T-Hemden aus rechter Hand
T-Hemden aus rechter Hand
Auf dem Neonazimarsch am Samstag waren wieder "T-Hemden" mit den politischen Botschaften "Hate Society", "Masterrace" oder "Nationaler Sozialist" zu sehen. T-Shirts nennen die Rechten im Kampf gegen Anglizismen ihre Hemden ganz bewusst nicht. Dass die Sprache so mancher Braunhemd-Aufdrucke Englisch ist, scheint jedoch egal.
Der "Nord Versand" und "H8 Store" sind nur zwei neonazistische Versandstellen im Raum Hamburg, die die neueste Fashion für den rechten Style vertreiben. Seit Anfang Mai müssen Interessierte die Mode aber nicht mehr nur per Post beziehen. Mitten auf dem Kiez können sie die rechten Markenklamotten wie "Thor Steinar", "Walhall" oder "Sportfrei" gleich anprobieren. Diese Bekleidung, die allesamt von Neonazis hergestellt wird, bietet der "Elite Style" in der Talstraße an.
Für die Betreiber des Ladens, die diverse Produkte im Bereich nordische Mythologie führen, scheint die Herkunft der Kleidungsstücke kein Problem zu sein. So stört nicht, dass der Markeninhaber von "Walhall", Ingo Grönwald, sich in der Weimarer Neonazisszene bewegt und wegen Vertriebs von indizierten Rechtsrock-CDs angeklagt ist, oder dass der Markenanmelder von "Sportfrei", Henrik Ostendorf, in der Bremer Hooligan- und Neonaziszene wirkt und beim "NPD-Bundesordnerdienst" mitmacht.
"In mehreren Gesprächen", erklärt die Vertreterin einer Antifa-Initiative, hätten "die Ladenbetreiber auch freimütig ihre rassistische Denkweise dargelegt". Seit der Eröffnung soll es in der Straße zu rechten Übergriffen auf linke Jugendliche gekommen sein. Solche Läden können schnell zu Anlaufstellen werden, warnt die Initiative. Aus Sorge vor weiteren Gewalttaten hat sie bereits Flugblätter an die Anwohner verteilt und auch dem Vermieter einen Brief geschrieben. AS
taz Hamburg Nr. 7706 vom 4.7.2005, Seite 21, 59 Zeilen (Kommentar), AS
berichtigung
In der taz hamburg vom 4. Juli 2005 war unter der Überschrift "T-Hemden aus rechter Hand" zu lesen, dass durch die Firma Mediatex GmbH hergestellte und vertriebene Bekleidung der Marke "Thor Steinar" von Neonazis hergestellt wird. Dieser Vorwurf ist nicht zutreffend. Vielmehr wurde das alte, aus Runen bestehende Logo dieser Marke in einem Beschluss des Landgerichts Neuruppin vom 17. November 2004 als Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingestuft und dessen Verwendung untersagt, da dieses Logo den Kennzeichen ehemaliger nationalsozialistischer Organisationen zum Verwechseln ähnlich gewesen sei. Andere Gerichte und Behörden haben ähnlich entschieden. Bekleidung mit diesem Logo führte zu einer verstärkten Kaufnachfrage durch rechte Kreise. Nach einigem Hickhack wurde das Logo durch die Firma Mediatex GmbH geändert. Die Redaktion |