Protest gegen Verkauf rechter Szenekleidung
Hundertwasserhaus: Protest gegen Verkauf rechter Szenekleidung
Magdeburg. Gegen den Verkauf rechter Szenekleidung im Magdeburger Hundertwasserhaus haben am Mittwoch rund 150 Menschen protestiert. Direkt vor dem umstrittenen „Narvik“-Geschäft sprachen sich verschiedene Redner gegen die Verbreitung rechten Gedankenguts in der Gesellschaft aus. „Wenn diese Aufklärung in der Bevölkerung weit verbreitet wäre, müssten wir uns keine Sorgen machen“, sagte Innenminister Holger Hövelmann. Auch Justizministerin Angela Kolb (beide SPD) protestierte gegen den Verkauf der bei Rechten beliebten „Thor Steinar“-Kollektion.
Ein Ende des Streits zwischen Ladenbetreiber und Vermieter ist nicht in Sicht. Dem Mieter war noch am ersten Verkaufstag fristlos gekündigt worden, wann das umstrittene Geschäft auszieht, stand am Dienstag aber noch nicht fest. "Nach dem derzeitigen Stand wird der Mieter diese Kündigung nicht ohne weiteres akzeptieren", teilte die Verwaltung des Hundertwasserhauses auf Anfrage mit. "Im Moment verhandeln wir mit dem Mieter, unter welchen Bedingungen er einen schnellen Auszug vornehmen wird", sagte der Vorstand der Gero AG, Norbert Diehl, die das Haus gebaut hat und verwaltet. Der Verkauf der "Thor Steinar"-Kollektion sorgt seit Freitag für Aufregung.
Der Hersteller der bei Rechtsextremen beliebten Marke, die MediaTex GmbH in Zeesen (Brandenburg), hatte sich nicht zur Kündigung des Mietvertrags äußern wollen. Der Vertrag ist auf eine Dauer von drei Jahren abgeschlossen. Die Eröffnung des Ladens war auch deshalb auf heftigen Protest gestoßen, weil die Gero AG und der Vermieter, das Siedlungswerk St. Gertrud, zum katholischen Bistum Magdeburg gehören.
Die Gero AG lässt nach eigenen Angaben unterdessen prüfen, ob sich der Mietvertrag nicht generell anfechten lasse, "weil wir über wesentliche Punkte, insbesondere den Vertrieb von Textilien unter der Marke "Thor Steinar" vor Abschluss des Mietvertrages im Unklaren gelassen wurden", wie Vorstand Diehl sagte. Die vor Vertragsschluss vom Ladenbetreiber vorgelegte Sortimentsbeschreibung sei unauffällig gewesen. Seit einer Protestaktion linker Demonstranten, bei der auch die Eingangstür beschädigt wurde, wird das Geschäft von der Polizei beobachtet. Nach anfänglicher dauerhafter Bewachung fährt die Polizei seit Dienstag regelmäßig Streife vor dem Gebäude.
Am Mittwochvormittag ist vor dem Hundertwasser-Haus eine Protestaktion gegen den Verkauf der "Thor Steinar"-Kollektion geplant. Daran wollen nach Angaben des Justizministeriums Justizministerin Angela Kolb und Innenminister Holger Hövelmann (beide SPD) teilnehmen.
mro, LVZ-Online/dpa |