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· FFO: Bereits mehrmals musste die Recherchegruppe von neonazistischen Vorfällen berichten, die sich im Umfeld der Frankfurter Kneipe "Die Bierbar" ereigneten.

Im­mer Ärger mit der „Bier­bar“

Quelle: Recherchegruppe Frankfurt (Oder)

Ein bier­se­li­ger Abend mit ei­nem Nazi-Lie­der­ma­cher vor ei­ni­gen Wo­chen in be­sag­tem Lo­kal ist nun An­lass ge­nug, sich ein we­nig in­ten­si­ver mit der Kneipe zu be­fas­sen:

„Die Bier­bar“

„Die Bier­bar“ ist in der Berg­straße 189, auf der Ecke ei­nes Frank­fur­ter Wohn­hau­ses an­ge­sie­delt, in dem­sel­ben Haus, in dem auch der an­ti­ras­sis­ti­sche und an­ti­fa­schis­ti­sche Ver­ein Uto­pia seit Jah­ren sei­nen Sitz hat. Die­ser Ver­ein war den Gäs­ten schon des öfte­ren ein Dorn im Auge, so­dass es zu meh­re­ren Überg­rif­fen und Sach­be­schä­di­gun­gen im und am be­sag­tem Wohn­haus kam.

Im Som­mer 2006, als die Kneipe noch „Mocki’s Bier­bar“ hieß und der In­ha­ber ein an­de­rer als der heu­tige war, grif­fen dor­tige Gäste nach ei­nem Fuss­ball-WM-Spiel ein Hof­fest des Uto­pia e.V. an, Im De­zem­ber des­sel­ben Jah­res ver­such­ten sich ei­nige stadt­be­kannte Neo­nazi-Hoo­li­gans, nach­dem sie den Abend in der Kneipe ver­bracht hat­ten, ge­walt­sam Zu­tritt zum Wohn­haus zu ver­schaf­fen, in dem sich auch der Uto­pia e.V. befindet.[1]

Im No­vem­ber 2008 grif­fen meh­rere rechte „FCV“-Hooligans eine Gruppe von An­ti­fa­schis­t_in­nen vor der Kneipe an und ver­letz­ten sie. Dies ge­schah, nach­dem die Hoo­li­gans be­reits vor­her eine Sach­be­schä­di­gung am Ver­eins­ei­gen­tum des Uto­pia e.V. im dor­ti­gen Wohn­haus be­gan­gen hat­ten. Die Tä­ter wur­den dar­auf­hin zu Be­wäh­rungs­stra­fen ver­ur­teilt. [2]

Im Mai die­ses Jah­res wur­den ins­ge­samt zwei Ha­ken­kreuze an der Ein­gangs­tür des Wohn­hau­ses an­ge­bracht. Beim zwei­ten Mal hatte sich an be­sag­tem Abend eine Gruppe jun­ger Män­ner zu­nächst in der „Bier­bar“ auf­ge­hal­ten, um dann ge­gen die Tür des Wohn­hau­ses zu tre­ten und Pa­ro­len wie „Kom­mu­nis­ten­schweine“ zu ru­fen. [3]

Am 9. Au­gust 2013 schließ­lich fand in der Kneipe eine Feier mit dem Frank­fur­ter Lie­der­ma­cher Björn Brusak statt, der neo­na­zis­ti­sches Lied­gut, dar­un­ter Land­ser und Frank Ren­ni­cke, zum Bes­ten gab. Die alar­mierte Po­li­zei er­stat­tete ge­gen die an­we­sen­den Gäste und den Lie­der­ma­cher An­zeige we­gen Volks­ver­het­zung so­wie we­gen Ver­wen­dung von Kenn­zei­chen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Or­ga­ni­sa­tio­nen.

Wer ist ei­gent­lich Björn Brusak?

Der 28-jährige Frank­fur­ter Björn Brusak ist, wenn er nicht ge­rade deut­sche Sol­da­ten be­singt, Un­ter­neh­mens­be­ra­ter für den pri­va­ten Haus­halt bei der Te­lis Fi­nanz AG, ei­ner Fi­nanz- und Un­ter­neh­mens­be­ra­tungs­ge­sell­schaft, in Frank­furt (Oder). Laut sei­nem „Facebook“-Profil hat er am Otto-Bren­ner-Gym­na­sium sein Ab­itur ab­ge­legt. Zu­dem er­fährt man, dass Brusak of­fen­sicht­lich Fan des Apart­heids­re­gimes in Süd­afrika ist, wel­ches bis 1994 eine ras­sis­tisch le­gi­ti­mierte Vor­herr­schaft der wei­ßen Süd­afri­ka­ner über die schwar­zen dar­stellte. Brusak po­siert dem­entspre­chend auch mit Gi­tarre vor der ehe­ma­li­gen Na­tio­nal­flagge Süd­afri­kas oder gibt ras­sis­ti­sche und ge­walt­ver­herr­li­chende Mel­dun­gen über die an­geb­li­che Un­ter­drü­ckung der wei­ßen Be­völ­ke­rung wei­ter. Auch in­ter­es­sant ist seine Freun­des­liste, in der un­ter an­de­rem der of­fen­bar ehe­ma­lige Frank­fur­ter Neo­nazi Ste­fan Schulz ver­tre­ten ist.

Und was sagt In­ha­ber Guido Tiet­gen dazu?

Guido Tiet­gen ist seit ei­ni­gen Jah­ren In­ha­ber der „Bier­bar“. Der ge­lernte Klemp­ner be­sitzt noch zwei wei­tere Lo­kale in der Re­gion: das „Die­bels Live“ in Frank­furt so­wie das „Café Os­car“ in Ei­sen­hüt­ten­stadt. Im Juni 2004 stellte er als Wirt des mitt­ler­weile ge­schlos­se­nen „Preus­sen­ecks“ der NPD Räum­lich­kei­ten für eine Saal­ver­an­stal­tung mit zwei Lie­der­ma­chern zur Ver­fü­gung. [4] In der Frank­fur­ter „Bier­bar“ hatte Tiet­gen den in­zwi­schen ver­stor­be­nen, mehr­mals ver­ur­teil­ten Neo­nazi Chris­tian Stei­ni­cke als Bar­kraft an­ge­stellt. Und auch sonst be­su­chen die „Bier­bar“ eher Gäste, die sich dem po­li­tisch rech­ten Spek­trum zu­ord­nen oder zu­min­dest mit die­sem kein Pro­blem ha­ben. Kon­se­quen­zen aus sei­nem Neo­nazi-Stamm­kli­en­tel zog Tiet­gen nur ein­mal kurz­zei­tig nach dem Über­fall sei­ner Gäste auf eine Gruppe An­ti­fa­schis­t_in­nen 2008 – er er­teilte ih­nen Haus­ver­bot. Das ist je­doch längst wie­der auf­ge­ho­ben. Und so tum­meln sich in sei­ner Kneipe wei­ter­hin Gäste mit Thor-Stei­nar-Kla­mot­ten oder Neo­nazi-Lie­der­ma­cher.

Quel­len:

[1] Vgl. http://apap.blogsport.eu/files/2013/02/rechercheoutput_ffo_2.pdf
[2] Vgl. http://recherchegruppe.wordpress.com/2011/03/15/prozess-gegen-fcv-hooligans-beginnt/
[3] Vgl. http://recherchegruppe.wordpress.com/chronologie/
[4] Vgl. http://apap.blogsport.eu/files/2013/02/rechercheoutput_ffo_2.pdf

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