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Zeit zu Han­deln

Ge­mein­sam ge­gen Ras­sis­mus!
Auf­ruf zur an­ti­ras­sis­ti­schen De­mons­tra­tion am 26. Fe­bruar in Ora­ni­en­burg.
oburg262
Am 26. Fe­bruar wol­len ras­sis­ti­sche Bürger_innen und Neo­na­zis eine asyl­feind­li­che Ver­an­stal­tung in Ora­ni­en­burg (nörd­lich von Ber­lin) durch­füh­ren. Be­reits seit mehr als ei­nem Jahr mar­schie­ren im Schnitt je­weils bis zu 300 Per­so­nen durch die Stra­ßen Ora­ni­en­burgs und ver­brei­ten ihre Hetze ge­gen Ge­flüch­tete, so­wie In­itia­ti­ven und Men­schen, die in der Stadt für eine of­fene und so­li­da­ri­sche Ge­sell­schaft ein­ste­hen. Ne­ben den De­mons­tra­tio­nen in Ra­the­now (Ha­vel­land), bei de­nen fast wö­chent­lich im Schnitt bis zu 500 Neo­na­zis und Ras­sis­t_in­nen teil­neh­men, sind die “Abend­spa­zier­gänge” in Ora­ni­en­burg die größ­ten ras­sis­ti­schen Auf­mär­sche, die in Bran­den­burg re­gel­mä­ßig statt­fin­den. Zu­neh­mend zie­hen die De­mons­tra­tio­nen aber auch an­dere rechte Grup­pie­run­gen, wie die „Iden­ti­täre Be­we­gung“, Bär­gida, so­wie an­dere ver­wirrte Ge­stal­ten aus den ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Krei­sen an. Die Ver­samm­lung im Fe­bruar ist die zehnte Ver­an­stal­tung und aus die­sem “be­son­de­ren” An­lass la­den sich die Or­ga­ni­sa­tor_in­nen den rech­ten “PI-News”-Autor Mi­chael Mann­hei­mer, alias Karl-Mi­chael Merkle, ein. Die Ein­la­dung des pro­mi­nen­ten Is­lam­has­sers soll die ras­sis­ti­sche Mo­bi­li­sie­rung stei­gern. Es ist da­her mit hö­he­rem Po­ten­zial an Teil­neh­mer_in­nen aus Ber­lin und an­de­ren Bran­den­bur­ger Land­krei­sen zu rech­nen.

„Wer mit der NPD mar­schiert, ist ein NAZI!“
Die Or­ga­ni­sa­tor_in­nen der so­ge­nann­ten „Abend­spa­zier­gänge für eine an­ge­mes­sene Asyl­po­li­tik“ ver­su­chen stets den De­mons­tra­tio­nen ein bür­ger­li­ches Ant­litz ei­nes un­schein­ba­ren, kri­ti­schen Pro­tests zu ver­lei­hen. Ganz klar steht je­doch die ört­li­che NPD hin­ter der Or­ga­ni­sa­tion und Durch­füh­rung der De­mons­tra­tio­nen. Die Tech­nik wird durch die NPD ge­stellt, be­trie­ben und be­wacht, be­kannte Ak­ti­vis­t_in­nen über­neh­men Ord­ner­tä­tig­kei­ten und NPD-Po­li­ti­ker_in­nen fin­den sich nicht nur un­ter den De­mons­trie­ren­den, son­dern tre­ten als Red­ner_in­nen, Fo­to­graf_in­nen und Kon­takt zur Po­li­zei auf. Ak­ti­vis­ten aus dem di­rek­ten Um­feld der NPD küm­mern sich um die Trans­pa­rente, Fah­nen, Schil­der oder brin­gen den wär­men­den Tee. Auf der letz­ten De­mons­tra­tion im Ja­nuar wurde die “Deut­sche Stimme”, die Par­tei­zei­tung der NPD, als „freie Lek­türe“ of­fen ver­teilt. [1]

Als re­gel­mä­ßi­ger Red­ner auf der De­mons­tra­tion tritt Mar­tin U. auf und heizt die Menge durch seine Re­den im NS-Stil auf. Er stammt aus dem Um­feld der JN Ora­ni­en­burg, wel­che eng ver­zahnt ist mit der ver­bo­te­nen Hei­mat­treuen Deut­schen Ju­gend (HDJ). Die HDJ war eine Or­ga­ni­sa­tion, die ras­sis­ti­sche Ju­gend­ar­beit ganz im Sinne des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, der alle Be­rei­che des Le­bens um­fasst, be­trie­ben hat. Bei der ers­ten De­mons­tra­tion im De­zem­ber 2014 sprach die Ber­nauer NPD-Stadt­ver­ord­nete und -Lan­des­schatz­meis­te­rin, Ai­leen Ro­kohl. Sei­tens der Ver­an­stal­ter_in­nen soll man von ih­rer Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit nichts ge­wusst ha­ben, ebenso we­nig wie von an­de­ren Un­ter­stüt­zungs­leis­tun­gen der NPD. Dass der An­mel­der Carlo-Eik Christo­peit selbst zum Un­ter­stüt­zer­kreis der NPD zählt, be­wei­sen seine Kom­men­tare und Li­kes auf di­ver­sen NPD-Sei­ten auf Face­book und das nicht erst mit dem Ent­ste­hen der ras­sis­ti­schen De­mons­tra­ti­on­kul­tur. [2] Die NPD weiß ge­nau um ihre Po­si­tion bei der ras­sis­ti­schen Mo­bi­li­sie­rung. Tritt sie öffent­lich als sol­che auf, schrumpft die Zahl der De­mons­trie­ren­den. Zieht sie je­doch die Fä­den im Hin­ter­grund, kann sie lang­fris­tig auf eine in­halt­li­che und per­sön­li­che Ak­zep­tanz in­ner­halb der Pro­teste rech­nen so­wie neue Kräfte an sich bin­den. Wer bei den von Neo­na­zis or­ga­ni­sier­ten Auf­mär­schen mit­mar­schiert, muss sich klar sein, mit wem er in ei­ner Reihe steht.

Von der Kom­men­tar­spalte zum Überg­riff
Auf ein­schlä­gi­gen Face­book-Sei­ten ver­brei­ten sich auch in Ora­ni­en­burg und Um­land die asyl­feind­li­che Hetze und Lü­gen wie ein Lauf­feuer. Of­fene Ge­walt­an­dro­hun­gen sind an der Ta­ges­ord­nung. Erst Mitte Ja­nuar kur­sierte das Ge­rücht, dass ein Mäd­chen von Asyl­su­chen­den im Bus im Nach­bar­dorf Lee­ge­bruch be­läs­tigt wurde. Dem folgte ein But­ter­säu­re­an­schlag auf die Asyl­un­ter­kunft in der Ge­meinde Ober­krä­mer, die am Rande von Lee­ge­bruch liegt und in der viele Fa­mi­lien un­ter­ge­bracht sind. [3] In ei­ner ent­spre­chen­den Pres­se­mel­dung geht die Po­li­zei da­von aus, dass die But­ter­säure durch die Be­woh­ner_in­nen der Un­ter­kunft ver­schüt­telt wurde, da laut An­ga­ben des Wach­schut­zes keine Per­so­nen ab 22 Uhr rein oder raus ge­gan­gen sei­nen. [4] Die Er­klä­rung der Po­li­zei ist so frag­wür­dig und per­fide, wie die Mel­dun­gen über Würfe von Hand­gra­na­ten auf Asyl­un­ter­künfte, bei de­nen “ein rech­ter Hin­ter­grund aus­ge­schlos­sen wer­den kann”. Dass Ge­flüch­tete in Mas­sen­un­ter­künf­ten trotz oder ge­rade we­gen des Wach­schut­zes kei­nen Schutz ge­nie­ßen, zeig­ten bun­des­weit öffent­lich be­kannt ge­wor­dene Fälle von Miss­hand­lun­gen von Ge­flüch­te­ten durch Wach­per­so­nal [5] so­wie den Ein­satz be­kann­ter Neo­na­zis in den Un­ter­künf­ten. [6,7]

Auch auf der Straße wird die Stim­mung zu­neh­mend ag­gres­si­ver. So kam es bei der ras­sis­ti­schen De­mons­tra­tion im De­zem­ber letz­ten Jah­res in Ora­ni­en­burg zu meh­re­ren Überg­rif­fen durch die Teil­neh­men­den auf Ge­gen­de­mons­tran­t_in­nen, un­ter de­nen sich auch Stadt­ver­ord­nete be­fun­den ha­ben. [8] Auf der „Nein zum Heim in Ora­ni­en­burg“ Face­book-Seite, so­wie wei­te­ren Ab­le­gern, wer­den re­gel­mä­ßig En­ga­gierte de­nun­ziert und aufs übelste be­schimpft. Jour­na­lis­t_in­nen wer­den auf den Sei­ten ge­ou­tet und ge­nauso wie Kom­mu­nal­po­li­ti­ker_In­nen auf der Straße kör­per­lich be­drängt. All dies zeigt, dass die an­onyme Hetze im In­ter­net Früchte trägt: die Ge­walt­an­dro­hun­gen in den Kom­men­tar­spal­ten sind längst Rea­li­tät ge­wor­den.

An­ti­ras­sis­ti­schen Wi­der­spruch or­ga­ni­sie­ren – Die Suppe über den Tel­ler­rand aus­löf­feln!
Wäh­rend die ras­sis­ti­schen De­mons­tra­tio­nen zu An­fang noch auf re­gen Wi­der­spruch durch en­ga­gierte Men­schen stie­ßen, lie­ßen die Ge­gen­pro­teste in Ora­ni­en­burg im­mer mehr nach. Ora­ni­en­burg ist nicht der ein­zige re­gel­mä­ßige Schau­platz ras­sis­ti­scher Mo­bi­li­sie­rung im Land­kreis Ober­ha­vel. Bis­lang wei­te­ten sich die De­mons­tra­tio­nen im sel­ben Stil auf vier wei­tere Städte und über die Gren­zen des Land­krei­ses aus und mo­bi­li­sie­ren kon­ti­nu­ier­lich mehr Ras­sis­t_in­nen. Auch in den an­de­ren Städ­ten bre­chen die Ge­gen­pro­teste zu­sam­men. Ohne nen­nens­werte Ge­gen­wehr, au­ßer klei­ne­ren Kund­ge­bun­gen und der re­gel­mä­ßi­gen kri­ti­schen Be­richt­erstat­tung, steht die ras­sis­ti­sche Hetze im öffent­li­chen Raum un­kom­men­tiert da.

Wir wol­len das be­droh­li­che Trei­ben nicht wei­ter hin­neh­men und ru­fen zu ei­ner an­ti­ras­sis­ti­schen De­mons­tra­tion am 26. Fe­bruar in Ora­ni­en­burg auf! Kommt nach Ora­ni­en­burg und un­ter­stützt die lo­ka­len Struk­tu­ren!

Mit der an­ti­ras­sis­ti­schen De­mons­tra­tion wol­len wir uns den Het­zer_in­nen ent­schlos­sen ent­ge­gen stel­len und auch den we­ni­gen En­ga­gier­ten in Ora­ni­en­burg noch ein­mal Kraft für ei­nen lan­gen Atem in Kalt­land ge­ben. Die an­ti­ras­sis­ti­sche De­mons­tra­tion am 26. Fe­bruar in Ora­ni­en­burg soll als eine In­ter­ven­tion ver­stan­den wer­den. Ähn­lich wie am 12. Ja­nuar in Ra­the­now [9] wol­len wir mög­lichst viele Men­schen, vor al­lem über die Gren­zen des Land­krei­ses hin­aus, mo­bi­li­sie­ren. Wir wol­len An­ti­ras­sis­t_in­nen und An­ti­fa­schis­t_in­nen in Ber­lin und Bran­den­burg dazu mo­ti­vie­ren über den ei­ge­nen Tel­ler­rand hin­aus zu bli­cken und so­li­da­risch zu han­deln. Nur wenn wir alle an ei­nem Strang zie­hen und uns ge­gen­sei­tig un­ter­stüt­zen, kön­nen wir den ras­sis­ti­schen Kon­sens bre­chen. Das Hin­ter­land darf keine “na­tio­nal be­freite Zone” und No-Go-Area wer­den, in der Neo­na­zis mit Un­ter­stüt­zung der ras­sis­ti­schen Be­völ­ke­rung ihre He­ge­mo­ni­al­an­sprü­che ge­walt­tä­tig durch­set­zen.

Zeit zu Han­deln!
Ge­mein­sam ge­gen Ras­sis­mus!

An­ti­ras­sis­ti­sche De­mons­tra­tion:
26. Fe­bruar // 18.00 Uhr // Bahn­hof Ora­ni­en­burg (vor der Schule)

Alle In­fos un­ter: inforiot.de/orb
Flyer: Vor­der­seite| Rück­seite

Ge­mein­same An­reise:
Ber­lin
17:00 S Bhf. Ge­sund­brun­nen Gleis 4
Pots­dam
16:45 Haupt­bahn­hof Pots­dam Gleis 2

Ak­ti­ons­kon­sens
Wir bit­ten am 26. Fe­bruar fol­gen­den Ak­ti­ons­kon­sens zu be­ach­ten: Mit der De­mons­tra­tion set­zen wir uns den ras­sis­ti­schen Auf­marsch am 26. Fe­bruar ent­ge­gen. Von uns geht da­bei keine Es­ka­la­tion aus. Wir sind so­li­da­ri­sche mit al­len, die un­sere Ziele tei­len.

Quel­len­nach­weise:
[1] http://www.inforiot.de/oranienburg-abendspaziergang-driftet-in-die-verschwoerungstheorien-ab/
[2] http://www.inforiot.de/200-rassistinnen-marschierten-erneut-durch-oranienburg/
[3] http://www.maz-online.de/Lokales/Oberhavel/Ueble-Gerueche-und-zwei-Verletzte-im-Asylheim
[4] https://polizei.brandenburg.de/pressemeldung/unbekannte-fluessigkeit-verklappt/139577
[5] http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/wachpersonal-in-fluechtlingsunterkuenften-wie-sicher-sind-die-sicherheitsdienste/-/id=1622/did=16490002/nid=1622/7dtfrp/index.html
[6] http://www.sueddeutsche.de/politik/rechtsextremismus-neonazi-war-wachmann-in-heidenau-1.2632002
[7] http://www.maz-online.de/Brandenburg/Misshandlungen-in-NRW-Brandenburger-Fluechtlingsrat-warnt-vor-privaten-Asylheimen
[8] http://www.inforiot.de/oranienburg-abendspaziergaengerinnen-gehen-auf-gegendemonstrant_innen-los/ und http://www.moz.de/lokales/artikel-ansicht/dg/0/1/1444927/
[9] http://www.inforiot.de/antirassistische-intervention-in-rathenow/

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