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• »Thor Steinar«-Klamotten in Nazi-Laden beschlagnahmt •
• Justiz zerstritten über weiteres Vorgehen •
• Gericht verbietet Symbole der rechten Kult-Marke "Thor Steinar" •
• Beschlagnahme von Textilien der Marke »Thor Steinar« beschlossen •
• »Thor Steinar« nimmt Logo vom Markt •
• Mode von »Thor Steinar« bald ohne Runen •
• Artikel aus der Times •

 

Unnützer Kampf gegen Symbole

Endlich, so werden sich viele freuen, greift die lange Zeit auf dem rechten Auge blinde Justiz durch. Ein Lehrling wurde verurteilt, auch weil er eines der unter Rechtsextremen beliebten Runen-Shirts der Marke "Thor Steinar" getragen hat. Kein Fußbreit den Faschisten - das alte Motto der Antifa gilt offenbar auch vor Gericht. Dennoch ist die Bestrafung wegen des Tragens eines Pullovers der falsche Weg.

Kommentar
von GEREON ASMUTH

Man kann wunderbar darüber streiten, ob das juristische Vorgehen gegen naziähnliche Symbole moralisch vertretbar ist. Ob es angesichts der speziellen deutschen Vergangenheit unablässig ist. Oder ob eine demokratische Gesellschaft nicht vielmehr solche Provokationen ertragen muss, um die Liberalität ihrer Verfasstheit zu demonstrieren.

So oder so aber ist Fakt: Das Vorgehen gegen Träger missliebiger Pullover verfehlt seinen Zweck. Denn die Rechten legen sich keinesfalls eine neue Gesinnung zu, sondern bloß neue Embleme. Entweder provozieren sie nun mit Bildern linker Idole wie Che Guevara. Oder sie weichen auf juristisch unangreifbare Symbole aus, die zwar keine Ähnlichkeit mit verbotenen Nazi-Zeichen besitzen, deren Bedeutung aber jeder kennt.

Genau das hat der Hersteller der "Thor Steinar"-Klamotten längst getan. In seinem derzeitigen Logo verzichtet er auf die umstrittenen Runen. Doch auch das Ersatz-Emblem ist unter Rechtsextremen mittlerweile Kult. Dank der juristischen Verfolgung hat "Thor Steinar" in der Szene Märtyrerstatus erlangt.

Ein Verbot rechtsextremer Symbole ändert nichts - außer dass Nazis nicht mehr als solche erkannt werden. Wenn sie dadurch aus den Augen der leicht zufrieden stellenden Öffentlichkeit geraten, ist am Ende mehr verloren als gewonnen.

taz Berlin lokal vom 1.3.2006, S. 21, 61 Z. (Kommentar), GEREON ASMUTH

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