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Der braune 1. Mai im Rück­blick

Quelle: Presseservice Rathenow

An den bun­des­wei­ten Ak­tio­nen des neo­na­zis­ti­schen Mi­lieus an­läss­lich des Ta­ges der Ar­beit be­tei­ligte sich auch eine zwei­stel­lige An­zahl Bran­den­bur­ger Neo­na­zis in min­des­tens vier Bun­des­län­dern. Deut­li­cher Schwer­punkt der Ak­ti­vi­tä­ten war das Ge­sche­hen um den so ge­nann­ten „Tag der deut­schen Ar­beit (TDDA)“ im sach­sen-an­hal­ti­ni­schen Halle (Saale).  Wei­ter­hin be­tei­lig­ten sich Bran­den­bur­ger Neo­na­zis aber auch an grö­ße­ren Auf­mär­schen in Gera (Thü­rin­gen) und Stral­sund (Meck­len­burg-Vor­pom­mern). Im Land Bran­den­burg sel­ber ver­an­stal­tete das neo­na­zis­ti­sche Mi­lieu le­dig­lich eine klei­nere Kund­ge­bung in Frank­furt (Oder).

Mi­li­tante Neo­na­zis aus NPD und „Freien Kräf­ten“ zog es zum „TDDA“ nach Halle (Saale)

Für den „Tag der deut­schen Ar­beit“  in Halle (Halle) hatte bun­des­weit vor al­lem die Par­tei „Die Rechte“ und ihr nahe Struk­tu­ren ge­wor­ben. Ihre Ab­sicht lag in der Ver­an­stal­tung ei­ner zen­tra­len und or­ga­ni­sa­ti­ons­über­grei­fen­den Ver­samm­lung mit ei­nem be­tont kämp­fe­ri­schen As­pekt.

Er­wünscht war dies­be­züg­lich auch die Teil­nahme des so ge­nann­ten „An­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Kol­lek­ti­ves (AKK)“, ei­ner Ver­net­zung von „Au­to­no­men Na­tio­na­lis­ten“, wel­che in der Ver­gan­gen­heit bei Erste-Mai-Ver­an­stal­tun­gen des III. We­ges in Saal­feld (Thü­rin­gen) und Plauen (Sach­sen) die Aus­ein­an­der­set­zung mit der Po­li­zei such­ten, da­durch den Ab­bruch der an­ge­mel­de­ten Ver­samm­lun­gen ver­ur­sach­ten und sich letzt­end­lich des­we­gen mit den Ver­an­stal­ten­den über­war­fen.

Auch im Vor­feld des TDDA in Halle (Saale) hatte das AKK an­ge­deu­tet not­falls auf Mi­li­tanz zur Durch­set­zung des Auf­mar­sches zu set­zen.

Wäh­rend der III. Weg bei sei­ner Dis­tanz zu den „Au­to­no­men Na­tio­na­lis­ten“ blieb und auf ei­nen, im Ver­gleich zu den Vor­jah­ren, klei­ne­ren Auf­marsch setzte, hat­ten die „Die Rechte“ und selbst die Bran­den­bur­ger NPD of­fen­bar keine Be­rüh­rungs­ängste ge­mein­sam mit dem mi­li­tan­ten schwar­zen (Nazi-)block auf­zu­tre­ten.

NPD Kommunalpolitiker aus Brandenburg während des Aufmarsches zum „TDDA“ in Halle (Saale): Dave Trick (2.v.l.), Manuela Kokott (4.v.l.) und Benjamin Mertsch (1.v.r.). Ebenfalls im Bild: NPD Anhänger Alexander B. (rechts neben Kokott) sowie Sympathisierende der Brandenburger JN (im Hintergrund)

NPD Kom­mu­nal­po­li­ti­ker aus Bran­den­burg wäh­rend des Auf­mar­sches zum „TDDA“ in Halle (Saale): Dave Trick (2.v.l.), Ma­nuela Ko­kott (4.v.l.) und Ben­ja­min Mertsch (1.v.r.). Eben­falls im Bild: NPD An­hän­ger Alex­an­der B. (rechts ne­ben Ko­kott) so­wie Sym­pa­thi­sie­rende der Bran­den­bur­ger JN (im Hin­ter­grund)

Zum ge­plan­ten Auf­marsch in Halle (Saale) reis­ten so so­gar bran­den­bur­gi­sche Kom­mu­nal­po­li­ti­ker der „Na­tio­nal­de­mo­kra­ten“, wie bei­spiels­weise Ben­ja­min Mertsch (Kreis­tags­ab­ge­ord­ne­ter Land­kreis Spree-Neiße), Ma­nuela Ko­kott (Ge­mein­de­ver­tre­te­rin Spreen­ha­gen) und Dave Trick (Stadt­ver­ord­ne­ter Neu­rup­pin), an. Sie ka­men ge­mein­sam mit wei­te­ren NPD Funk­tio­nä­ren aus Bran­den­burg, wie Mar­kus N. (Stadt­ver­ord­ne­ter Gu­ben 2008-2014), Alex­an­der B. (Kan­di­dat Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung Gu­ben 2008) so­wie Frank O. und Alex­an­der Ke­vin P. vom Kreis­ver­band Oder­land und Pierre B. vom Kreis­ver­band Ha­vel-Nu­the so­wie Sym­pa­thi­sie­ren­den der JN.

Be­zeich­nend da­bei ist, dass fünf der acht ge­nann­ten bran­den­bur­gi­schen NPD Funk­tio­näre in der Ver­gan­gen­heit min­des­tens ge­walt­tä­tig in Er­schei­nung ge­tre­ten wa­ren. Alex­an­der B. war Haupt­ak­teur der aus­län­der­feind­li­chen Hetz­jagd von Gu­ben  im Jahr 1999 und saß we­gen des da­durch ver­ur­sach­ten To­des ei­nes Al­ge­ri­ers zwei Jahre in Ju­gend­haft. Mar­kus N. und Alex­an­der Ke­vin P. sol­len am 3. Au­gust 2013 Geg­ner ei­ner NPD Kund­ge­bung in Ei­sen­hüt­ten­stadt an­grif­fen ha­ben. P. wurde da­für erst am 15. März 2017 rechts­kräf­tig zu ei­ner Frei­heits­strafe von neun Mo­na­ten, aus­ge­setzt zu zwei Jah­ren auf Be­wäh­rung, ver­ur­teilt. Eben­falls ge­walt­tä­tig in Er­schei­nung tra­ten in der Ver­gan­gen­heit Dave Trick und Pierre B. Ge­gen beide läuft zur­zeit noch ein Ver­fah­ren we­gen ei­nes An­griffs auf ei­nen Wahl­hel­fer der Links­par­tei am 19. Mai 2014 in Neu­rup­pin.

Sympathisierende der „Freien Kräfte Prignitz“ am 1. Mai 2017 in Halle (Saale)

Sym­pa­thi­sie­rende der „Freien Kräfte Pri­gnitz“ am 1. Mai 2017 in Halle (Saale)

Ne­ben den ge­nann­ten NPD Funk­tio­nä­ren wa­ren auch Ak­teure freier na­tio­na­lis­ti­scher Struk­tu­ren aus Bran­den­burg nach Halle (Saal) ge­reist. Haupt­säch­lich han­delte es sich da­bei um Ak­tive der „Freien Kräfte Pri­gnitz“ aus dem Land­kreis Pri­gnitz und den „Freien Kräf­ten Neu­rup­pin-Ost­ha­vel­land“ aus den Land­krei­sen Ost­p­ri­gnitz-Rup­pin und Ha­vel­land so­wie der kreis­freien Stadt Bran­den­burg an der Ha­vel. Beide Grup­pie­run­gen pfle­gen eine enge Zu­sam­men­ar­beit mit der Bran­den­bur­ger NPD und ge­ben sich in ih­rem Ha­bi­tus aber auch gerne als „Au­to­nome Na­tio­na­lis­ten“. Ein­zelne Ak­teure der „Freien Kräfte Pri­gnitz“ und der „Freien Kräf­ten Neu­rup­pin-Ost­ha­vel­land“  wa­ren in der Ver­gan­gen­heit im­mer wie­der an ge­walt­tä­ti­gen Ak­tio­nen be­tei­ligt. Des Wei­te­ren wur­den von ein­zel­nen Ak­ti­ven die­ser Grup­pie­run­gen auch spon­tane Mär­sche in den Bran­den­bur­gi­schen Klein- und Mit­tel­städ­ten Wit­ten­berge, Neu­rup­pin und Hen­nigs­dorf (mit)organisiert.

Die­ser Tra­di­tion fol­gend be­kann­ten sich die „Freien Kräf­ten Neu­rup­pin-Ost­ha­vel­land“ in der Time­line ih­rer Socialmedia-Präsenz auch zur Teil­nahme an der „TDDA“-Ersatzveranstaltung in Kö­then (Sach­sen-An­halt). Dort wa­ren nach dem Ab­bruch des Auf­mar­sches zum 1. Mai in Halle (Saale) zwi­schen 200 bis 250 Neo­na­zis spon­tan auf­mar­schiert. Fo­tos aus Halle(Saale): hier

Sym­pa­thi­sie­rende des III. We­ges zog es zum „Ar­bei­ter­kampf­tag“ nach Gera

Der zweite Ver­samm­lungs­schwer­punkt ak­ti­ver Bran­den­bur­ger Neo­na­zis an­läss­lich des brau­nen ers­ten Maies lag  knapp 100 km süd­lich von Halle (Saale) im thü­rin­gi­schen Gera. Dort führte die neo­na­zis­ti­sche Ka­der­par­tei „der III.Weg“ sei­nen so ge­nann­ten „Ar­bei­ter­kampf­tag“ durch, für den es im Vor­feld u.a. am 22. April 2017 im bran­den­bur­gi­schen Lu­cken­walde (Land­kreis Teltow-Fläming) eine Mo­bi­li­sie­rungs­ver­an­stal­tung gab.

Trotz der auch bun­des­wei­ten Be­wer­bung für Ver­samm­lung zum 1. Mai zog die Ver­an­stal­tung letzt­end­lich „le­dig­lich 400-500“ Teil­neh­mende (2016 in Plauen: ca. 1.000) an, dar­un­ter auch eine zwei­stel­lige An­zahl Bran­den­bur­ger Sym­pa­thi­sie­ren­der der Par­tei aus der kreis­freien Stadt Pots­dam und den Land­kreis Pots­dam-Mit­tel­mark, der kreis­freien Stadt Frank­furt (Oder) und dem Land­kreis Oder-Spree, dem Land­kreis Teltow-Fläming so­wie dem Land­kreis Ucker­mark an. Be­kann­tes­ter, in Gera teil­neh­men­der Funk­tio­när des III. We­ges aus Bran­den­burg war der so ge­nannte „Ge­biets­lei­ter Mitte“, Mat­thias Fi­scher. Fo­tos aus Gera: hier

NPD Ober­ha­vel und Bar­nim „für Volk und Hei­mat“ in Stral­sund

Für Bran­den­bur­ger Neo­na­zis nur von ge­rin­gen im In­ter­esse war hin­ge­gen ei­nen Ver­samm­lung der NPD un­ter dem Motto „Her­aus zum 1. Mai: für Volk und Hei­mat – So­zial, Na­tio­nal, Le­gal“ im meck­len­bur­gi­schen Stral­sund. An ihr be­tei­lig­ten sich le­dig­lich ein­zelne be­kannte Par­tei­funk­tio­näre aus den Land­krei­sen Bar­nim und Ober­ha­vel, dar­un­ter der Kom­mu­nal­po­li­ti­ker Ro­bert Wo­linksi (Stadt­ver­ord­ne­ter Vel­ten). Letzt ge­nann­ter, soll An­ga­ben der PNN zu­folge, in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach im Vi­sier po­li­zei­li­cher Er­mitt­lun­gen ge­we­sen sein. Im No­vem­ber 2013 soll er Rä­dels­füh­rer ei­nes Fa­ckel­mar­sches zu Eh­ren des ver­stor­be­nen NS-Kriegs­ver­bre­chers Erich Priebke ge­we­sen sein. Wei­ter­hin gilt er als Draht­zie­her für meh­rere neo­na­zis­ti­sche Kon­zert­ver­an­stal­tun­gen, die in der Ver­gan­gen­heit vor al­lem im Os­ten Meck­len­burg-Vor­pom­merns statt­fan­den. Fo­tos aus Stral­sund: hier

Eu­ro­päi­sche Ak­tion und „An­ti­im­pe­ria­lis­ti­sche Platt­form“ ver­sam­mel­ten sich in Frank­furt (Oder)

Die ein­zige Bran­den­bur­ger Ver­samm­lung mit neo­na­zis­ti­scher Be­tei­li­gung fand hin­ge­gen na­hezu un­be­merkt in der kreis­freien Stadt Frank­furt (Oder) statt. Dort hatte ein Sym­pa­thi­sant der ex­trem rech­ten „Eu­ro­päi­schen Ak­tion“ eine Kund­ge­bung un­ter dem Motto „für ein so­zia­les Deutsch­land“ an­ge­mel­det. Diese Ver­samm­lung zog un­ge­fähr 20 Teil­neh­mende aus Frank­furt (Oder), dem Land­kreis Oder-Spree so­wie der Bun­des­haupt­stadt Ber­lin an. Be­kann­tes­ter  Teil­neh­mer war der ehe­ma­lige Vor­sit­zende der Quer­front-Or­ga­ni­sa­tion „Kampf­bund Deut­scher So­zia­lis­ten (KDS)“ und jet­zige Ak­teur bei der „An­ti­im­pe­ria­lis­ti­schen Platt­form (AiP)“, Mi­chael Koth. Fo­tos aus Frank­furt (Oder): hier

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