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Antifa Königs Wusterhausen
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Antifa Königs Wusterhausen

Königs Wusterhausen entwickelte sich nach der Wende regelrecht zu einer "Nazihochburg". Des Öfteren wurden Menschen die nicht in das dumpf-deutsche Raster passen angepöbelt, gedemütigt, zusammengeschlagen und schwer verletzt.
 
Die Zunahme neofaschistischer Übergriffe, die breite Akzeptanz rassistischen Denkens sowie das Fehlen wirksamer Gegenstrategien machten uns klar, dass antifaschistische Arbeit nicht nur in größeren Städten, sondern an jedem Ort und eben auch in Königs Wusterhausen (und Umgebung!) geleistet werden muss. Unter dem Eindruck dieser Entwicklung wurde im Jahr 1997 die „Unabhängige Jugendgruppe Antifa“ gegründet die im laufe der Jahre mehrere strukturelle und personelle Veränderungen erfuhr (siehe Historie in KW).
 
Die Kommunalpolitiker stehen dieser bedrückenden Situation eher mit Gelassenheit und Passivität gegenüber. Man beruft sich des Öfteren auf die nicht 100%ige Nachweisbarkeit einer politischen Motivation etc. ... Aktionen und Veranstaltungen der Antifa werden (außer von der PDS) ignoriert und aktive Jugendliche versuchte man von offizieller Seite schon oft zu kriminalisiert.
 
Warum Antifa-Arbeit?
 
Rechtsextremismus ist keine gesellschaftliche Randerscheinung, die allein irregeleiteten Jugendlichen ohne Zukunftsperspektive zugeschrieben werden kann, er entsteht aus der Mitte unserer Gesellschaft. So ist in der hochgespielten Diskussion um die "Innere Sicherheit" fast nur noch von einer gestiegenen organisierten Ausländerkriminalität die Rede. Auch für soziale und ökonomische Probleme, die aus der gravierenden Umgestaltung des Sozialmodells auf Kosten der Schwächeren in unserer Gesellschaft resultieren, werden die Flüchtlinge und EmigrantInnen verantwortlich gemacht werden.
 
Solche Sündenbockphilosophien beruhen auf Bewußtseins- und Denkformen, die zwar nicht konsequent und in jeder Hinsicht als faschistisch bezeichnet werden können, die aber durchaus geeignet sind, in breiten Schichten der Bevölkerung den Boden dafür zu bereiten.
 
Zwar kann der Staat kaum ein Interesse an einer ausufernden Nazibewegung haben, aber solange die Neofaschisten kontrollierbar sind, sind sie diesem System von Nutzen. Dank dem Druck der Neonazis auf der Straße, können sie den Ausbau des Repressionsapparates, der den Vorstellungen der Faschisten von einem starken Staat nur entgegenkommt, als Notwendigkeit erscheinen lassen.
 
Die Verschärfung der Repressionen trifft indessen in erster Linie linke Strukturen, deren Lösungsansätze und Alternativen den Menschen selbst statt seiner kapitalistischen Verwertbarkeit in den Vordergrund stellen. In diesem politischen Klima wächst der gesellschaftliche Einfluß der "Neuen Rechten" beständig. Unter der Verwendung von linkem Vokabular sowie moderner und intellektueller Ausdrucksweise versuchen sie auf Ökologie-bewegung, Friedensbewegte, enttäuschte Linke, politisch Unorientierte, Konservative und nicht zuletzt auf Alt- und Jungnazis Einfluss zu nehmen.
 
Die Abwehr der faschistischen Gefahr muss ein elementares gemeinsames Interesse aller demokratisch und fortschrittlich denkender Menschen sein.
 
Der Kampf gegen den Faschismus ist vordergründig auch ein Kampf gegen die gesellschaftlichen Bedingungen, aus denen heraus die Bereitschaft der Menschen resultiert, faschistische und chauvinistische Denkmuster anzunehmen, wie beispielsweise Konkurrenzmechanismen, patriarchale Sozialisation oder soziale Isolation aus verschiedensten Gründen.
 
Informations- und Präventionspolitik
 
Seit 1997 versuchen wir diesem Anspruch durch eine transparente und offene Informations- und Präventionspolitik gerecht zu werden. Seit jeher verfolgen wir das Ziel mit Flyern, Demos, Gedenkmärschen, Kundgebungen, Festivals und verschiedenen Aktionen die Bevölkerung, vor allem Jugendliche, aufzuklären, aufzurütteln und zum aktiven Kampf gegen Neofaschisten und staatlichen Rassismus zu motivieren. Jedem, der regelmäßig in die lokalen Zeitungen schaut, werden wir wohl bekannt sein. Durch den Antirassismustag, den wir jedes Jahr veranstalten, durch KWer-Demos in den letzten Jahren, durch die Mitorganisation der antifaschistischen Gedenktage, durch Plakate, Transparente, das "le monde est à nous - Festival" und die Homepage www.antifa-in-kw.de .
 
Entgegen dem in Antifa-Kreisen peinlicherweise weit verbreiteten Mode-Trend der Konspirativität suchen wir seit jeher den Weg offensiver Öffentlichkeitsarbeit um Ideen und Projekte möglichst vielen Menschen auf glaubwürdige Art und Weise näher zu bringen. Solidarität, Sympathie und Unterstützung für unsere Arbeit kann unserer Meinung nach nur entstehen, wenn nach außen klar erkennbar ist was wir wollen und wie wir planen dies umzusetzen.
 
Leider ist in den letzten Jahren (nicht ganz unbegründet) durch das fehlen dieser Transparenz und einer übertriebenen „Geheimnistuerei“, die in vielen Fällen nur dazu dient die eigene Person interessant zu machen, ein Bild der Antifa als „elitärer Zirkel“ entstanden. Dies soll andererseits aber auch nicht heißen dass wir das persönliche Sicherheitsbedürfnis des einzelnen vernachlässigen oder nicht ernst nehmen. Gerade in Königs Wusterhausen gab es in den letzten Jahren massive Gewaltandrohungen gegenüber antifaschistisch aktiven Menschen, Bomben- und Waffenfunden so wie Brandanschlägen.
 
Das Aussehen ist nicht wichtig, sondern was du denkst…
 
Wir wollen nicht belehren sondern informieren, aufmerksam machen und über die Ursachen des Faschismus sowie über Strukturen und Mechanismen, die dem Rechtsruck in unserer Gesellschaft heute Vorschub leisten, aufzuklären um einen Gedankenanstoß geben. So können Erkenntnisse gewonnen werden, die es dem bzw. der Einzelnen klar machen, wo Möglichkeiten für ein konkretes politisches Engagement liegen.
 
Wir lehnen es strikt ab, Menschen auf Grund ihres Aussehens, ihres Alters, oder ihres Wissensstandes zu diffamieren, zu selektieren, auszuschließen oder weniger ernst zu nehmen.
 
Wir wollen einen Anlaufpunkt für junge Leute sein, die sich aktiv mit Antifaschismus auseinandersetzen wollen und sich über Faschismus früher und heute informieren möchten. Jeder Mensch der das ernsthafte Bedürfnis hat antifaschistische Arbeit zu leisten soll herzlich dazu eingeladen sein dies mit uns zusammen zu tun.
 
Unsere Ziele sind vor allem, dem alltäglichen Faschismus in der Schule und auf der Straße entschlossen entgegenzutreten, eine antifaschistische Jugendkultur und linke Politik vorzuschlagen, den politischen Diskurs zu fördern und auch zu zeigen, was wir unter politischen Alternativen verstehen.
 
Bündnispolitik
 
Auch stehen wir praxisorientierter Bündnisarbeit fast immer aufgeschlossen gegenüber. Dabei sind feste Gruppierungen genauso willkommen wie Einzelpersonen die sich explizit an Aktionen beteiligen möchten oder einen persönlichen Beitrag leisten wollen.
 
Je weiter die antifaschistische Vernetzung voranschreitet und je mehr Menschen sich darin einbinden, desto größer werden unsere Möglichkeiten den rechten Kräften und Strukturen entgegenzutreten.
 
Ablehnend stehen wir lediglich Personen und Organisationen gegenüber, deren „Engagement“ im Widerspruch zu real praktizierten Handlungen steht. Auch möchten wir an dieser Stelle nochmals darauf hinweisen, dass wir nicht mehr bereit sind uns zu dem überaus dumpfsinnigen Argument „Wir seien nicht tolerant da wir etwas gegen Nazis haben“ zu äußern! Denn:
 
Toleranz hört da auf wo Intoleranz anfängt!