz­walk) und Paddy B. aus Pots­dam (Sym­pa­thi­sant freier Kräfte so­wie des „III. We­ges“). Zu­dem soll Mat­thias Fi­scher aus Tem­plin („Ge­biets­lei­ter Mitte“ vom „III. Weg“) als Red­ner auf­ge­tre­ten sein.

Au­ßer­dem in The­mar an­we­send: Sa­scha L. aus Bran­den­burg an der Ha­vel. Der Neo­nazi saß sie­ben Jahre we­gen Tot­schlag im Ge­fäng­nis. Er hatte im Fe­bruar 1996 ei­nen Punk in Bran­den­burg an der Ha­vel zu Tode ge­prü­gelt.

Aus der neo­na­zis­ti­schen Mu­sik­ma­chen­den­szene war dar­über hin­aus der Ra­the­nower Lie­der­ma­cher Tho­mas Lange alias „Toi­to­ni­cus“ an­we­send. Au­ßer­dem trat die Pots­da­mer Band „Uwo­caust“ mit Sän­ger Uwe Men­zel, ei­nem Haupt­ak­teur der Bran­den­bur­ger Rechts­rock Szene, in The­mar auf.

Rechts­rock als ge­mein­same Schnitt­stelle und Fi­nanz­spritze

Die deut­li­che Prä­senz Bran­den­bur­ger Neo­na­zis auf der Kon­zert­ver­an­stal­tung am 15. Juli 2017 in Thü­rin­gen scheint An­nah­men zu be­stä­ti­gen, dass sich die Szene in Bran­den­burg durch Rechts­ro­ckevents wie­der kon­so­li­diert. Da­für spricht ein ho­her An­teil von Kon­zert­teil­neh­men­den, die zum Teil seit Jah­ren an der Or­ga­ni­sa­tion von po­li­ti­schen Ver­samm­lun­gen, ins­be­son­dere im Wes­ten Bran­den­burgs be­tei­ligt wa­ren. Diese Per­so­nen bzw de­ren Struk­tu­ren wa­ren in den Vor­mo­na­ten weit­ge­hend in­ak­tiv.

Hin­ter­grund der zeit­wei­sen In­ak­ti­vi­tät könn­ten die Ver­ur­tei­lun­gen ei­ni­ger be­deu­ten­der Ak­tive, bei­spiels­weise der „Naue­ner Zelle“, und das Ver­bot der „Weisse Wölfe Ter­ror­crew“, aber auch die zeit­weise starke Zug­kraft von rechts­mo­ti­vier­ten Ver­samm­lun­gen der Bran­den­bur­ger AfD oder PEGIDA-ähnliche Or­ga­ni­sa­tio­nen im Land sein. Dar­über hin­aus spie­gel­ten sich im neo­na­zis­ti­schen Mi­lieu aber auch die bun­des­weit spür­ba­ren Spal­ter­schei­nun­gen, im Zuge des NPD Ver­bots­ver­fah­rens so­wie in der Mi­li­tanz­de­batte wi­der. Neue Neo­nazi-Par­teien, wie „Die Rechte“ und „Der III. Weg“ tra­ten in Kon­kur­renz zu den bis­her do­mi­nie­ren­den Na­tio­nal­de­mo­kra­ten auf. Des Wei­te­ren re­or­ga­ni­sierte sich mit dem „An­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Kol­lek­tiv“ eine Struk­tur „Au­to­no­mer Na­tio­na­lis­ten“, die durch kämp­fe­ri­sche Ak­tio­nen auf Ver­samm­lun­gen eben­falls für Spal­tungs­de­bat­ten sorg­ten.

In The­mar trat das bun­des­weit ak­tive neo­na­zis­ti­sche Mi­lieu am ver­gan­ge­nen Wo­chen­ende al­ler­dings wie­der er­staun­lich ge­schlos­sen und kon­so­li­diert auf. Hoch­ran­gige Funk­tio­näre oder Ak­teure aus NPD, „Die Rechte“, „Der III. Weg“, aus dem „an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Kol­lek­tiv“ so­wie dem Thü­rin­ger PE­GIDA-Ab­le­ger THÜGIDA sol­len, ge­mäß Pro­gramm, Re­de­bei­trä­gen auf ei­ner ge­mein­sa­men Bühne ge­hal­ten ha­ben. Sie alle einte of­fen­bar die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem viel­fach als „sub­kul­tu­rell“ ver­harm­los­ten Rechts­rock. Ei­ner Par­al­lel­welt, des­sen frü­here Ak­teure, maß­geb­lich den „Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Un­ter­grund“ (NSU) durch Lo­gis­tik und Fi­nan­zen, die sie mut­maß­lich aus ih­ren Res­sour­cen: Kon­zerte, Ton­trä­ger­ver­trieb, Mer­chan­dise oder der Ver­tei­ler­struk­tur schöpf­ten, un­ter­stützt hat­ten.

Auch heute dürfte es im Rechts­rock vor al­lem um die Ak­qui­rie­rung von Fi­nanz­mit­teln zu ge­hen, auch über das pri­vate Ge­schäfts­in­ter­esse hin­aus. Soll­ten die Ge­setze näm­lich tat­säch­lich da­hin­ge­hend ge­än­dert wer­den, dass Par­teien mit er­wie­sen ver­fas­sungs­feind­li­cher Pro­gram­ma­tik keine staat­li­chen Fi­nanz­mit­tel mehr zu Gute kom­men, wer­den Kon­zerte, wie in The­mar, wahr­schein­lich die ein­zige Ein­nah­me­quelle für neo­na­zis­ti­sche Par­teien sein. In­so­fern ist bun­des­weit mit ei­ner Eta­blie­rung oder Stei­ge­rung sol­cher Ver­an­stal­tun­gen zu rech­nen.

Bei­spiele für Bran­den­bur­ger Neo­na­zis in The­mar (Fo­tos von Be­ob­ach­ten­den):

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