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Alternative News & Termine für Brandenburg

De­mo­tipps

Klar, es gibt rie­sige Un­ter­schiede zwi­schen ei­ner Demo und ei­ner Demo. Oft sa­gen wir uns, daß bei der Demo so­wieso nix pas­siert und ha­ben auch recht da­mit. De­noch soll­ten ei­nige Grund­re­geln auch auf „Spaziergang“-Demo be­her­zigt wer­den, weil auch sol­che schon Ob­jekt po­li­zei­li­cher Ak­tio­nen ge­wor­den sind.

Auf dem Weg zur Demo
Gehe nach Mög­lich­keit nie al­leine auf eine Demo oder zu ei­ner an­de­ren Ak­tion. Es ist nicht nur lus­ti­ger, mit Men­schen un­ter­wegs zu sein, die du kennst und de­nen du ver­traust, son­dern auch si­che­rer. Pro­fi­mä­ßig ist es, zu­sam­men hin­zu­ge­hen und zu­sam­men den Ort des Ge­sche­hens wie­der zu ver­las­sen. Sinn­voll ist es auch, in der Gruppe vor­her das Ver­hal­ten in be­stimm­ten Si­tua­tio­nen ab­zu­spre­chen. Da­bei sollte Raum für Ängste und Un­si­cher­hei­ten ein­zel­ner sein. Wäh­rend der Demo sollte die Gruppe mög­lichst zu­sam­men blei­ben.
Achte auf an­ge­mes­sene Klei­dung incl. Schuhe, in de­nen Du be­quem und ggf. schnell lau­fen kannst. Steck ei­nen Stift und ein Stück Pa­pier ein um wich­tige De­tails zu no­tie­ren. Nimm eine Te­le­fon­karte und ein paar Gro­schen mit, die Po­li­zei ist zwar nach ei­ner Fest­nahme ver­pflich­tet, Dir auch dann 2 Te­le­fo­nate zu ge­wäh­ren, wenn Du kein Geld da­bei hast, aber si­cher ist si­cher. Nimm Me­di­ka­mente, die Du re­gel­mä­ßig ein­neh­men musst, in aus­rei­chen­der Menge mit. Bes­ser Brille als Kon­takt­lin­sen. Lass per­sön­li­che Auf­zeich­nun­gen, be­son­ders Adress­bü­cher, zu Hause. Über­leg gut, was Du un­be­dingt brauchst. Al­les an­dere kann im Falle ei­ner Fest­nahme der Po­li­zei nüt­zen. Dro­gen jeg­li­cher Art soll­ten vor­her we­der kon­su­miert, noch auf die Demo mit­ge­nom­men wer­den; schließ­lich musst Du ei­nen kla­ren Kopf be­wah­ren und je­der­zeit in der Lage sein kön­nen, Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Ei­nen Fo­to­ap­pa­rat brauchst Du nicht, Deine Fo­tos hel­fen im Falle ei­ner Fest­nahme nur der Ge­gen­seite!

Der Er­mitt­lungs­aus­schuss
Meist gibt es ei­nen EA (Er­mitt­lungs­aus­schuß) des­sen Te­le­fon­num­mer durch­ge­sagt oder per Hand­zet­tel ver­brei­tet wird. Der EA küm­mert sich vor al­lem um Fest­ge­nom­mene, be­sorgt für sie An­wäl­tIn­nen. Wenn je­mand fest­ge­nom­men wurde, sollte sie/er sich beim EA mel­den. Wenn Du Zeu­gIn ei­ner Fest­nahme wirst, ver­such den Na­men der/des Fest­ge­nom­me­nen zu er­fah­ren. Melde die Fest­nahme dem EA, da­mit ihr/ihm ge­hol­fen wer­den kann. Men­schen, die nach ei­ner Fest­nahme wie­der frei­ge­las­sen wer­den, soll­ten sich so­fort beim EA zu­rück­mel­den und ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll an­fer­ti­gen.
So ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll kann sehr nütz­lich sein, wenn nach ei­ni­gen Mo­na­ten noch ein Ver­fah­ren er­öff­net wird. (Auch die Po­li­zei hält al­les in ih­ren Un­ter­la­gen fest!) Auch Zeu­gIn­nen von Überg­rif­fen soll­ten ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll an­fer­ti­gen. Be­inhal­ten sollte ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll auf je­den Fall: Ort, Zeit und Art (Fest­nahme, Prü­ge­l­or­gie, Weg­tra­gen) des Überg­riffs, Name der/des Be­trof­fe­nen, Zeu­gIn­nen so­wie An­zahl, Dienstein­heit und Aus­se­hen der Schlä­ger (Ober­lip­pen­bart reicht nicht!). Die­ses Ge­dächt­nis­pro­to­koll ist nur für den EA be­stimmt, so es ei­nen gibt, an­dern­falls erstein­mal si­cher auf­be­wah­ren.

Bei Überg­rif­fen
Polizeiübergriff gegen DemonstrantNicht in Pa­nik ge­ra­ten. Tief Luft ho­len, ste­hen blei­ben und auch an­dere dazu auf­for­dern. Spä­tes­tens jetzt heisst es, schnell Ket­ten zu bil­den und wenn’s gar nicht an­ders geht, sich lang­sam und ge­schlos­sen zu­rück­zu­zie­hen. Oft­mals kön­nen Überg­riffe der Freunde und Hel­fer al­lein durch das ge­ord­nete Ket­ten­bil­den und Ste­hen­blei­ben ab­ge­wen­det, das Spal­ten der Demo, Fest­nah­men und das Lie­gen­blei­ben von Ver­letz­ten ver­hin­dert wer­den.

Bei Ver­let­zun­gen
Küm­mere Dich um Ver­letzte und hilf mit, de­ren Ab­trans­port ge­gen­über Greif­trupps ab­zu­si­chern. Wende Dich an die Demo-Sa­nis, so­weit vor­han­den, oder or­ga­ni­siere mit Freun­dIn­nen selbst den Ab­trans­port oder die Ver­sor­gung der Ver­letz­ten. Wenn Ihr ein Kran­ken­haus auf­su­chen müsst, dann mög­lichst eins, das nicht mit der Ver­an­stal­tung in Ver­bin­dung ge­bracht wird. Wich­tig ist, auch dort keine An­ga­ben zum Ge­sche­hen zu ma­chen – oft schon ha­ben Kran­ken­häu­ser mit der Po­li­zei zu­sam­men­ge­ar­bei­tet und Daten wei­ter­ge­ge­ben. Deine Per­so­na­lien musst Du, al­lein schon we­gen der Kran­ken­ver­si­che­rung, kor­rekt an­ge­ben – aber dar­über­hin­aus nix (ev. „Un­fall im Haus“ o.ä.)

Bei Fest­nah­men
FestnahmeMa­che auf Dich auf­merk­sam, rufe Dei­nen Na­men, ggf. den Ort, aus dem Du kommst, da­mit Deine Fest­nahme dem EA mit­ge­teilt wer­den kann. Wenn Du merkst, dass kein Ent­kom­men mehr mög­lich ist, ver­su­che mög­lichst bald die Ruhe wie­der­zu­ge­win­nen und vor al­lem: ab die­sem Mo­ment sagst Du kei­nen Ton mehr! Nach der Frei­las­sung so­fort beim EA mel­den. Wie­der zu Hause an­ge­kom­men, schreib Dir so ge­nau wie nur mög­lich die Um­stände dei­ner Fest­nahme auf und al­les, an das Du Dich sonst in die­sem Zu­sam­men­hang er­in­nern kannst(Gedächtnisprotokoll), ins­be­son­dere mög­li­che Zeu­gIn­nen des Vor­falls. Nimm Kon­takt auf zum EA, ei­ner Bun­ten oder Ro­ten Hilfe oder ei­ner even­tu­el­len Pro­zeß­gruppe.

Beim Ab­trans­port
Auf der Fahrt zu Ge­fan­ge­nen­sam­mel­plät­zen oder Re­vie­ren sprich ggf. mit den an­de­ren Fest­ge­nom­me­nen über Eure Rechte, aber mit kei­nem Wort über das, was Ihr oder Du ge­macht habt/hast. Das wäre nun wirk­lich nicht das erste Mal, dass da ein Spit­zel un­ter Euch ist, auch wenn Du ein gu­tes Ge­fühl zu al­len hast. Achte auf an­dere und zeige Dich ver­ant­wort­lich, wenn sie mit der Si­tua­tion noch schlech­ter klar­kom­men als Du, das be­ru­higt auch Dich. Re­det dar­über, dass es Sinn macht, ab so­fort kon­se­quent die Schnauze zu hal­ten. Tau­sche mit Dei­nen Mit­ge­fan­ge­nen Na­men und Adres­sen aus, da­mit der/die zu­erst Frei­ge­las­sene den EA in­for­mie­ren kann.

Auf der Wa­che
Ge­gen­über der Po­li­zei bist Du nur ver­pflich­tet, An­ga­ben zu Dei­ner Per­son zu ma­chen, das sind aus­schliess­lich:

Name, Vor­name, ggf. Ge­burts­name
(Melde-)Adresse
all­gem. Be­rufs­be­zeich­nung (z.B. Stu­dent, An­ge­stellte o.ä.)
Ge­burts­da­tum und Ort
Fa­mi­li­en­stand (z.B. le­dig), Staats­an­ge­hö­rig­keit
(auch diese An­ga­ben kannst Du na­tür­lich ver­wei­gern, nur lie­ferst Du ih­nen da­mit ei­nen bil­li­gen Vor­wand, Dich zu fo­to­gra­fie­ren, Dir Fin­ger­ab­drü­cke ab­zu­neh­men und Dich bis zu 12 Stun­den fest­zu­hal­ten – was sie aber, wenn sie wol­len, oh­ne­hin ma­chen kön­nen. An­sons­ten ist die Ver­wei­ge­rung der Per­so­na­lien nur eine Ord­nungs­wid­rig­keit und kos­tet Dich ein paar Hun­der­ter Buß­geld)
Und das war’s dann aber auch ma­xi­mal! Kei­nen Ton mehr! Nichts über El­tern, Schule, Firma, Wet­ter ….ein­fach:

gar nix!

Nach der Fest­nahme hast Du das Recht, zwei Te­le­fon­ge­sprä­che zu füh­ren. Nerv die Po­li­zis­tIn­nen so lange, bis sie Dich te­le­fo­nie­ren las­sen, droh mit ei­ner An­zeige. Bei Ver­let­zun­gen ei­nen Arzt ver­lan­gen, von die­sem ein At­test for­dern. Nach der Frei­las­sung ei­nen wei­te­ren Arzt auf­su­chen und ein zwei­tes At­test an­fer­ti­gen las­sen. Bei be­schä­dig­ten Sa­chen schrift­li­che Be­stä­ti­gung ver­lan­gen. Bei er­ken­nungs­dienst­li­cher Be­hand­lung (Fo­tos, Fin­ger­ab­drü­cke) Wi­der­spruch ein­le­gen und pro­to­kol­lie­ren las­sen. Selbst aber nichts un­ter­schrei­ben!

Im Ver­hör
HandschellenLass Dich nicht ein­wi­ckeln. Lass Dich we­der von Bru­ta­los ein­schüch­tern, noch von ver­ständ­nis­vol­len On­kel-Ty­pen weich­la­bern. Glaube nicht, die Be­am­ten aus­trick­sen zu kön­nen. Jede Si­tua­tion ist güns­ti­ger, um sich was Schlaues zu über­le­gen, als die, wenn Du auf der Wa­che sitzt, und al­les – wirk­lich al­les – ist auch nach Ab­spra­che mit Ge­nos­sIn­nen und An­wäl­tIn noch mög­lich, auch wenn Dir die Po­li­zis­tIn­nen er­zäh­len, dass es bes­ser für Dich wäre, jetzt so­fort Aus­sa­gen zu ma­chen: das ist ge­lo­gen! Auch keine „harm­lo­sen“ Plau­de­reien, „aus­ser­halb“ des Ver­hörs, z.B. beim War­ten auf dem Flur o.ä., keine „po­li­ti­schen Dis­kus­sio­nen“ mit den Wach­teln: Je­des Wort nach dei­ner Fest­nahme ist eine Aus­sage! Auch wenn Du meinst, Dir wer­den Sa­chen vor­ge­wor­fen, mit de­nen Du gar­nix zu tun hast, mög­li­cher­weise auch Sa­chen, die Du nie tun wür­dest – halte bitte trotz­dem die Klappe. Was Dich ent­las­tet, kann je­mand an­de­ren be­las­ten, hat von zwei Ver­däch­ti­gen ei­ner ein Alibi, bleibt ei­ner ü brig. Auch In­for­ma­tio­nen dar­über, was Du nicht ge­tan hat, hel­fen dem Staats­schutz, ein Ge­samt­bild ge­gen Dich und an­dere zu kon­stru­ie­ren. Es ist je­doch nicht nur ein Ge­bot der So­li­da­ri­tät ge­gen­über an­de­ren und der Ver­nunft im Hin­blick auf ein mög­li­ches ei­ge­nes künf­ti­ges Straf­ver­fah­ren, son­dern dar­über­hin­aus auch schlicht­weg am ein­fachs­ten, am (real­tiv) „be­quems­ten“, am (re­la­tiv) “ schmerz­lo­ses­ten“ für Dich in die­ser Si­tua­tion, to­tal und um­fas­send gar­nix zu sa­gen und von vorn­her­ein den Ver­neh­me­rIn­nen klar zu ma­chen, dass Du um­fas­send die Aus­sage ver­wei­gerst. Nach den Fra­gen zur Per­son kom­men oft erst­mal ganz „un­ver­fäng­li­che“ Fra­gen: „Wie lange woh­nen Sie denn schon in“; „Sind Sie mit dem Auto her­ge­kom­men?“; „Im wie­viel­ten Se­mes­ter sind Sie? “ … Und wenn Sie mer­ken, dass Du dar­auf, viel­leicht auch wi­der­wil­lig, noch ein­gehst und ant­wor­test, wer­den sie ihre Chance wit­tern und gna­den­los wei­ter­boh­ren, wenn Du auf an­dere Fra­gen nicht mehr ant­wor­ten willst : „Was ist denn da­bei, wenn Sie mir sa­gen, ob Sie mit xy zu­sam­men­woh­nen?“; „Warum wol­len Sie mir denn das nicht sa­gen?“; „Das lässt sich doch fest­stel­len, wem das Auto ge­hört, das hält doch jetzt nur auf, wenn Sie es nicht von sich aus sa­gen“ usw, usw… Sie wer­den keine Ruhe ge­ben, so­lange Du über­haupt auch nur auf das Ge­spräch ein­gehst. Völ­lig an­ders ist die Si­tua­tion in dem Au­gen­blick, in dem Du un­miss­ver­ständ­lich klar machst, und zwar so ein­deu­tig und mo­no­ton wie mög­lich, daß es je­der Schi­man­ski ka­piert, dass Du die Aus­sage ver­wei­gerst: Auf jede, aber auch jede Frage, ein­tö­nig wie eine ka­putte Schall­platte: „Ich ver­wei­gere die Aus­sage!“. „Reg­net es drau­sen?“ – „Ich ver­wei­gere die Aus­sage!“; „Wol­len Sie eine Zigarette/einen Kaf­fee?“ – „Ich ver­wei­gere die Aus­sage! „; „Wol­len Sie viel­leicht mit je­man­den an­ders spre­chen?“ – „Ich ver­wei­gere die Aus­sage! „… Keine Angst, nie­mand hält Dich für blöde, auch wenn Dein Ge­gen­über so tun wird. Er/sie wird im Ge­gen­teil sehr schnell ka­pie­ren, dass es Dir ernst ist und Du nicht zu über­tö­peln bist, dass Du ge­nau weisst, was Du zu tun hast, und wird auf­ge­ben. Das heisst für Dich auf je­den Fall erst­mal raus aus der Ver­hör­mühle und im bes­ten Fall, daß Du nach Hause ge­hen kannst.
Frei­las­sen müs­sen sie Dich
bei Fest­nah­men zur Iden­ti­täts­fest­stel­lung:
nach­dem Du Deine Per­so­na­lien ab­ge­ge­ben hast und wenn Du ei­nen Aus­weis da­bei hast ei­gent­lich so­fort; um zu über­prü­fen, ob deine An­ga­ben auch stim­men, kön­nen Sie Dich je­doch bis zu 12 Stun­den fest­hal­ten.

bei Fest­nah­men als Tat­ver­däch­ti­ger:
spä­tes­tens um 24:00 Uhr des auf die Fest­nahme fol­gen­den Ta­ges (also ma­xi­mal 48 Stun­den), es sei denn, sie füh­ren Dich ei­nem Rich­ter vor und die­ser ver­hängt ent­we­der In­ter­su­chungs­haft (nur bei schwe­ren Straf­ta­ten und Flucht- oder Ver­dunk­lungs­ge­fahr – bis zu 6 Mo­na­ten, aber auch län­ger) oder ord­net ein „Schnell­ver­fah­ren“ an (dann ma­xi­mal eine Wo­che).

bei Vor­beu­ge­haft („Un­ter­bin­dungs­ge­wahr­sam“):
wenn nach Auf­fas­sung der Po­li­zei die Ge­fahr be­steht, Du könn­test Straf­ta­ten oder Ord­nungs­wid­rig­kei­ten be­ge­hen: bis zum Ende der Ak­tion, zu der Du woll­test (Demo, Wi­der­stands­tage, …), ma­xi­mal je nach Bun­des­land zwi­schen 24 Stun­den (z.B. in Ber­lin) und 2 Wo­chen (z.B. Sach­sen, Bay­ern). Da die Po­li­zei­ge­setze, in de­nen das fest­ge­legt ist, stän­dig ver­schärft wer­den, soll­test Du Dich vor ei­ner Ak­tion in ei­nem an­de­ren Bun­des­land im­mer kun­dig ma­chen, um keine Über­ra­schun­gen zu er­le­ben.

Schnell­ver­fah­ren
Seit 1994 bzw. 1997 gibt es das sog. „be­schleu­nigte Ver­fah­ren“ und die „Haupt­ver­hand­lungs­haft “ – aus­drück­lich ein­ge­führt, um „rei­sen­den Ge­walt­tä­tern“, also De­mons­tran­tIn­nen, für „klei­nere De­likte“ (Höchst­strafe ein Jahr) ei­nen kur­zen Pro­zess zu ma­chen. Du wirst fest­ge­nom­men und gleich da­be­hal­ten (ma­xi­mal eine Wo­che), bis ei­nige Tage spä­ter Dir der Pro­zess ge­macht wird, mit ein­ge­schränk­ten Ver­tei­di­gungs­rech­ten und ohne die Mög­lich­keit für Dich, Dich an­ge­mes­sen vor­zu­be­rei­ten.
Schon dar­aus wird ganz klar: Am Schnell­ver­fah­ren be­tei­li­gen wir uns nie­mals ak­tiv! Keine Aus­sa­gen, keine Ko­ope­ra­tion. Das kann mensch nur „durch­ste­hen“, über sich er­ge­hen las­sen wie ei­nen Re­gen­schauer, da gibt es auch keine Ver­tei­di­gung! Da von ex­tre­men Aus­nah­men ab­ge­se­hen, im Schnell­ver­fah­ren nur Bewährungs- oder Geld­stra­fen ver­hängt wer­den kön­nen, kommst Du so­fort nach die­ser Ka­ri­ka­tur ei­ner Ge­richts­ver­hand­lung wie­der auf freien Fuß, kannst durch­at­men, über­le­gen, be­spre­chen und wenn Du in­ner­halb ei­ner Wo­che Rechts­mit­tel ein­legst, Dich in al­ler Ruhe auf den „rich­ti­gen Pro­zess“ vor­be­rei­ten.
In Haupt­ver­hand­lungs­haft soll­test Du ver­su­chen, Deine An­wäl­tIn zu er­rei­chen, schon da­mit diese das Schnell­ver­fah­ren ab­zu­wen­den und Dich raus­zu­ho­len ver­su­chen kann.
Auch macht es na­tür­lich Sinn, in ei­nem Schnell­ver­fah­ren eine An­wäl­tIn da­bei zu ha­ben, auch wenn eine sinn­volle Ver­tei­di­gung gar­nicht mög­lich ist. Auf gar kei­nen Fall aber soll­test Du, wenn keine An­wäl­tIn da­bei ist, ir­gend­wel­che Pro­zess­an­träge o.ä. sel­ber stel­len, auch wenn Du vom Ge­richt be­lehrt wirst, dass Du das kannst! Vor al­lem keine „Ent­las­tungs­zeu­gIn­nen“ be­ne­nen oder ähn­li­ches: es hilft Dir nichts und Du rei­test sie rein, es ha­ben schon Zeu­gIn­nen, die von un­ver­tei­dig­ten An­ge­klag­ten be­nannt wur­den, ers­tens sel­ber das­selbe Ver­fah­ren be­kom­men und zwei­tens noch eins we­gen „Mein­eid“ in dem Ver­fah­ren, in dem sie Zeu­gIn­nen wa­ren! Also: Keine An­träge stel­len, keine Zeu­gIn­nen be­nen­nen!

Haus­durch­su­chun­gen
Nicht un­ge­wöhn­lich sind im Zu­sam­men­hang mit grös­se­ren Ak­tio­nen oder nach Fest­nah­men oder im Rah­men of­fen­si­ver staat­li­cher Raz­zien Haus­durch­su­chun­gen. Auf die ei­gent­lich not­wen­dige rich­ter­li­che Durch­su­chungs­an­ord­nung wird oft we­gen be­haup­te­ter „Ge­fahr im Ver­zug“ ver­zich­tet.
Haus­durch­su­chun­gen ge­hö­ren zu den ge­meins­ten Überg­rif­fen des Staats­ap­pa­rats: ne­ben dem vor­der­grün­di­gen Ziel, et­was zu fin­den, mit dem sie Dir was an­hän­gen kön­nen, ist das Ein­drin­gen in Deine Woh­nung auch im­mer ein Ver­such, Dich zu de­mü­ti­gen, zu de­mo­ra­li­sie­ren und „All­macht“ über Dich zu de­mons­trie­ren. Dem kannst Du am bes­ten wi­der­ste­hen, wenn Du ei­nen ru­hi­gen Kopf be­wahrst! Wenn sie Dich mor­gens ge­weckt ha­ben, werde erst­mal rich­tig wach, setz Dir ei­nen Kaf­fee auf, geh erst­mal aufs Klo…
Wenn sie erst­mal in Dei­ner Woh­nung ste­hen, kannst Du die Durch­su­chung nicht mehr ver­hin­dern. Aber Du kannst ei­ni­ges tun, da­mit sie nicht zur Ka­ta­stro­phe wird:
Das Wich­tigste: Keine Aus­sage, kein Wort von Dir, z.B. zu dem Vor­wurf, auf­grund des­sen die Duch­su­chung statt­fin­det. Du soll­test ja oh­ne­hin nie meh­rere Ex­em­plare von „bri­san­ten“ Flug­blät­tern im Haus ha­ben (Dir könnte „Ver­brei­tung“ vor­ge­wor­fen wer­den), vor De­mos oder grös­se­ren Er­eig­nis­sen, z.B. Re­vo­lu­tio­nen, räumst Du Deine Bude oh­ne­hin gründ­lich auf (auch das Piece und die Quit­tung vom letz­ten Ver­si­che­rungs­be­trug!) – falls sie trotz­dem was „be­las­ten­des“ bei Dir fin­den: kein Wort von Dir dazu! Auch nicht: „Das ge­hört mir nicht“ o.ä., ein­fach gar­nix!
Ver­su­che Zeu­gIn­nen her­bei­zu­ho­len, rufe Freun­dIn­nen an und lass den Hö­rer da­ne­ben lie­gen, da­mit der/die An­ge­ru­fene so un­ge­fähr mit­be­kommt, was ab­geht. Wenn mög­lich, in­for­miere Deine Rechts­an­wäl­tIn. Lass Dir die Duch­su­chungs­an­ord­nung zei­gen, ver­lange eine Ko­pie; bei „Ge­fahr im Ver­zug“ lass Dir zu­min­des­tens den Grund der Durch­su­chung ge­nau sa­gen und die Sa­chen, nach de­nen ge­sucht wird und schreib Dir das auf. Schreib Dir Na­men und Dienst­num­mern der Be­am­ten auf. Ver­lange, dass Deine Be­schwerde (ohne in­halt­li­che Be­grün­dung!) zu Pro­to­koll ge­nom­men wird.
Du hast das Recht, bei je­dem ein­zeln durch­such­tem Raum da­bei­zu­sein, ver­lange des­halb, dass ein Raum nach dem an­de­ren durch­sucht wird. Wird et­was mit­ge­nom­men, Be­schlag­nah­me­ver­zeich­nis ver­lan­gen, aber nicht un­ter­schrei­ben! Wenn nichts be­schlag­nahmt wurde, lass Dir das be­schei­ni­gen.
Wenn sie wie­der weg sind, de­tail­lier­tes Ge­dächt­nis­pro­to­koll an­fer­ti­gen, EA, Pro­zess­gruppe, Bunte oder Rote Hilfe und die An­wäl­tIn in­for­mie­ren. Dann lade Dir Deine beste Freun­din, Dei­nen bes­ten Freund ein, denn nach ei­ner sol­chen Sa­che bist Du mit den Ner­ven erst­mal fer­tig und hast je­des Recht, Dich aus­zu­quat­schen, aus­zu­heu­len und/oder ver­wöhnt zu wer­den!

Vor­la­dun­gen
Wo­chen oder Mo­nate nach­dem Du Dich an ei­ner Aktion/Demo be­tei­ligst hast, be­kommst Du Post von den Bul­len oder der Staats­an­walt­schaft, manch­mal ru­fen sie auch an.
Egal, ob Du Zeu­gIn oder Be­schul­dig­teR in ih­rem Spiel­chen sein sollst, spä­tes­tens jetzt ist es Zeit, Dich an EA oder Rote Hilfe zu wen­den und eine An­wäl­tIn zu su­chen. In den meis­ten Fäl­len ist jetzt der Zeit­punkt, die Sa­che öffent­lich zu ma­chen, po­li­ti­schen Pro­test zu or­ga­ni­sie­ren und So­li­da­ri­tät ein­zu­wer­ben.
Auf kei­nen Fall ist eine Vor­la­dung Grund, in Pa­nik zu ge­ra­ten oder plötz­lich ei­nem An­walt mehr zu trauen als den ei­ge­nen po­li­ti­schen Über­zeu­gun­gen und auf ir­gend­wel­chen „Han­del“ mit der Staats­ge­walt zu spe­ku­lie­ren o.ä.! Hier gilt wie im­mer: Ruhe be­wah­ren – Wi­der­stand or­ga­ni­sie­ren! Bis­her war der Re­pres­si­ons­ap­pa­rat noch im­mer eher be­reit, seine Ver­fok­gung zu­rück­zu­neh­men, wenn in ei­nem Fall gros­ser öffent­li­cher Druck auf­ge­baut wer­den konnte, als wenn die Ver­folg­ten sich ein­schüch­tern lies­sen!

Aus­sa­ge­ver­wei­ge­rung als BeschuldigteR/AngeklagteR
Als Be­schul­dig­teR (so heisst das im Er­mitt­lungs­ver­fah­ren) oder An­ge­klag­teR (im Straf­pro­zess) hast Du je­des Recht, die Aus­sage zu ver­wei­gern, in je­der Phase des Ver­fah­rens. Das soll­test Du zu Be­ginn der Ver­fol­gung auf je­den Fall tun, nie ein Wort „zur Sa­che“ nach Fest­nahme, Haus­durch­su­chung, beim Ver­hör! Wirst Du von der Po­li­zei vor­ge­la­den, musst Du nicht­mal hin­ge­hen, zur Staats­an­walt­schaft und zum Er­mitt­lungs­rich­ter (und na­tür­lich ggf. zu Dei­nem ei­ge­nen Pro­zess­ter­min) musst Du er­schei­nen, aber nichts sa­gen. Ob Du spä­ter im Pro­zess eine Er­klä­rung, „po­li­tisch“ oder „zur Sa­che“, ab­ge­ben willst, kannst Du spä­ter im­mer noch in Ruhe mit Ge­nos­sIn­nen, EA, Ro­ter Hilfe oder Rechts­an­wäl­tIn be­spre­chen.

Aus­sa­ge­ver­wei­ge­rung als Zeu­gIn
Als Zeu­gIn eben­falls kein Wort zur Po­li­zei oder Staats­an­walt­schaft! Auch hier gilt: zur Po­li­zei nicht hin­ge­hen, zur Staats­an­walt­schaft und Rich­ter musst Du hin, sonst kön­nen sie Dich fest­neh­men und hin­schlep­pen.
In der ers­ten Phase des Ver­fah­rens, un­mit­tel­bar nach der Ak­tion, nach Fest­nahme, Durch­su­chung, im Ver­hör, be­vor Du Dich mit Be­schul­dig­ten, Pro­zess­gruppe, Ro­ter Hilfe, EA, An­wäl­ten usw. be­spre­chen konn­test, ist jede Aus­sage nur falsch und schäd­lich für Dich und für an­dere, da soll­test Du auf je­den Fall Dei­nen Mund hal­ten, egal mit was sie Dir dro­hen oder was sie Dir ver­spre­chen. Es gibt in die­ser Phase keine „Ent­las­tungs­aus­sa­gen“ und auch keine „harm­lo­sen Aus­sa­gen“! Ein­fach kein Wort, das ist das ein­fachste und auch der schnellste Weg, aus der Mühle wie­der raus zu kom­men.
Wirst Du spä­ter als Zeu­gIn von der Staats­an­walt­schaft oder zum Ge­richts­pro­zess ge­la­den, soll­test Du Dich ge­nau mit den an­de­ren Be­tei­lig­ten, vor al­lem den An­ge­klag­ten, be­ra­ten, was wel­che Aus­sage von Dir brin­gen oder scha­den kann. Weil die Staats­jus­tiz in po­li­ti­schen Pro­zes­sen im­mer mehr ver­an­stal­tet, als die Über­füh­rung und Ver­ur­tei­lung Ein­zel­ner, näm­lich z.B. das Aus­for­schen von Wi­der­stands­zu­sam­men­hän­gen, Ent­so­li­da­ri­sie­rung durch Her­aus­grei­fen Ein­zel­ner, Spal­ten durch For­dern von Un­ter­wer­fungs­ges­ten usw. usw. – darum ist sehr oft auch im Ge­richts­pro­zess das ein­zige rich­tige Zeu­gIn­nen-Ver­hal­ten: kon­se­quente und um­fas­sende Aus­sa­ge­ver­wei­ge­rung.
Als Zeu­gIn be­steht grund­sätz­lich, so­fern kein Zeug­nis­ver­wei­ge­rungs­recht (z.B. als Ver­wand­ter, hierzu zäh­len auch die/der Ver­lobte) be­steht, die Pflicht zur Aus­sage. Sie kann mit Ord­nungs­geld und Beu­ge­haft durch­ge­setzt wer­den.

Der „§55“
Bei be­stimm­ten Fra­gen hast Du das Recht diese nicht zu be­ant­wor­ten, wenn Du Dich even­tu­ell da­mit selbst be­las­ten könn­test, sog. Aus­sa­ge­ver­wei­ge­rungs­recht (§ 55 StPO). Ei­nige emp­feh­len dies als Mit­tel, nichts zu sa­gen und trotz­dem der Beu­ge­haft zu ent­ge­hen.
Da Du aber u.a. be­grün­den musst, warum die Ant­wort auf diese Frage Dich be­las­ten würde, sagst Du meist doch ähn­lich viel aus, als wür­dest Du die Frage selbst be­ant­wor­ten. Im Ge­gen­teil lie­ferst Du der Ge­gen­seite meist wei­tere In­for­ma­tio­nen.
Aus­ser­dem gibt es im­mer Fra­gen, bei de­nen eine Selbst­be­las­tung völ­lig un­denk­bar ist, die Du bei die­ser „Tak­tik“ also be­ant­wor­ten müss­test und schon bist du im Re­den und die Pra­xis zeigt, dass nie­mand mehr in die­ser Si­tua­tion eine selbst­be­stimmte Grenze zie­hen kann. Schliess­lich lie­ferst Du der Staats­jus­tiz da­mit auch die von ihr ge­for­derte Un­ter­wer­fungs­geste und trägst ggf. zu ei­ner Spal­tung in­ner­halb der Gruppe der Zeu­gIn­nen und An­ge­klag­ten bei, denn eine ge­mein­same Pro­zess­stra­te­gie ist dann meist nicht mehr mög­lich.
Da­her war­nen wir nach­drück­lich vor dem Ver­such, sich mit der Me­thode „Aus­sa­ge­ver­wei­ge­rung we­gen Selbst­be­las­tung“ aus der Af­faire zie­hen zu wol­len!

Beu­ge­haft
Hinter Gittern...Wer nicht als Zeu­gIn aus­sagt, ob­wohl er/sie müsste (also we­der Zeug­nis- noch Aus­sa­ge­ver­wei­ge­rungs­recht hat), kann mit dem Zwangs­in­stru­ment der Beu­ge­haft be­legt wer­den. Da­mit sol­len in ers­ter Li­nie Aus­sa­gen er­zwun­gen wer­den, es wird aber auch ge­gen Wi­der­spens­tige, bei de­nen die Er­mitt­ler ge­nau wis­sen, dass sie auch nach Beu­ge­haft keine Aus­sa­gen be­kom­men wer­den, als Schi­kane und reine Re­pres­si­ons­maß­nahme ge­nutzt. Es darf Beu­ge­haft von ins­ge­samt 6 Mo­na­ten an­ge­ord­net wer­den, also auch mehr­mals eine kür­zere Dauer, die zu­sam­men­ge­rech­net ma­xi­mal 6 Mo­nate er­ge­ben.
Beu­ge­haft wird manch­mal be­reits von der Staats­an­walt­schaft an­ge­droht, aber auch hier gilt: Ruhe be­wah­ren: Nur der Rich­ter darf Beu­ge­haft an­ord­nen, nicht der Staats­an­walt! Vor ei­ner even­tu­el­len Beu­ge­haft steht also in der Re­gel die Mög­lich­keit, sich dar­auf vor­zu­be­rei­ten, eine Kam­pa­gne zu pla­nen, für die Miete u.ä. zu sor­gen, die Fol­gen für Ar­beits­platz, Schule u.ä. zu mi­ni­mie­ren usw. Wem droht, in diese Si­tua­tion zu kom­men, der/die muß so­fort Kon­takt zur Pro­zess­gruppe, EA oder Ro­ten Hilfe auf­neh­men.
Schnell­ver­fah­ren
Seit 1994 bzw. 1997 gibt es das sog. „be­schleu­nigte Ver­fah­ren“ und die „Haupt­ver­hand­lungs­haft“ – aus­drück­lich ein­ge­führt, um „rei­sen­den Ge­walt­tä­tern“, also De­mons­tran­tIn­nen, für “ klei­nere De­likte“ (Höchst­strafe ein Jahr) ei­nen kur­zen Pro­zess zu ma­chen. Du wirst fest­ge­nom­men und gleich da­be­hal­ten (ma­xi­mal eine Wo­che), bis ei­nige Tage spä­ter Dir der Pro­zess ge­macht wird, mit ein­ge­schränk­ten Ver­tei­di­gungs­rech­ten und ohne die Mög­lich­keit für Dich, Dich an­ge­mes­sen vor­zu­be­rei­ten.
Schon dar­aus wird ganz klar: Am Schnell­ver­fah­ren be­tei­li­gen wir uns nie­mals ak­tiv! Keine Aus­sa­gen, keine Ko­ope­ra­tion. Das kann mensch nur „durch­ste­hen“, über sich er­ge­hen las­sen wie ei­nen Re­gen­schauer, da gibt es auch keine Ver­tei­di­gung! Da von ex­tre­men Aus­nah­men ab­ge­se­hen, im Schnell­ver­fah­ren nur Bewährungs- oder Geld­stra­fen ver­hängt wer­den kön­nen, kommst Du so­fort nach die­ser Ka­ri­ka­tur ei­ner Ge­richts­ver­hand­lung wie­der auf freien Fuß, kannst durch­at­men, über­le­gen, be­spre­chen und wenn Du in­ner­halb ei­ner Wo­che Rechts­mit­tel ein­legst , Dich in al­ler Ruhe auf den „rich­ti­gen Pro­zess“ vor­be­rei­ten.
In Haupt­ver­hand­lungs­haft soll­test Du ver­su­chen, Deine An­wäl­tIn zu er­rei­chen, schon da­mit diese das Schnell­ver­fah­ren ab­zu­wen­den und Dich raus­zu­ho­len ver­su­chen kann.
Auch macht es na­tür­lich Sinn, in ei­nem Schnell­ver­fah­ren eine An­wäl­tIn da­bei zu ha­ben, auch wenn eine sinn­volle Ver­tei­di­gung gar­nicht mög­lich ist. Auf gar kei­nen Fall aber soll­test Du, wenn keine An­wäl­tIn da­bei ist, ir­gend­wel­che Pro­zess­an­träge o.ä. sel­ber stel­len, auch wenn Du vom Ge­richt be­lehrt wirst, dass Du das kannst! Vor al­lem keine „Ent­las­tungs­zeu­gIn­nen“ be­ne­nen oder ähn­li­ches: es hilft Dir nichts und Du rei­test sie rein, es ha­ben schon Zeu­gIn­nen, die von un­ver­tei­dig­ten An­ge­klag­ten be­nannt wur­den, ers­tens sel­ber das­selbe Ver­fah­ren be­kom­men und zwei­tens noch eins we­gen „Mein­eid“ in dem Ver­fah­ren, in dem sie Zeu­gIn­nen wa­ren! Also: Keine An­träge stel­len, keine Zeu­gIn­nen be­nen­nen!

Straf­be­fehl
Statt ei­nes Pro­zes­ses kann Dir als Beschuldigter/m nach ei­ner Ak­tion auch ein sog. Straf­be­fehl in s Haus flat­tern. Das ist quasi ein Ur­teil ohne Ver­hand­lung, legst Du da­ge­gen in­ner­halb von zwei Wo­chen Wi­der­spruch ein, be­kommst Du ei­nen ganz nor­ma­len erst­in­stanz­li­chen Pro­zess­ter­min und der Starf­be­fehl ist dann nur noch die An­kla­ge­schrift. Den Wi­der­spruch brauchst Du und soll­test Du nicht be­grün­den. Es gilt, wie nach ei­ner Vor­la­dung: so­fort Kon­takt auf­neh­men zu EA, Bun­ter oder Ro­ter Hilfe, ggf. Pro­zess­gruppe oder an­de­ren Be­schul­dig­ten we­gen der­sel­ben Ak­tion und zur Rechts­an­wäl­tIn.
Wich­tig ist nur, dass Du die Zwei­wo­chen­frist ein­hälst, sonst wird der Straf­be­fehl rechts­kräf­tig! Soll­test Du dies we­gen Ab­we­sen­heit von Dei­ner Woh­nung ein­mal nicht kön­nen, z.B. Ur­laub, musst Du so­fort nach Dei­ner Rück­kehr Dich beim Ge­richt mel­den und das mit­tei­len und nach­wei­sen (sog. „Wie­der­ein­set­zung in den vo­ri­gen Stand“).

Mög­li­che aus­län­der­recht­li­che Fol­gen po­li­ti­scher Straf­ver­fol­gung
Schon wäh­rend ei­nes Er­mitt­lungs­ver­fah­rens (also vor der Ver­ur­tei­lung) kann die Aus­län­der­be­hörde ver­su­chen, Dich ab­zu­schie­ben. Vor­aus­set­zung ist der Vor­wurf ei­ner „schwe­ren“ Straf­tat, z.B. schwe­ren Land­frie­den­bruchs. Da­ge­gen kann je­doch in den meis­ten Fäl­len er­folg­reich durch die Ein­schal­tung ei­ner An­wäl­tIn vor­ge­gan­gen wer­den. Für Men­schen ohne deut­schen Pass ist die Hilfe durch UnterstützerInnen-Gruppen und durch An­wäl­tIn­nen noch viel wich­ti­ger als oh­ne­hin! Am gröss­ten ist die Ge­fahr, dass Du ab­ge­scho­ben wirst, nach der Ver­ur­tei­lung.
Den re­la­tiv gröss­ten Schutz ge­gen Ab­schie­bung ha­ben Flücht­linge, de­ren Asyl­an­trag an­er­kannt ist oder die eine Dul­dung we­gen dro­hen­der Fol­ter oder dro­hen­der To­des­strafe er­hal­ten ha­ben; sie ste­hen un­ter dem Schutz der Eu­ro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­tion und der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­tion, wo­nach in sol­chen Fäl­len eine Ab­schie­bung ver­bo­ten ist. Doch die po­li­ti­sche Zu­sam­men­ar­beit, z.B. zwi­schen der BRD und Tür­ki­scher Re­pu­blik, hat es auch in die­sem Be­reich schon zu prak­ti­schen und ju­ris­ti­schen Auf­wei­chun­gen kom­men las­sen.
Am meis­ten be­droht durch eine Ab­schie­bung sind Men­schen, die sich il­le­gal in der BRD auf­hal­ten, z.B. Flücht­linge, de­ren Asyl­ver­fah­ren rechts­kräf­tig ab­ge­schlos­sen ist und die auch keine Dul­dung er­hal­ten ha­ben. In sol­chen Fäl­len sollte so­fort nach ei­ner Ver­haf­tung durch die Po­li­zei mit an­walt­li­cher Hilfe ein (zwei­ter) Asyl­an­trag ge­stellt wer­den, da­durch kann die dro­hende Ab­schie­bung zu­min­des­tens ver­zö­gert wer­den und es wird Zeit ge­won­nen, um wei­tere Schritte zu über­le­gen.
Ei­ner­seits droht bei po­li­ti­scher Ak­ti­vi­tät zu­neh­mend die straf­recht­li­che Ver­ur­tei­lung, an­de­rer­seits kön­nen da­durch auch neue Asyl­gründe ent­ste­hen. So kann ein sog. Asyl­fol­ge­an­trag da­mit be­grün­det wer­den, dass Du in ei­nem Straf­ver­fah­ren als Ak­ti­vis­tIn ge­gen den Staat, des­sen Staats­an­ge­hö­rig­keit Du hast, an­ge­klagt wirst.

Inforiot