In Brandenburg säten drei Landwirte auf ihren Feldern Mais aus, der mit dem gentechnisch veränderten Mais NK 603 verunreinigt war. NK 603 ist in der EU weder zum Verfüttern noch für den menschlichen Verzehr zugelassen. Verbraucherschutzministerin Anita Tack ordnete den Umbruch an. Da der Mais noch nicht in der Blüte war, verhinderte sie damit, dass sich der Pollen ungehindert in der Natur ausbreiten konnte. Das Aktionsbündnis für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Berlin-Brandenburg begrüßt die Anordnung der Ministerin.
Das Aktionsbündnis lehnt Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen generell ab! Die Gefahr, dass sich gentechnisch verändertes Material in der Natur ausbreitet ist auch bei Freilandversuchen groß. Sind die Pflanzen in der Blüte, verbreiten sich die Pollen durch Wind und Bienen. Entwickeln die Pflanzen Samen, gelangen die Samenkörner in den Boden und können in späteren Jahren keimen. Auch Pflanzenreste von gentechnisch veränderten Pflanzen gelangen in den Boden und werden hier von den im Boden lebenden Tieren aufgenommen. „In den letzten Jahren hat es zahlreiche unerklärliche Funde von gentechnisch veränderten Verunreinigungen im Saatgut gegeben“, so Birgit Peuker vom Aktionsbündnis. Oft bestanden diese Verunreinigungen aus Saatkörnern von Pflanzen, die in der EU noch gar nicht zugelassen sind. „Nachforschungen ergaben dann fast immer, dass diese Verunreinigungen durch Freilandversuche verursacht wurden“, sagt Peuker. Auch in dem aktuellen Fall von verunreinigtem Maissaatgut liegt der Verdacht nah, dass die Ursache ein Freilandversuch in Ungarn war.
Ende März stellte das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium im Mais-Saatgut der Firma Pioneer Verunreinigungen durch die gentechnisch veränderte Sorte NK 603 fest. Da das Ministerium nicht sofort reagierte, ist das Saatgut von Buxtehude in mehrere Bundesländer gelangt und wurde dort von Landwirten ausgesät. „Dieser Skandal zeigt eindeutig, dass eine Koexistenz von Agro-Gentechnik und gentechnikfreier Landwirtschaft unmöglich ist“, sagt Birgit Peuker. Bei Saatgut gibt es in Deutschland eine Nulltoleranzgrenze auch für zugelassene gentechnisch veränderte Sorten. Die Beibehaltung dieser Regelung ist für den Erhalt einer gentechnikfreien Landwirtschaft unerlässlich!
Einen kommerziellen Anbau gibt es in Brandenburg dieses Jahr nicht. Die jahrelang einzige von der EU-Kommission zugelassene gentechnisch veränderte Pflanze, die Maissorte MON 810 der Firma Monsanto, ist letztes Jahr von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner verboten worden. Neu zugelassen für den kommerziellen Anbau wurde dieses Jahr die Kartoffel Amflora der Firma BASF. Die Kartoffel wird nur in der Gemeinde Zepkow in Mecklenburg-Vorpommern angebaut. Dennoch ist auch Brandenburg dieses Jahr nicht gentechnikfrei. So werden in Falkenberg im Kreis Elbe-Elster gentechnisch veränderte Kartoffeln zu Versuchszwecken angebaut. In Herzberg, ebenfalls Elbe-Elster, gab es ein Versuchsfeld mit herbizidresistentem Mais. Das Feld wurde zerstört. Die genauen Standorte sind im Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, unter www.standortregister.de zu finden.



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