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Rechte Al­li­anz ohne Gren­zen

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INFORIOT In Cott­bus ver­sucht die ört­li­che rechte Szene der­zeit, Stim­mung ge­gen Ge­flüch­tete an­zu­hei­zen. Der Ver­ein „Zu­kunft Hei­mat“ hatte zu ei­ner De­mons­tra­tion am 30. Mai un­ter dem Motto „Gren­zen zie­hen“ auf dem Cott­bus­ser Ober­kirch­platz auf­ge­ru­fen. Etwa 350 Per­so­nen, dar­un­ter zahl­rei­che Neo­na­zis und rechte Hoo­li­gans, nah­men teil. Eine Gruppe von An­ti­fa­schis­t_in­nen konn­ten den Auf­marsch kurz­fris­tig zum Stopp zwin­gen. In der Ver­gan­gen­heit konn­ten dem Ver­ein mehr­fach Ver­bin­dun­gen zu Per­so­nen der ver­bo­te­nen „Wi­der­stands­be­we­gung Süd­bran­den­burg“ und zu der „Iden­ti­tä­ren Be­we­gung“ (IB) nach­ge­wie­sen wer­den.

Der De­mons­tra­tion in Cott­bus ging eine Se­rie von ver­ba­len und kör­per­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen in der Cott­bu­ser In­nen­stadt vor­aus. Haupt­säch­li­cher An­lass wa­ren die Er­eig­nisse in der Nacht vom 19. zum 20. Mai. Es kam zu ei­ner Mes­ser­ste­che­rei bei ei­nem Jung­ge­sel­len­ab­schied in der In­nen­stadt, bei der nach An­ga­ben der Po­li­zei­di­rek­tion Män­ner deut­scher und sy­ri­scher Her­kunft in­vol­viert wa­ren. Fünf deut­sche Teil­neh­mer des Jung­ge­sel­len­ab­schieds im Al­ter zwi­schen 28 und 33 Jah­ren muss­ten mit Stich- und Schnitt­ver­let­zun­gen ins Kran­ken­haus. Ei­nen Tag spä­ter machte die Po­li­zei zwei tat­ver­däch­tige Sy­rer aus. Diese ga­ben ge­gen­über der Staats­an­walt­schaft an zu­erst an­ge­pöblt und das kör­per­lich an­ge­gan­gen wor­den sein. Auch sie wie­sen Ver­let­zun­gen auf.

In­ner­halb kür­zes­ter Zeit kochte dar­auf­hin in so­zia­len Netz­wer­ken die Stim­mung hoch: Ras­sis­t_in­nen mach­ten die Sy­rer schnell als Schul­dige aus und nutz­ten sie für ihre Pro­pa­ganda. Die NPD wit­terte eben­falls eine Ge­le­gen­heit zur Hetze und rich­tete be­reits am ver­gan­ge­nen Mitt­woch (24. Mai) eine kleine Kund­ge­bung in der Nähe der Cott­bu­ser Stadt­halle aus.

„Le­ben­dige Ab­schie­be­kul­tur“ ge­for­dert
Die De­mons­tra­tion wurde vom Bran­den­bur­ger AfD-Lan­des­vor­sit­zen­den An­dreas Kal­bitz zu­sam­men mit dem Vor­sit­zen­den von „Zu­kunft Hei­mat“, Chris­toph Berndt, an­ge­führt. „Zu­kunft Heimat“-Kovoristzende Anne Ha­ber­stroh er­füllte der­weil or­ga­ni­sa­to­ri­sche Auf­ga­ben. Kal­bitz schürte in sei­ner Rede zum Auf­takt der De­mons­tra­tion ge­zielt Ängste: „Das, was hier in Cott­bus vor­geht, hätte sich vor fünf Jah­ren kei­ner vor­ge­stellt“. Un­ter Bei­fall for­derte er eine „le­ben­dige Ab­schie­be­kul­tur“ und stellte in Aus­sicht: „Wir wer­den uns un­ser Land wie­der­ho­len – fried­lich und ge­walt­frei (…) aber wir ma­chen das mit der ge­bo­te­nen Härte“.

Quelle: Twitter.

Quelle: Twit­ter.

Als Red­ner trat auch Sieg­fried Dä­britz in Er­schei­nung – der Vor­sit­zende des Pe­gida-Ver­eins aus Dres­den. Er ist „Si­cher­heits­un­ter­neh­mer“ und pflegt Kon­takte zur Hoo­li­gan-Gruppe Ho­GeSa. Dä­britz for­derte die De­mons­tran­t_in­nen auf, in den kom­men­den Wo­chen ab­wech­selnd in Cott­bus und in Dres­den auf die Straße zu ge­hen. Im De­mons­tra­ti­ons­zug lief hin­ter Dä­britz der Neo­nazi-Hoo­li­gan M. Völ­pel, der beim Aus­wärts­spiel von En­er­gie Cott­bus ge­gen den SV Ba­bels­berg 03 am 28. April den Hit­ler­gruß zeigte. Auch wei­tere Per­so­nen aus dem Um­feld der mitt­ler­weile auf­ge­lös­ten Cott­bu­ser Fan­grup­pie­run­gen „In­ferno Cott­bus“ und „Un­be­queme Ju­gend“ sol­len bei bei der De­mons­tra­tion mit­ge­lau­fen sein. Ihre Ge­walt­be­reit­schaft zeigte sich jüngst eben­falls bei dem Spiel bei Ba­bels­berg, in dem sie ras­sis­ti­schen und an­ti­se­mi­ti­sche Pa­ro­len in Rich­tung der geg­ne­ri­schen Fans skan­dier­ten und ver­such­ten, das Spiel­feld zu stür­men.


Vi­deo: Jü­di­sches Fo­rum für De­mo­kra­tie und ge­gen An­ti­se­mi­tis­mus

Auch Per­so­nen der Iden­ti­tä­ren Be­we­gung Ber­lin-Bran­den­burgs wa­ren in Cott­bus auf der De­mons­tra­tion ver­tra­ten. So bei­spiels­weise Paula Win­ter­feldt, die sich ver­gan­gene Wo­che an der ge­schei­ter­ten Blo­ckade-Ak­tion der IB vor dem Jus­tiz­mi­nis­te­rium in Ber­lin be­tei­ligte. Sze­ne­ken­ner_in­nen ge­hen da­von aus, dass Win­ter­feldt per­so­nelle Kon­takte nach Cott­bus pflegt. Zeit­weise habe sie in Cott­bus ge­wohnt. Die IB ist eine ak­ti­ons­ori­en­tierte und völ­kisch aus­ge­rich­tete Grup­pie­rung, die seit Au­gust 2016 vom Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz be­ob­ach­tet wird.

Zum Be­richt des Jü­di­schen Fo­rums für Dem­kra­tie und ge­gen An­ti­se­mi­tis­mus zur De­mons­tra­tion: hier.

An­ti­fa­schis­t_in­nen stop­pen kurz­zei­tig den Auf­marsch
Ei­ner Gruppe von An­ti­fa­schis­t_in­nen ge­lang es am Stadt­tor den Auf­marsch kurz­fris­tig zum Se­hen zu brin­gen. Zwar wurde die Blo­ckade von der Po­li­zei in kür­zes­ter Zeit ab­ge­schirmt und ab­ge­drängt. Die Ak­tion konnte je­doch trotz­dem eine Ver­zö­ge­rung der De­mons­tra­tion er­rei­chen. Ver­ein­zelt konn­ten au­ßer­dem am Rande des De­mo­zu­ges Ge­gen­de­mons­tran­t_in­nen ih­ren Un­mut über das Ge­sche­hen äußern.

Bild: Lausitzer Rundschau

Bild: Lau­sit­zer Rund­schau

Auf eine zen­trale Ge­gen­ver­an­stal­tung hat­ten die zi­vil­ge­sell­schaft­li­chen Ak­teur_in­nen in der Stadt ver­zich­tet. Im Vor­feld der De­mons­tra­tion kri­ti­sierte das an­ti­fa­schis­ti­sche und zi­vil­ge­sell­schaft­li­che Bünd­nis „Cott­bus Na­zi­frei“ die fehl­ge­lei­tete kom­mu­nale De­batte um die Frage der Si­cher­heit auf öffent­li­chen Plät­zen. Nach­dem es schon seit ge­rau­mer Zeit zu ge­walt­tä­ti­gen Aus­brü­chen in der Cott­bu­ser In­nen­stadt ge­kom­men ist, dis­ku­tiert das Stadt­par­la­ment näm­lich dar­über, ein Al­ko­hol­ver­bot in den be­sag­ten Brenn­punk­ten ein­zu­rich­ten, so­wie die Über­wa­chung zu er­hö­hen. Den Vor­wurf, dass die Ge­walt in der Stadt vor al­lem von Ge­flüch­te­ten aus­ge­hen soll, schätzte das Bünd­nis „an­ge­sichts der Re­kord­zah­len rech­ter Überg­riffe“ in der Stadt als „ab­surd“ ein. Mit der De­batte wür­den die Kom­mu­nal­po­li­ti­ker_in­nen „rech­ten und au­to­ri­tä­ren Be­we­gun­gen“ in die Hände spie­len, so Bünd­nis­spre­che­rin Luise Meyer.

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