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· Brandenburg kann´s: Neonazidemonstration in Neuruppin verhindert

Erst­mals TddZ blo­ckiert

Quelle: Inforiot

Am Sams­tag, den 06. Juni 2015, wollte die neo­na­zis­ti­sche In­itia­tive “Zu­kunft statt Über­frem­dung” den “Tag der deut­schen Zu­kunft” (TddZ) als Ab­schluss ihre “Kampf­kam­pa­gne ge­gen an­ti­deut­sche Po­li­tik” durch­füh­ren. Die über 500 Neo­na­zis aus Bran­den­burg, Ber­lin, Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Ham­burg, Sach­sen-An­halt so­wie aus Dort­mund, wo 2016 der nächste TddZ statt­fin­den soll, wur­den je­doch durch den Pro­test von meh­re­ren tau­send Ge­gen­de­mons­tran­t_in­nen zum Ab­bruch ih­res Auf­mar­sches ge­zwun­gen.

Der Anmelder Dave Trick (rechts) im Gespräch mit Maik Eminger. Redner an diesem Tag und Kopf der neonazistischen Partei "Der III. Weg" in Brandenburg.

Der An­mel­der Dave Trick (rechts) im Ge­spräch mit Maik Emin­ger. Red­ner an die­sem Tag und Kopf der neo­na­zis­ti­schen Par­tei “Der III. Weg” in Bran­den­burg.

Po­li­zei­ge­walt: An­tifa-Blo­cka­den stand­haft
Wäh­rend ein Teil der Neo­na­zis sich in Vel­ten, kurz hin­ter Ber­lin zur ge­mein­sa­men An­reise und kur­zer Kund­ge­bung traf, star­te­ten be­reits am Vor­mit­tag zwei an­ti­fa­schis­ti­sche De­mons­tra­tio­nen. Diese und wei­tere hun­derte an­rei­sende An­ti­fa­schis­t_in­nen folg­ten dem Auf­ruf des an­ti­fa­schis­ti­schen Bünd­nis­ses “No TddZ” und blo­ckier­ten noch vor An­kunft der Neo­na­zis in Neu­rup­pin wich­tige Punkte der ge­plan­ten Aufmarschroute. Trotz ei­nes mas­si­ven Po­li­zei­auf­ge­bo­tes und ri­go­ro­sem Vor­ge­hen der Po­li­zei ge­gen die Ge­gen­de­mons­tran­t_in­nen, konn­ten die In­nen­stadt blo­ckiert werden. Pfefferspray und Was­ser­wer­fer wur­den ge­gen die Blo­ckie­ren­den ein­ge­setzt. Etwa 1500 Po­li­zis­t_in­nen soll an die­sem Tag im Ein­satz ge­we­sen sein. In den frü­hen Mor­gen­stun­den hat­ten ei­nige von ih­nen schon mit “Hurra, Hurra- die Ham­bur­ger sind da”-Rufen über die Po­li­zei-Laut­spre­cher­an­lage ihre Vor­macht­stel­lung auf der Straße ver­kün­den wol­len. Das be­rich­tet eine Au­gen­zeu­gin. Min­des­tens 19 Fest­nah­men soll es an die­sem Tag ge­ge­ben ha­ben, meh­rere Ak­ti­vis­t_in­nen muss­ten im Kran­ken­haus be­han­delt wer­den.

Auch die Berliner NPD um Sebastian Schmidtke unterstützte die "Freie Kräfte"-Demo sogar mit mitgebrachten Lauti.

Auch die Ber­li­ner NPD um Se­bas­tian Schmidtke un­ter­stützte die “Freie Kräfte”-Demo. So­gar mit mit­ge­brach­ten Lauti.

Die TddZ-Marsch war von einer großen Anzahl von polizeikräften aus drei Bundesländern begleitet. Dennoch hinderte das nicht, dass Neonazis Journalist_innen und Gegenprotest zu bedrohen.

Die TddZ-Marsch war von ei­ner gro­ßen An­zahl von Po­li­zei­kräf­ten aus drei Bun­des­län­dern be­glei­tet. Den­noch hin­derte das nicht, dass Neo­na­zis Jour­na­lis­t_in­nen und Ge­gen­pro­test be­droh­ten.

Neo­na­zis: Fon­tane, Rasse, Ge­ne­tik
Im Vor­feld des TddZ war­ben die Neo­na­zis der Freien Kräfte Neu­rup­pin, die als aus­tra­gende Lo­kal­gruppe für die In­itia­tive “Zu­kunft statt Über­frem­dung” fun­gierte, mit dem Schrift­stel­ler Theo­dor Fon­tane als Sym­bol der Stadt Neu­rup­pin. Nach Kri­tik von der Ge­gen­seite, Fon­ta­nes Zi­tate falsch zu deu­ten und sein Kon­ter­fei zu miss­brau­chen, nutze Bea Koch  – füh­rende Ak­ti­vis­tin der Freien Kräfte Neu­rup­pin – ihre Be­grü­ßungs­rede um sich für die Nut­zung Fon­ta­nes als Sym­bol der dies­jäh­ri­gen Kam­pa­gne zu rechtfertigen. In ih­rer Rede er­klärte sie ihre Welt­an­schau­ung als “mo­dern” und “zeit­ge­mäß” und ver­tei­digte das Ras­sen­kon­zept, in­dem sie auf die ge­ne­ti­schen Dif­fe­ren­zen so­ge­nann­ter “Ras­sen” ver­wies. Auch lies sie es sich nicht neh­men, zu be­haup­ten, mit der der­zei­ti­gen Asyl­po­li­tik ginge eine Ver­herr­li­chung von Ge­walt ein­her.

Bea Koch (mitte) versuchte sich mit rassistischen Zuschreibungen ihre Sicht als Wahrheit zu verkaufen.

Bea Koch (mitte) ver­suchte mit ras­sis­ti­schen Zu­schrei­bun­gen ihre Sicht als Wahr­heit zu ver­kau­fen.

Fontane missbraucht: Ein Zitat des aus Neuruppin stammenden Dichters findet sich auf den Kampagnen-Shirts.

Fon­tane miss­braucht: Ein Zi­tat des aus Neu­rup­pin stam­men­den Dich­ters fin­det sich auf den Kam­pa­gnen-Shirts.

Ge­gen 13 Uhr star­tete die Neo­na­zi­de­mons­tra­tion vom Bahn­hof Neu­rup­pin West. Bereits zu Be­ginn herrschst eine ag­gres­sive Stim­mung, die sich vor al­lem ge­gen die an­we­sen­den Jour­na­lis­t_in­nen richtete. Neben den übli­chen Neo­na­zi­pa­ro­len wie  “Na­tio­na­ler So­zia­lis­mus Jetzt”, “Wer Deutsch­land nicht liebt, soll Deutsch­land ver­las­sen” und “Deutsch­land den Deut­schen – Aus­län­der raus”, zeig­ten die Neo­na­zis ihre Droh­ge­bär­den ge­gen­über den an­we­sen­den An­ti­fa­schis­t_in­nen und Jour­na­lis­t_in­nen in laut­star­ken Aus­sprü­chen wie “Antifa-Hurensöhne” und “Lü­gen­presse, auf die Fresse”. Ne­ben­her lief über den Laut­spre­cher der Neo­na­zis vor­nehm­lich Rechts­rock, aber auch ein ei­gens kom­po­nier­ter Song für Neu­rup­pin von Mar­vin Koch, lo­ka­ler Ak­ti­vist und Möchtegern-Rapper.

Brandenburg kann´s: Neonazidemonstration in Neuruppin verhindert

Bran­den­burg kann´s: Neo­na­zi­de­mons­tra­tion in Neu­rup­pin ver­hin­dert

Wi­der­stand: währt nicht lang
Nach we­ni­gen hun­dert Me­tern kam es zum ers­ten grö­ße­ren Zwi­schen­fall: Nach­dem die Neo­na­zis auf Grund von Blo­cka­den stop­pen muss­ten, führte die Po­li­zei ei­nige Zeit dar­auf den Auf­zug un­mit­tel­bar an ei­nem an­ti­fa­schis­ti­schen Blo­cka­de­punkt vor­bei. Da­bei wur­den die Neo­na­zis le­dig­lich über den Grün­strei­fen an der An­tif­ablo­ckade geleitet, Flaschen und Py­ro­tech­nik flo­gen. In die­ser Si­tua­tion kam es er­neut zu Be­dro­hun­gen von Jour­na­lis­t_in­nen. Nach dem Pas­sie­ren der Blo­ckade blie­ben den Neo­na­zis nur noch we­nige Me­ter bis ihr Auf­marsch end­gül­tig zum Ste­hen kam. Eine wei­tere Blo­ckade mit etwa meh­re­ren hun­dert Ge­gen­de­mons­tran­t_in­nen ver­hin­derte den Weg. Anmelder Dave Trick – NPD Ab­ge­ord­ne­ter in Neu­rup­pin und eben­falls Ak­ti­vist der Freie Kräfte Neu­rup­pin – stand nach Ver­hand­lun­gen mit Po­li­zei vor der Wahl: Ent­we­der frei­wil­lig die Stre­cke zu­rück­zu­lau­fen oder un­ter Drän­geln der Po­li­zei auf di­rek­tem Weg zum Bahn­hof West zu­rück. Trick ent­schied, den Auf­marsch vor­zei­tig zu be­en­den.

Wäh­rend der Ver­hand­lung er­griff Bea Koch er­neut das Mi­kro­fon und drohte mit An­grif­fen auf das linke Haus­pro­jekt “Mit­ten­drin” in Neu­rup­pin. Als deut­lich wurde, dass die Po­li­zei die Blo­ckade nicht räu­men wird, ver­such­ten Neo­na­zis mehr­fach aus ih­rem Auf­marsch aus­zu­bre­chen und un­ter­lie­fen suk­zes­sive die Po­li­zei­ket­ten. Neo­na­zis wie Chris­tian Bentz und Da­vid Gudra aus Ber­lin, die sich als Fo­to­gra­fen aus­ga­ben, be­droh­ten Ge­gen­de­mons­tran­t_in­nen. Nach der Auf­lö­sung der Ver­an­stal­tung brach eine Gruppe von 25-30 Neo­na­zis aus und ver­suchte eben­falls die Blo­cka­den an­zu­grei­fen. Ei­nige Zeit spä­ter konn­ten die aus­ge­büx­ten Neo­na­zis wie­der ein­ge­fan­gen wer­den. Dass sich die Neo­na­zis ei­nen früh­zei­ti­gen Ab­bruch ih­rer Ver­an­stal­tung nicht ge­fal­len las­sen, mach­ten sie in meh­re­ren Re­de­bei­trä­gen deut­lich: Sie wer­den sich den Weg not­falls er­kämp­fen, so eine der Aus­sa­gen. Letzt­lich ge­lang den Neo­na­zis der Durch­bruch nicht. Da half auch ein en­er­gi­sches Dis­ku­tie­ren von Ak­ti­vist Tho­mas “Stei­ner” Wulff nicht. Ebenso we­nig wie seine Dro­hung ge­gen­über der Po­li­zei, dass auch diese ei­nen Nach-Hause-Weg hät­ten. Die “Lüg­ner” der Po­li­zei, wie sie die Neo­na­zis be­ti­tel­ten, ge­lei­te­ten die Teil­neh­mer_in­nen des auf­ge­lös­ten Auf­mar­sches auf kür­zes­tem Weg zum Bahn­hof Neu­rup­pin West zu­rück.

Viele bekannte Gesichter der bundesdeutschen Neonaziszene kamen nach Neuruppin: Thomas "Steiner" Wulff (links) und Matthias Fischer.

Viele be­kannte Ge­sich­ter der bun­des­deut­schen Neo­na­zi­szene ka­men nach Neu­rup­pin: Tho­mas “Stei­ner” Wulff (links) und Mat­thias Fi­scher.

Red­ner­man­gel
Von den sie­ben an­ge­kün­dig­ten Red­nern kam nur die Hälfte zu Wort: Maik Emin­ger vom III. Weg Bran­den­burg, Se­bas­tian Schminkte von der NPD Ber­lin, Ste­fan Kös­ter von der NPD Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Pierre Dorn­brach von der JN Bran­den­burg, zu Wort. Un­ge­wöhn­lich für den TddZ: Es re­de­ten meh­rere Frauen (Bea Koch, und Ai­leen Ro­kohl, NPD Bran­den­burg in Vel­ten) – und das ob­wohl nur Män­ner an­ge­kün­digt wa­ren. Auch in Vor­jah­ren wa­ren es fast aus­schließ­lich männ­li­che Red­ner. Ei­ner der dies­jäh­ri­gen Red­ner hätte Mi­chael Brück von “Die Rechte Dort­mund” sein sol­len. Seine Auf­gabe wäre es ge­we­sen, den nächs­ten De­mons­tra­ti­ons­ort für den 8. Tag der deut­schen Zu­kunft zu ver­knüp­fen. Im nächs­ten Jahr wird Dort­mund die Kam­pa­gne ge­stal­ten.

Die Gegenproteste sorgten am Ende dafür, dass die Neonazidemo vorzeitig beendet werde musste.

Die Ge­gen­pro­teste sorg­ten am Ende da­für, dass die Neo­na­zi­demo vor­zei­tig be­en­det werde musste.

Erst­mals TddZ blo­ckiert
Die er­folg­rei­che Blo­ckade in Neu­rup­pin ver­hin­derte da­mit erst­mals ei­nen “Tag der deut­schen Zu­kunft”. Be­reits im Vor­jahr im säch­si­chen Dres­den konn­ten an­ti­fa­schis­ti­sche Pro­teste den Neo­na­zis den Weg in die In­nen­stadt ver­sper­ren. In Neu­rup­pin ver­samml­ten sich nach Ab­zug der Neo­na­zis über 700 An­ti­fa­schis­t_in­nen zu ei­ner spon­ta­nen De­mons­tra­tion und fei­er­ten den ge­lun­ge­nen Tag. In­ge­samt wa­ren an die­sem Tag etwa 2500 Ge­gen­de­mons­tran­t_in­nen un­ter­wegs. Auf dem Schul­platz hatte das lan­des­weite “Ak­ti­ons­bünd­nis ge­gen Frem­den­feind­lich­keit, Rechts­ex­tre­mis­mus und Ge­walt” ge­mein­sam mit dem lo­ka­len Ak­ti­ons­bünd­nis Neu­rup­pin bleibt bunt und vie­len Ver­ei­nen und In­itia­ti­ven un­ter dem Ti­tel “Viel­falt ist un­sere Zu­kunft” ein brei­tes Büh­nen­pro­gramm or­ga­ni­siert.

Nächstes Jahr findet der TddZ-Marsch in Dortmund statt. Michi Brück konnte aufgrund der vorzeitig beendeten Demo diesen aber selbst nicht mehr ankündigen.

Nächs­tes Jahr fin­det der TddZ-Marsch in Dort­mund statt. Mi­chi Brück konnte auf­grund der vor­zei­tig be­en­de­ten Demo die­sen aber selbst nicht mehr an­kün­di­gen.

Fo­tos (9) von Pres­se­dienst Frank­furt (Oder).
Mehr Bil­der gibts hier.

One thought on “Erst­mals TddZ blo­ckiert

  1. Ich will an die­ser Stelle dem Orga-Team des NoT­ddz 2015 gra­tu­lie­ren.
    Als wir uns auf dem Weg nach Hp ge­macht ha­ben, hatte ich trotz der letzt­ma­li­gen Er­fah­run­gen mit den er­folg­rei­chen Blo­cka­den, ein un­gu­tes Ge­fühl ob es er­neut klap­pen wird.
    In Neu­rup­pin an­ge­kom­men und mit dem Blick der an­rei­sen­den Busse und im­mer zu­neh­men­den An­zahl von ent­schlos­se­nen Gegenprotestanten*innen schlich mir das Ge­fühl ein, heute kann was ge­hen.
    Der Ti­cker, die Or­ga­ni­sa­tion der Blo­cka­den, die schnelle Re­ak­tion auf neue Si­tua­tio­nen, Ver­tei­lung Pro­vi­ant-> FETTES LOB an alle Mitwirkenden*innen!!!!
    Das am Ende der Abruch des Neo­nazi-Auf­mar­sches und eine sehr lange Spontan­demo mit über 800 An­ti­fas zu Bu­che steht, be­darf nicht vie­ler Worte.
    Er­neut ha­ben NSFKN eine Nie­der­lage in NP ein­ste­cken müs­sen.
    Schön war auch das an­schlie­ßende sieg­rei­che ge­mein­same zu­sam­men­sit­zen am Mit­ten­drin!

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