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Pots­dam: Pro­zess ge­gen An­ti­fa­schis­ten

Quelle: Rote Hilfe Potsdam

Viele Men­schen, die sich den Po­gida-Na­zis in den Weg stell­ten, müs­sen sich nun mit Er­mitt­lungs­ver­fah­ren und Pro­zes­sen aus­ein­an­der­set­zen. Oft wer­den sie we­gen an­geb­li­chen Wi­der­stands ge­gen Voll­stre­ckungs­be­amte kri­mi­na­li­siert.

We­gen die­ses Vor­wurfs steht am Mon­tag, den 15. Mai 2017, ein An­ti­fa­schist vor dem Amts­ge­richt Pots­dam. Er soll am 24.02.2016 in Born­stedt eine Po­li­zei­kette durch­lau­fen ha­ben. Wir er­in­nern uns: Da­mals zog eine große an­ti­ras­sis­ti­sche Demo mit rund 1.000 Teilnehmer*innen Rich­tung Born­stedt. Die Po­li­zei störte diese De­mons­tra­tion im­mer wie­der. Es sollte of­fen­sicht­lich ver­hin­dert wer­den, dass zu viele Leute nach Born­stedt ström­ten, um die Na­zis auf­zu­hal­ten. Die Po­li­zei er­rich­tete im­mer wie­der Po­li­zei­sper­ren, um die Na­zi­geg­ner auf­zu­hal­ten. Durch so eine Sperre soll nun der von Re­pres­sion be­trof­fene An­ti­fa­schist durch­ge­lau­fen sein. Mit Sitz­blo­cka­den und viel­fäl­ti­gen Ak­tio­nen wurde da­für ge­sorgt, dass Pots­dam heute kein Auf­mar­schort für Po­gida mehr ist. Die Po­li­zei hin­ge­gen ver­suchte oft Pro­teste in Hör- und Sicht­weite der Na­zis zu un­ter­bin­den. Auch mit Knüppel- und Pfef­fer­spray­ein­sät­zen, oder wie in Born­stedt, mit Hetz­jag­den und Po­li­zei­sper­ren ge­gen Demonstrant*innen. In Ba­bels­berg wurde nach ei­ner Demo die Kneipe No­wa­wes durch eine Hun­dert­schaft mit Knüp­peln ge­stürmt. Bei Klei­nig­kei­ten wur­den Demonstrant*innen in Ge­wahr­sam ge­nom­men und „er­ken­nungs­dienst­lich“ be­han­delt. Da­bei hielt sich die Po­li­zei selbst nicht an die Ge­setze: im Falle des an­ge­klag­ten An­ti­fa­schis­ten musste im Nach­hin­ein die An­ord­nung zur er­ken­nungs­dienst­li­chen Be­hand­lung zu­rück­ge­zo­gen wer­den, es keine recht­li­che Grund­lage da­für gab.

Pro­teste ge­gen Auf­mär­sche wie die von Po­gida sind nö­tig: Po­li­ti­ker_in­nen al­ler Par­teien nah­men im letz­ten Jahr die rech­ten Auf­mär­sche zum An­lass, For­de­run­gen nach Asyl­rechts­ver­schär­fun­gen nach­zu­kom­men statt die Ideo­lo­gien der Ab­schot­tung und des Ras­sis­mus zu be­kämp­fen. Der Ras­sis­mus der Wut­bür­ger wie auch seine Um­set­zung in Po­li­tik und Ge­setze hat töd­li­che Kon­se­quen­zen, an den Gren­zen Eu­ro­pas oder hier in Deutsch­land auf der Straße (al­lein 3.500 An­griffe auf Ge­flüch­tete im Jahr 2016!). Vor die­sem Hin­ter­grund ist es für alle, die nach wie vor an dem Prin­zip der uni­ver­sa­len Men­schen­rechte fest­hal­ten, le­gi­tim, den Weg des Wi­der­stands ge­gen die men­schen­feind­li­che Mei­nungs­bil­dung zu ge­hen. In Pots­dam schei­terte Po­gida an den vie­len Hun­der­ten Men­schen, die die Auf­marsch­rou­ten der Na­zis blo­ckier­ten. In ge­sell­schaft­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung um fun­da­men­tale Prin­zi­pien wa­ren und sind Sitz­blo­cka­den ef­fek­tive Mit­tel, ge­sell­schaft­li­chen Pro­test ge­gen de­mo­kra­tie- und men­schen­feind­li­che Ent­wick­lun­gen zu äußern.

So wurde An­fang der 80er in der BRD mas­sen­haft ge­gen die Sta­tio­nie­rung von atom­waf­fen­fä­hi­gen Mit­tel­stre­cken­ra­ke­ten im Sitz­streik in­ter­ve­niert. Die Sitz­blo­cka­den im Wend­land ge­gen die Cas­tor­trans­porte er­zwan­gen ein Über­den­ken ei­ner En­er­gie­po­li­tik, die mit ih­rem ra­dio­ak­ti­vem Ri­siko und Müll die Mensch­heit be­droht. Wi­der­stand, der den Na­zis buch­stäb­lich die Straße nimmt tritt di­rekt ih­rem An­spruch auf He­ge­mo­nie über den öffent­li­chen Raum ent­ge­gen und setzt ein wahr­nehm­ba­res Zei­chen ge­gen die ge­sell­schaft­li­che Ak­zep­tanz des Ras­sis­mus. Wir sind froh, dass Po­gida von der Straße ver­drängt wurde. Viele Leute ha­ben mo­na­te­lang ge­gen die Na­zis auf der Straße pro­tes­tiert und blo­ckiert. Nun sol­len ei­nige die Ze­che da­für zah­len und un­sin­nige Er­mitt­lun­gen ge­gen sich aus­hal­ten.

Wir las­sen sie da­bei nicht al­lein und ru­fen auf, alle Men­schen, die we­gen ih­res Wi­der­stan­des ge­gen Po­gida vor Ge­richt ste­hen zu un­ter­stüt­zen.

Mon­tag, 15. Mai 2017, 11 Uhr Saal 22 im Amts­ge­richt Pots­dam (Jä­ger­al­lee 10-12)

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