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Er­neut zwei Zeu­gen we­gen Falsch­aus­sage-Ver­dacht im Ge­richts­saal ver­haf­tet

Quelle: Opferperspektive / Tagesspiegel


Der Zeuge Mi­chael L. (26), wohn­haft in Witt­stock, trat am gest­ri­gen sieb­ten Ver­hand­lungs­tag vor dem Neu­rup­pi­ner Land­ge­richt, zu­nächst mit gro­ßer Selbst­si­cher­heit auf. Er wolle nun die Wahr­heit sa­gen, er­klärte der Me­cha­ni­ker, nach­dem ihn Rich­te­rin Thae­ren-Daik noch mal aus­führ­lich be­lehrt hatte. Er habe ge­gen 4:00 Uhr in der Früh drau­ßen vor der Disko in Alt-Da­ber im Auto ge­ses­sen und auf sei­nen Kum­pel Da­niel G. ge­war­tet. Von dort habe er eine “Ran­ge­lei”; zwi­schen drei bis vier Leu­ten be­ob­ach­ten kön­nen, bei der ei­ner dann zu Bo­den ge­gan­gen und “ein biss­chen mit den Fü­ßen ge­tre­ten wor­den”; sei. (…) “Ich dachte, es han­delt sich um eine ganz nor­male Schlä­ge­rei”;. Auch sein Kum­pel G. hätte schon wie­der im Auto ne­ben ihm ge­ses­sen und das Ge­sche­hen mit ihm be­ob­ach­tet. Si­cher war sich der Zeuge, den An­ge­klag­ten Mike Sch. da­bei ge­se­hen zu ha­ben, wie die­ser zu­ge­tre­ten habe. Die bei­den an­de­ren hätte er nicht er­ken­nen kön­nen, so ges­tern auf mehr­ma­lige Nach­frage. Fünf­zehn bis zwan­zig Leute hät­ten um das Ge­sche­hen drum herum ge­stan­den, von de­nen er zwar “die Hälfte”; ken­nen will, ges­tern je­doch auf Grund­lage der Vor­lage von Licht­bil­dern, nie­mand mehr iden­ti­fi­zie­ren konnte. Auch will er nichts von ei­nem Stein ge­se­hen und zu­nächst auch nichts da­von ge­hört ha­ben. Als sie schließ­lich los­ge­fah­ren seien, hät­ten er und sein Kol­lege um ei­nen der Ver­letz­ten herum fah­ren müs­sen, wie der Zeuge ges­tern auf Nach­frage be­stä­tigte. Be­vor sie dann end­gül­tig weg­ge­fah­ren seien, hät­ten sie noch Mi­chael W. ver­spro­chen, bei Nach­frage, zu be­stä­ti­gen, dass die­ser mit ih­nen in Wa­ren ge­we­sen sei. Die­ses fal­sche Alibi für den ge­son­dert ver­folg­ten Mi­chael W., hatte der Zeuge in sei­ner ers­ten po­li­zei­li­chen Ver­neh­mung auch ent­spre­chend an­ge­ge­ben. We­gen Ver­dacht der Falsch­aus­sage und un­ter­las­se­ner Hil­fe­leis­tung wurde Mi­chael L. di­rekt nach sei­ner Aus­sage noch im Ge­richts­sal ver­haf­tet.

Das glei­che Schick­sal er­eilte ges­tern den Zeuge Tho­mas K. (21), der ohne wenn und aber be­haup­tete, an kei­nen Zeu­gen­ab­spra­chen teil­ge­nom­men zu ha­ben, ob­wohl der An­ge­klagte Mi­chael H. ges­tern er­neut be­stä­tigte, an ei­nem Ge­spräch zum Zweck der Ab­spra­che, zwi­schen Tho­mas K., ei­ner wei­te­ren Per­son und dem An­ge­klag­ten F., teil­ge­nom­men zu ha­ben. Da­niel G. und Mi­chel W., die bei­den Zeu­gen, die schon Frei­tag letzte Wo­che aus dem Ge­richts­saal ver­haf­tet wor­den wa­ren und sich in­zwi­schen wie­der auf freiem Fuß be­fin­den, zo­gen es am gest­ri­gen Ver­hand­lungs­tag vor, die Aus­sage zu ver­wei­gern; beide hät­ten sich in­zwi­schen ei­nen An­walt ge­nom­men, wurde be­kannt ge­ge­ben.

Von ei­ner “Mauer des Schwei­gens”; sprach Staats­an­walt Cle­ment mit Blick auf die Zu­schau­er­bänke, wo ges­tern er­neut Freunde und Ver­wandte der An­ge­klag­ten sa­ßen. Reich­lich ge­nervt schien auch die an­sons­ten eher ru­hig wir­kende Rich­te­rin Thae­ren-Daik zu re­agie­ren. Auf­grund des Aus­sa­ge­ver­hal­tens der Zeu­gen sei es nur sehr schwer mög­lich, sich ein Bild des Tat­ge­sche­hens zu ma­chen, so die Rich­te­rin. Da­bei scheint ihre größte Sorge darin zu lie­gen, dass der Pro­zess sich zeit­lich in die Länge zie­hen könnte. Frau Ba­te­sova, die Mut­ter des ver­stor­be­nen Ka­j­rat, die als Ne­ben­klä­ge­rin den Pro­zess auf­merk­sam ver­folgt, schüt­telte auch am gest­ri­gen Ver­hand­lungs­tag im­mer mal wie­der den Kopf. Un­faß­bar sind für sie die vie­len Lü­gen, die die Zeu­gen in die­sem Pro­zess auf­ti­schen. Sie will nicht auf­ge­ben und wird sich mit ih­rer An­wäl­tin Un­dine Wey­ers wei­ter­hin in das Ge­sche­hen ak­tiv ein­mi­schen. “Ich will zu­min­dest wis­sen, was da pas­siert ist und warum mein Sohn ge­stor­ben ist”;, so er­klärte sie in ei­ner Pro­zess­pause.

Auf­grund der Ab­spra­chen, die ein Teil der bis­her ge­hör­ten Zeu­gen of­fen­sicht­lich ge­trof­fen ha­ben, ist auch die Tat­mo­ti­va­tion wei­ter­hin nicht ein­deu­tig ge­klärt. Klar ist in­zwi­schen – und dies ha­ben bis­her fast alle Zeu­gen be­stä­tigt -, dass die bei­den Op­fer in der Disko als “Rus­sen”; er­kannt wur­den. Meh­rere Zeu­gen be­rich­te­ten auch, dass sie von an­de­ren Dis­ko­be­su­chern auf die bei­den auf­merk­sam ge­macht wor­den wa­ren. Der Zeuge Tho­mas K. bei­spiels­weise, hatte – wie ihm ges­tern die Ne­ben­kla­ge­ver­tre­te­rin An­drea Wür­din­ger vor­hielt – in sei­ner ers­ten po­li­zei­li­chen Ver­neh­mung aus­ge­sagt, dass ihm die bei­den Aus­sied­ler “aus­län­disch”; vor­ge­kom­men seien. Zwar hät­ten sie “ge­tanzt wie wir”;. Er hätte sich je­doch noch in der Disko über­le­gun­gen dazu ge­macht, ob die “uns pro­vo­zie­ren”; wol­len.

Pro­vo­ka­tion durch An­we­sen­heit und spä­ter – wie ei­ner der An­ge­klag­ten aus­sagte – durch “agres­si­ves Schnor­ren von Zi­ga­ret­ten”;, so könnte man zu­sam­men­fas­sen.

Nach drei wei­te­ren Pro­zess­ta­gen in der kom­men­den Wo­che wird der Pro­zess bis Mon­tag, den 17. Fe­bruar un­ter­bo­chen, da­nach sind fünf wei­tere Pro­zess­tage an­be­raumt, um die “Mauer des Schwei­gens”; zu durch­bre­chen.

Pro­zess um Aus­sied­ler­tod: Wie­der Zeu­gen fest­ge­nom­men

Zwei Män­ner woll­ten mit Falsch­aus­sage die An­ge­klag­ten de­cken

(Ta­ges­spie­gel) Neu­rup­pin. Sie druck­sen, sie lü­gen, sie wis­sen von nichts: Die Freunde der fünf An­ge­klag­ten im Pro­zess zum ge­walt­sa­men Tod des Aus­sied­lers Ka­j­rat Ba­te­sov zei­gen von sich von der Pflicht zur wahr­heits­ge­mä­ßen Aus­sage ziem­lich un­be­ein­druckt. Ent­spre­chend hart griff auch am gest­ri­gen sieb­ten Pro­zess­tag die Staats­an­walt­schaft am Land­ge­richt Neu­rup­pin wie­der durch: Be­reits zum zwei­ten Mal wur­den zwei Be­kannte der an­ge­klag­ten Cli­que noch im Ge­richts­saal vor­läu­fig fest­ge­nom­men. Der 26-jährige Mi­chael L. hatte nach meh­re­ren Aus­flüch­ten zu­ge­ge­ben, er habe ei­nem an­de­ren Zeu­gen ein fal­sches Alibi für die Tat­nacht ver­schafft und bei den Ver­hö­ren der Po­li­zei ge­lo­gen. Die Staats­an­walt­schaft wirft Mi­chael L. Falsch­aus­sage und ver­suchte Straf­ver­ei­te­lung vor – so­wie un­ter­las­sene Hil­fe­leis­tung. L. hatte die Schläge und Tritte zu­min­dest ge­gen ei­nen der bei­den am 4. Mai 2002 vor ei­ner Witt­sto­cker Disko miss­han­del­ten Aus­sied­ler be­ob­ach­tet, ohne ein­zu­grei­fen. Nach L. trat der 21-jährige Tho­mas K. in den Zeu­gen­stand – und das Spiel wie­der­holte sich: Auch K. wurde we­gen mut­maß­li­cher Falsch­aus­sage fest­ge­nom­men. Vor ei­ner Wo­che ließ Staats­an­walt Kai Cle­ment be­reits zwei Zeu­gen vor­läu­fig fest­neh­men, die dem Ge­richt fal­sche Aus­sa­gen auf­ge­tischt hat­ten. Die jun­gen Män­ner ka­men al­ler­dings am sel­ben Abend wie­der frei. Sie sol­len sich nach ih­rer Fest­nahme et­was bes­ser an das Tat­ge­sche­hen er­in­nert ha­ben. Der­art ge­warnt sagte auch Mi­chael L. ges­tern of­fen­bar mehr aus, als er ur­sprüng­lich wollte, ohne je­doch die volle Wahr­heit preis­zu­ge­ben. L. hatte in ei­nem Pkw vor dem Ein­gang der Dis­ko­thek ge­ses­sen. Er habe ge­se­hen, wie sich eine “Ran­ge­lei” ent­wi­ckelte, sagte L. dem Ge­richt. Auf hart­nä­cki­ges Nach­fra­gen durch die Vor­sit­zende Rich­te­rin Gi­sela Thae­ren-Daig be­rich­tete L. dann De­tails. Der An­ge­klagte Mike Sch. habe mit drei Per­so­nen eine Per­son
ge­schla­gen und “in den Bauch­raum” ge­tre­ten. Das Op­fer sei zu Bo­den ge­gan­gen und wei­ter ge­prü­gelt wor­den. Er selbst sei etwa 20 Me­ter ent­fernt ge­we­sen, sagte L. Den­noch habe er we­der ge­se­hen, dass ein zwei­ter Aus­sied­ler zu­sam­men­ge­schla­gen wurde, noch dass ein An­grei­fer ei­nen schwe­ren Feld­stein auf Ka­j­rat Ba­te­sov warf. Etwa 15 Leute, die vor dem Pkw stan­den, hät­ten ihm die Sicht ver­sperrt. Als ein Freund zu ihm ins Auto stieg, sei er los­ge­fah­ren und habe sich durch die Menge “ge­schlän­gelt”. Trotz Lü­cken und Lü­gen könnte ein De­tail der Aus­sage von L. noch Be­deu­tung er­lan­gen. Der 26-Jährige gab an, be­reits vor Be­ginn “des Ge­sche­hens” habe ein Freund mit ihm ver­ein­bart, ei­nem wei­te­ren Kum­pan ein Alibi zu ver­schaf­fen. Sollte dies zu­tref­fen, wäre die Ver­mu­tung der Nebenklage-Anwältinnen be­stä­tigt, der An­griff auf die Aus­sied­ler sei in der Witt­sto­cker Disko ver­ab­re­det wor­den und nach dem Ende der Tanz­ver­an­stal­tung ge­zielt er­folgt. Da­mit würde ein frem­den­feind­li­ches Mo­tiv der Blut­tat wahr­schein­li­cher – und eine Ver­schär­fung der auf Tot­schlag lau­ten­den An­klage mög­lich, hin zu ge­mein­schaft­lich be­gan­ge­nem Mord aus nie­de­ren Be­weg­grün­den.

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