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Iso­liert und trotz­dem ver­netzt – Rechts­rock im Land­kreis Bar­nim (Bran­den­burg)

Quelle: Don't call it Music!

Kai Hesselmann, Steffen Hesselmann, Ronny Eckbert, Christian Droemert

Kai Hes­sel­mann, Stef­fen Hes­sel­mann, Ronny Eck­bert, Chris­tian Dro­emert

“Sterni”, Jan-Michael Keller, Björn Reddemann, Klaus Mann

“Sterni”, Jan-Mi­chael Kel­ler, Björn Red­de­mann, Klaus Mann

Im Bran­den­bur­ger Land­kreis Bar­nim exis­tiert seit über zehn Jah­ren eine kleine, aber ak­tive rechte Mu­sik­szene. Das be­kann­teste Pro­jekt aus der Re­gion ist die Band “Preu­ßen­front” aus Ber­nau. Ihr Sän­ger Kai Hes­sel­mann ge­hörte bis Mitte der Zwei­tau­sen­der Jahre der “Deut­schen Volks­union” (DVU) an und spielte mit sei­ner Band auch auf Kun­de­ge­bun­gen und Som­mer­fes­ten der Par­tei.

Die Ver­bin­dung zwi­schen Rechts­rock­szene und DVU ist in Bran­den­burg nichts Un­ge­wöhn­li­ches. Auch Klaus Mann, der bis heute sein Ge­lände in Schorf­heide bei Fi­no­w­furt für Kon­zerte der rech­ten Szene be­reit­stellt, war ein wich­ti­ger An­sprech­part­ner der Par­tei, bis er vor knapp fünf Jah­ren den Lan­des­vor­sitz der rech­ten Kleinst­par­tei “Die Rechte” in Bran­den­burg über­nahm.

Am Bass stand bei “Preu­ßen­front” Kai Hes­sel­manns Bru­der Stef­fen Hes­sel­mann, der lo­ka­len Ka­me­rad­schafts­struk­tu­ren ent­stammt. “Preu­ßen­front” galt als Lo­kal­ma­ta­dor, schaffte es – ver­mut­lich auf­grund ih­rer öden, be­lie­big wir­ken­den Rechts­rock-Mu­sik – je­doch nicht, auf den “gro­ßen Büh­nen” der Szene auf­zu­tre­ten. Aus “Preu­ßen­front” wurde spä­ter “Klänge des Blu­tes”, bis auch diese Band sich im Jahr 2015 auf­löste. Hö­he­punkt ih­rer mu­si­ka­li­schen “Kar­riere” war ein Bei­trag auf ei­ner Solidaritäts-CD für den jähr­lich statt­fin­den­den Na­zi­auf­marsch “Tag der deut­schen Zu­kunft” so­wie ein Auf­tritt auf Sieg­fried Bor­chardts Ge­burts­tags­feier im Jahr 2013.

Hes­sel­mann ver­suchte da­nach er­neut sein Glück mit dem kurz­wei­li­gen Pro­jekt “Ra­ri­tä­ten”. Ak­tu­ell ist er bei der Na­zi­band “Feuer Frei” mit von der Par­tie. Wei­tere Mit­glie­der von “Feuer Frei” sind die lang­jäh­rig ak­ti­ven Neo­na­zis Chris­tian “Hotte” Dro­emert, Ronny “Ecki” Eck­bert und “Sterni”. Der in Bees­kow wohn­hafte Eck­bert war schon Mit­glied der NS-Black-Me­tal-Band “Mo­gon” um Sän­ger Sil­vio Kautz. “Sterni” ist vor al­lem als Mit­glied der Neo­nazi-Bru­der­schaft “Mid­gards Wäch­ter” und als Gi­tar­rist der Ber­li­ner Na­zi­band “Kahl­schlag” be­kannt. Bei die­ser spielte bis zur Auf­lö­sung 2010 auch der im NPD-Kreis­ver­band Ber­lin-Lich­ten­berg ak­tive Jan-Mi­chael Kel­ler, heute Bas­sist beim Rechts­rock-Trio “Sacha Korn” aus Tel­tow bei Pots­dam.

Der Ber­li­ner Neo­nazi Björn Red­de­mann ak­ti­vierte “Kahl­schlag” im Jahr 2016 er­neut. Wie in den An­fangs­jah­ren der Band steht er an der Gi­tarre und über­nimmt den Ge­sang. In An­be­tracht ei­ner sich im­mer wei­ter pro­fes­sio­na­li­sie­ren­den Rechts­rock­szene kann man je­doch gu­ter Dinge sein, dass “Kahl­schlag” ab­ge­se­hen von qua­li­ta­tiv min­der­wer­ti­gen Pro­be­raum­vi­deos in den nächs­ten Jah­ren kaum in Er­schei­nung tre­ten wird. Auch “Feuer Frei” trat bis­her nur im klei­ne­ren Kreis auf, oft im Um­feld von Neo­nazi-Bru­der­schaf­ten wie der “AO Straus­berg” oder der “Bri­gade 8”.

Ein un­voll­stän­di­ger Ab­riss des Kon­zert­ge­sche­hens, an dem die oben ge­nann­ten Mu­si­ker mit­wirk­ten:

  • – 18. Sep­tem­ber 2010 Auf­tritt von “Kahl­schlag” in Berlin-Schöneweide auf ei­ner Kund­ge­bung der NPD, zu­sam­men u.a. mit “Ex­zess” (Straus­berg)
  • – 2. Ok­to­ber 2010 Auf­tritt von “Preu­ßen­front” auf dem “Preu­ßen­tag” der NPD in Bran­den­burg, zu­sam­men u.a. mit “Preu­ßen­stolz” (Pots­dam) – mehr “Preu­ßen” geht nun wirk­lich nicht
  • – 3. Sep­tem­ber 2011 Auf­tritt von “Mo­gon” in Ro­then­burg-Ge­heege, u.a. mit den NSBM-Bands “Nord­glanz” (Frank­furt am Main) und “Per­ma­frost” (Sach­sen-An­halt)
  • – 16. No­vem­ber 2013 Auf­tritt von “Klänge des Blu­tes” im “Rössle” in Rheinmünster-Söllingen (Baden-Würtemberg) an­läss­lich des 60. Ge­burts­tags des Dort­mun­der Neo­na­zis Sieg­fried Bor­chert alias “SS-Siggi”, zu­sam­men mit den Na­zi­bands “Die Lu­ni­koff Ver­schwö­rung” (Ber­lin), “Sach­so­nia” (Raum Dres­den) und an­de­ren
  • – 17. Juni 2017 Auf­tritt von “Feuer Frei” in den Räum­lich­kei­ten der Neo­nazi-Bru­der­schaft “Bri­gade 8” in Weiß­was­ser (Sach­sen)
  • One thought on “Iso­liert und trotz­dem ver­netzt – Rechts­rock im Land­kreis Bar­nim (Bran­den­burg)

    1. Die Jungs hei­ßen Has­sel­mann mit Nach­na­men, nicht Hes­sel­mann.

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