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Alternative News & Termine für Brandenburg

· Von der NPD bis zur AfD alles vertreten

Brau­nes Wo­chen­ende in Bran­den­burg

Quelle: Inforiot

INFORIOT In meh­re­ren Städ­ten Bran­den­burgs fan­den an die­sem Wo­chen­ende ras­sis­ti­sche und flücht­lings­feind­li­che Ver­samm­lun­gen statt. Da­bei er­rei­chen die Teil­neh­mer_in­nen­zah­len, die sich bei den meis­ten Ver­an­stal­tun­gen im drei­stell­gen Be­reich be­we­gen ein neues Höchst­ni­veau. Wäh­rend am Sonn­abend in Bran­den­burg an der Ha­vel “nur” 50 NPD­le­rIn­nen und Sym­pa­thi­san­tIn­nen eine Kund­ge­bung ab­hiel­ten, mar­schier­ten nach Po­li­zei­an­ga­ben 700 Ras­sis­tIn­nen in Lüb­benau (Dahme-Spree­wald) ge­gen Asyl­su­chende auf. Der fol­gende Ar­ti­kel fasst die Er­eig­nisse des Wo­chen­en­des zu­sam­men.

Frei­tag: Cott­bus, Senf­ten­berg

NPD-Hetze in Cott­bus

Er­neut mar­schierte am Frei­tag, den 30. Ok­to­ber, die Bran­den­bur­ger NPD in Cott­bus-Sach­sen­dorf auf. In übli­cher Ma­nier wurde im Vor­feld der De­mons­tra­tion ver­sucht die Par­teinähe der Ver­an­stal­tung zu ver­tu­schen. Mit ei­nem Mo­bi­li­sie­rungs­vi­deo ohne Par­tei­be­zug sollte eine Ein­druck des “bür­ger­li­chen Pro­tes­tes” er­zeugt wer­den. Doch so­wohl Vi­deo, als auch die Red­ne­rIn­nen vor Ort of­fen­bar­ten klar, dass es sich um eine NPD De­mons­tra­tion han­delt. Auf der De­mons­tra­tion, zu der schät­zungs­weise 300 Men­schen zu­sam­men­ge­fun­den wa­ren, re­de­ten der Bran­den­bur­ger NPD-Vize Ronny Za­sowk, die Pres­se­spe­che­rin und Che­fin der NPD Bar­nim-Ucker­mark Ai­leen Ro­kohl und die NPD Funk­tio­nä­rin Ma­nuela Ko­kott. Ebenso sprach der ras­sis­ti­sche Lie­der­ma­cher Björn Brusak auf der De­mons­tra­tion. Nach Schil­de­rung des Bünd­nis­ses “Cott­bus Na­zi­frei” soll ein be­träch­ti­ger Teil der De­mons­tran­tIn­nen den Auf­zug zum Ende hin ver­las­sen ha­ben. Auch konnte die De­mons­tra­tion nicht das Po­ten­tial an Men­schen auf­fan­gen, die sich Wo­chen zu­vor je­weils auf den Norma Park­platz in der Box­ber­ger Straße ver­sam­melt hat­ten. Bei den vor­wie­gend il­le­ga­len An­samm­lun­gen ka­men bis zu 400 Bür­ge­rIn­nen (In­fo­riot be­rich­tete). Für den Cott­bu­ser Raum scheint die NPD kein wirk­li­ches Zug­pferd der ras­sis­ti­schen Anti-Asyl-Be­we­gung zu sein. In zwei Wo­chen will die Par­tei er­neut eine De­mons­tra­tion in Cott­bus ab­hal­ten. Laut Po­li­zei wurde im An­schluss an die De­mons­tra­tion eine Gruppe von De­mons­tran­tIn­nen über­prüft und zwei da­von in Ge­wahr­sam ge­nom­men. Sie sol­len zu­vor laut­stark “Heil Hit­ler” skan­diert ha­ben.

BraMM-Auf­marsch in Senf­ten­berg zeit­weise blo­ckiert

Die Ge­gen­pro­teste an dem Frei­tag­abend ver­la­ger­ten sich eher in das be­nach­barte Senf­ten­berg. Dort hatte der Bran­den­bur­ger PEGIDA Ab­le­ger, die “Bran­den­bur­ger für Mei­nungs­frei­heit und Mit­be­stim­mung” (BraMM) zu ei­ner De­mons­tra­tion mit dem Motto “Es hat sich Aus­ge­mer­kelt” auf­ge­ru­fen. Knapp 200-250 Men­schen nah­men an dem Auf­zug teil. Etwa 300 Ge­gen­de­mons­tra­t_in­nen nahm an meh­re­ren Ge­gen­ver­an­stal­tun­gen teil. Auf den Kirch­platz hat­ten sich Ver­tre­ter_in­nen ver­schie­dens­ter Or­ga­ni­sa­tio­nen und Par­teien ver­sam­melt. Auf dem Neu­markt fand eine wei­tere Kund­ge­bung statt. Zum Be­ginn der De­mons­tra­tion for­mierte sich eine Men­schen­blo­ckade in der Bä­ren­gasse und zwang so den BraMM-Auf­zug zum Stopp. Ihre De­mons­tra­tion konnte BraMM je­doch trotz­dem durch die Stadt füh­ren.

Un­ter­stüt­zung aus Sach­sen

Auf der De­mons­tra­tion re­dete der BraMM-Chef und Vor­sit­zende der Frei­heit­li­chen Liga e.V., Haiko Mül­ler. Wei­tere Gast­red­ner aus Sach­sen ka­men au­ßer­dem zu Wort. Un­ter an­de­rem sprach En­gel­bert Merz aus Ho­yers­werda, der für das Bür­ger­meis­ter­amt im säch­si­schen Baut­zen kan­di­diert hat. Merz war bis 2011 Mit­glied der CDU und grün­dete 2013 in Ho­yers­werda die Kleinst­par­tei “die Al­ter­na­ti­ven”. Zur Bun­des­tags­wahl wurde die Par­tei nicht zu­ge­las­sen. An­dert­halb Jahre spä­ter kan­di­dierte er im Kreis Bautzen–Hoyerswerda–Kamenz und er­lang 2.000 Stim­men, was ei­nem An­teil von 1,3% der Wähler_innenstimmen ent­sprach. An­fang 2014 grün­dete er mit wei­te­ren Mit­strei­te­rIn­nen den Ver­ein “Mün­dige Bür­ger”, für den er als Bür­ger­meis­ter­kan­di­dat in Baut­zen an­trat. Er ist An­hän­ger der is­lam­feind­li­chen PE­GIDA-Be­we­gung. Laut der Säch­si­schen Zei­tung (SZ) soll er seit Ok­to­ber 2014 re­gel­mä­ßig an den Auf­mär­schen in Dres­den teil­neh­men. In Baut­zen trat er in Ver­gan­gen­heit als Haupt­red­ner der asyl­feind­li­chen PE­GIDA-De­mons­tra­tio­nen auf.

AfD-Of­fen­sive in Süd­bran­den­burg

Am 27. No­vem­ber will BraMM er­neut eine De­mons­tra­tion in Senf­ten­berg durch­füh­ren. Zu­fäl­lig will auch die AfD eine Ver­an­stal­tung am sel­ben Tag in Senf­ten­berg ab­hal­ten. Zu dem wol­len die Rechts­po­pu­lis­tIn­nen am kom­men­den Mitt­woch, den 4. No­vem­ber, eine Anti-Asyl-De­mons­tra­tion in Cott­bus durch­füh­ren. Als Zug­pferd ist der Bran­den­bur­ger Frak­ti­ons­vor­sit­zende und Bun­des-Vize Dr. Alex­an­der Gau­land an­ge­kün­digt. Ge­gen die AfD-De­mons­tra­tion in Cott­bus hat sich brei­ter Pro­test for­miert. Die Bünd­nisse “Cott­bus Na­zi­frei” und “Cott­bu­ser Auf­bruch” wol­len un­ter dem Motto “Herz statt Hetze” mit viel­fäl­ti­gen Ak­tio­nen ein po­si­ti­ves Zei­chen setzen. Vom He­ron­platz soll eine De­mons­tra­tion ab­ge­hal­ten wer­den, die am Alt­markt und dem Ober­kirch­platz, wo wei­tere Ver­an­stal­tun­gen statt­fin­den, Halt ma­chen soll.

Sams­tag 270 Neo­na­zis in Bad Frei­en­walde ge­gen Ge­flüch­tete
Am Sams­tag, den 31.Oktober, de­mons­trier­ten etwa 270 Ras­sis­tIn­nen ge­mein­sam mit den neo­na­zis­ti­schen Par­teien NPD und Die Rechte un­ter dem Motto „Ost­bran­den­burg er­wacht! Für den Schutz un­se­rer Hei­mat und Werte – ge­gen die un­kon­trol­lierte Masseneinwanderung“ gegen die Ent­ste­hung von Asyl­un­ter­künf­ten in Bad Frei­en­walde (Märkisch-Oderland). Auf der Face­book­seite „Bran­den­burg er­wacht”, wurde, wie be­reits zu der Neo­na­zi­ver­an­stal­tung vor zwei Wo­chen in Wrie­zen, zur über­par­tei­li­chen Ver­samm­lung auf dem Markt­platz in Bad Frei­en­walde auf­ge­ru­fen. Am 8. und 21. No­vem­ber sol­len wei­tere Pro­teste statt­fin­den.

Ob "Brandenburg" oder "Ostbrandenburg erwache": Neonazis mobilisieren rassistische AnwohnerInnen in Bad Freienwalde

Ob “Bran­den­burg” oder “Ost­bran­den­burg er­wa­che”: Neo­na­zis mo­bi­li­sie­ren ras­sis­ti­sche An­woh­ne­rIn­nen in Bad Frei­en­walde

Über­par­tei­lich = NPD, Die Rechte und AfD

Als Red­ne­rIn­nen tra­ten der An­mel­der Lars Gün­ther, der NPD ?ler An­d­rew Stel­ter, NPD-Funktionärin Ma­nuela Ko­kott und NPD-Lan­des­chef Klaus Beier. Zwar stellte sich Letz­te­rer als Ver­tre­ter ei­ner „deutsch­freund­li­chen Partei“ und nicht ex­pli­zit der NPD vor, um den „überparteilichen“ Charakter der Ver­samm­lung zu un­ter­strei­chen, den­noch wa­ren an­hand der Ord­ne­rIn­nen, Red­ne­rIn­nen, Pla­ka­ten und Fah­nen die po­li­ti­sche Par­tei­nahme für NPD und Die Rechte deut­lich: Ne­ben Neo­na­zis aus der Re­gion, wie Ro­bert Geb­hardt (Die Rechte MOL), Rene Herr­mann (Zen­tral­ver­sand, Die Rechte), Jan-Paul Jä­pel (ex-Freie Na­tio­na­lis­ti­schen Ucker­mark) oder Kai Has­sel­mann (Klänge des Blu­tes) wa­ren auch Ge­sine und Ronny Schra­der als Ver­tre­te­rIn­nen von Die Rechte Ber­lin vor Ort. Un­ter den Ver­samm­lungs­teil­neh­me­rIn­nen be­fan­den sich ne­ben den ge­nann­ten Par­tei­ak­ti­vis­tIn­nen von NPD und Die Rechte ins­be­son­dere viele An­woh­ne­rIn­nen. Au­ßer­dem nahm an der Ver­samm­lung der Bran­den­bur­ger AfD-Pres­se­spre­cher Det­lev Frye mit drei wei­te­ren älte­ren Män­nern teil.

Applaudierte der rassitischen Hetze: Detlev Frye, Pressesprecher der Brandenburger AfD

Ap­plau­dierte: Det­lev Frye, Pres­se­spre­cher der Bran­den­bur­ger AfD

Der übli­che ras­sis­ti­sche Stumpf­sinn 

An­mel­der Lars Gün­ther aus Ber­lin, der be­reits in sei­ner Hei­mat­stadt in Wrie­zen die Ver­an­stal­tung an­ge­mel­det hatte, schwa­dro­nierte in sei­ner Rede vom Schutz der „Exis­tenz un­se­res Vol­kes und un­se­rer deut­schen Kin­der“, in An­leh­nung an die so­ge­nann­ten 14 Words – das ras­sis­ti­sche Be­kennt­nis des US-ame­ri­ka­ni­schen Neo­na­zis Da­vid Lane. Au­ßer­dem lobte Gün­ther die Ab­schot­tungs­po­li­tik des un­ga­ri­schen Prä­si­den­ten Vic­tor Or­bán.

Anmelder Lars Guenther aus Wriezen

An­mel­der Lars Gün­ther aus Ber­lin, ging in Wrie­zen zur Schule

Die Re­den von al­len vier Neo­na­zis wa­ren ins­ge­samt ein­falls­los, ge­spickt mit den im­mer wie­der glei­chen fal­schen Be­haup­tun­gen und dem glei­chen ras­sis­ti­sche Sprech, der vie­ler­orts in Bran­den­burg zu hö­ren ist. Die Menge ju­belte zur Hetze ge­gen Po­li­tik, Ge­flüch­tete und De­mo­kra­t_in­nen, die von den Neo­na­zis spot­tend als „Gutmenschen“ bezeichnet wur­den. Ko­kott ließ kei­nen Zwei­fel daran, dass sich ihre Ab­leh­nung der Asyl­po­li­tik ge­gen alle Ge­flüch­te­ten richte. So meinte sie in ih­rem Re­de­bei­trag, dass es sich bei den Flücht­lin­gen oh­ne­hin nicht um po­li­tisch Ver­folgte, son­dern um „Il­le­gale Ein­wan­de­rer und Asylschmarotzer“ handele. Klaus Beier, der als letz­ter Red­ner auf­trat, rief die Po­li­zei auf an die Gren­zen zu fah­ren und diese zu si­chern, denn er meinte an die an­we­sende Po­li­zei gerichtet: „hier wer­den Sie nicht ge­braucht, wir sind fried­lich“.

Vor der Kir­che, ge­gen­über des Markt­plat­zes, sam­melte sich der Ge­gen­pro­test aus etwa 100 Men­schen aus Stadt­po­li­tik, Kir­che und an­ti­ras­sis­ti­schen In­itia­ti­ven. Die Ver­samm­lun­gen, die vom Bür­ger­meis­ter an­ge­mel­det wor­den war, über­tönte zeit­weise die Neo­na­zi­ver­an­stal­tung mit lau­ter Mu­sik und Re­de­bei­trä­gen.

NPD floppt in Bran­den­burg an der Ha­vel
Die teil­neh­me­rIn­nen­schwächste Ver­samm­lung fand am Sonn­abend in Bran­den­burg an der Ha­vel statt. Un­ge­fähr 50 NPD­le­rIn­nen und ver­meint­li­che Sym­pa­thi­san­tIn­nen hiel­ten eine Kund­ge­bung “ge­gen Asyl­be­trug” am Neu­städ­ti­schen Markt ab. Zu dem wurde die Kund­ge­bung von “freien Kräf­ten” und Mit­glie­de­rIn­nen der Kleinst­par­tei “III.Weg” un­ter­stützt. Als Red­ner auf der Kud­nge­bung tra­ten auf der Ra­the­nower NPD Stadt­ver­od­nete und Chef des Kre­si­ver­ban­des Ha­vel-Nutze Mi­chel Mül­ler und das Bad Bel­zi­ger Stadt­ver­ord­nete An­dré Schär auf. Zur Ge­gen­kund­ge­bung ver­sam­mel­ten sich hin­ge­gen knapp 200 Bürger_innen und An­ti­fas.

NPD Kundgebung in Brandenburg/Havel. Bild: Presseservice Rathenow

NPD Kund­ge­bung in Brandenburg/Havel. Bild: Pres­se­ser­vice Ra­the­now

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Blau-braune Al­li­anz in Lüb­benau
In Lüb­benau hiel­ten knapp 700 Men­schen eine asyl­feind­li­che De­mons­tra­tion ab. Zur Ver­an­stal­tung hatte der Afd-nahe Ver­ein “Zu­kunft Hei­mat e.V.” auf­ge­ru­fen. An der De­mons­tra­tion nah­men eine Viel­zahl pro­mi­nen­ter AfD-Funktionäre, dar­un­ter An­dreas Kal­bitz und Jens-Bir­ger Lange teil. Lange kan­di­dierte am 11. Ok­to­ber für das Amt des Land­ra­tes in Dahme-Spree­wald und er­zielte mit 22,9% das zweit­beste Er­geb­nis. Auch die NPD-Ju­gend­or­ga­ni­sa­tio­nen, die Jun­gen Na­tio­nal­de­mo­kra­ten (JN) Bran­den­burg und zahl­rei­che wei­tere Neo­na­zis nah­men an dem Auf­zug teil. Lo­kale Sze­ne­ken­ner_in­nen ge­hen da­von aus, dass die In­itia­tive “Zu­kunft Hei­mat e.V.” und die Ver­an­stal­tung stark durch die ehe­ma­li­gen Mit­glie­der der “Wi­der­stand­be­we­gung Süd­bran­den­burg” ge­prägt sein soll.

Links am Transparent: Andreas Kalbitz, Mitte: Jens-Bringer Lange

Links am Trans­pa­rent: An­dreas Kal­bitz. Foto: Sö­ren Kohl­hu­ber

imVordergrund: Mitglieder der JN auf der Demonstration in Lübbenau

im Vor­der­grund: Mit­glie­der der JN auf der De­mons­tra­tion in Lüb­benau

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Sonn­tag: Neo­na­zis mit mehr Zu­lauf in Frank­furt (Oder)

Zum 1. No­vem­ber rie­fen er­neut Neo­na­zis der Grup­pie­rung „Frankfurt/Oder wehrt sich“ zu ei­ner De­mons­tra­tion un­ter dem Motto „Stopp dem Asyl­wahn“. Für die Frank­fur­ter ex­trem Rechte um den in­zwi­schen in Bees­kow woh­nen­den Peer Koss war es be­reits die sechste Ver­samm­lung in die­sem Jahr. Un­ter­stützt wurde sie da­bei von An­fang an vom ex­trem rech­ten „III. Weg“, aber auch von der NPD. Das Bünd­nis „Kein Ort für Na­zis in Frank­furt (Oder)“ mo­bi­li­sierte ge­gen den Auf­marsch.

Wie­der mehr Neo­na­zis auf der Straße

Die De­mons­tra­tion der Neo­na­zis sollte, wie be­reits bei ih­rem Auf­marsch im April, an der Stras­sen­bahn­hal­te­stelle „Sta­dion“ star­ten und von dort in die In­nen­stadt zie­hen. Die Mo­bi­li­sie­rung war da­mals we­gen er­neut an­ge­kün­dig­ter Pro­teste recht kurz­fris­tig an­ge­kün­digt wor­den und konnte nur 55 Neo­na­zis auf die Strasse brin­gen. Auch sonst nahm die Teil­neh­men­den­zahl seit dem ers­ten Auf­marsch am 17. Ja­nuar kon­ti­nu­ier­lich ab und lag bei ih­rer letz­ten Kund­ge­bung am 3. Ok­to­ber bei nur noch 40. Dies­mal konn­ten je­doch deut­lich mehr Per­so­nen mo­bi­li­siert wer­den. Ins­ge­samt nah­men an dem Auf­marsch knapp 150 Per­so­nen teil. Dar­un­ter wa­ren ne­ben Neo­na­zis aus ver­schie­de­nen Tei­len Bran­den­burgs auch erst­mals seit Fe­bruar wie­der eine er­kenn­bare Zahl an so­ge­nann­ten „be­sorg­ten Bür­ge­rIn­nen“. Auch die An­zahl der ju­gend­li­chen Teil­neh­me­rIn­nen war auf­fal­lend hoch ge­we­sen. Die Par­tei „Die Rechte“ um Ro­bert Geb­hardt aus Bad Frei­en­walde bil­dete ei­nen ei­ge­nen Block. „Der III. Weg“ und die NPD wa­ren ebenso per­so­nen­stark ver­tre­ten.

Die De­mons­tra­tion star­tete kurz nach 15 Uhr und zog über die Walter-Korsing-Straße und Paul-Feldner-Straße vor­bei an der Ar­beits­agen­tur auf die Lo­gen­straße ins Stadt­zen­trum. An­ders als vor­her be­fürch­tet, war das Ziel der De­mons­tra­tion nicht die ge­plante Un­ter­kunft für ge­flüch­tete Fa­mi­lien am Karl-Rit­ter-Platz am nörd­li­chen Rand der In­nen­stadt, son­dern der Vor­platz des Kauf­land-Ein­kaufs­zen­trum, auf dem sich bei den letz­ten ex­trem rech­ten Ver­an­stal­tun­gen im­mer die Ge­gen­de­mons­trie­ren­den ver­sam­melt hat­ten. An­hei­zer der Neo­na­zis war er­neut der Fin­ken­he­er­der Björn Brusak, der ge­gen Ge­flüch­tete und die sog. “Lü­gen­presse” hetzte. Am zwei­ten Mi­kro­fon stimmte eine Frank­fur­ter Flei­scher­ver­käu­fe­rin die Menge mit „Kri­mi­nelle Aus­län­der raus“ ein und er­gänzte „und die An­de­ren hin­ter her“. Am Rande wur­den da­bei im­mer wie­der Pres­se­ver­tre­ter_in­nen be­droht und ge­gen die Re­gio­nal­zei­tung „MOZ“ ge­hetzt, wäh­rend zeit­gleich die ras­sis­ti­sche Menge „Pres­se­frei­heit“ for­dere.

Etwa 150 Neonazis und "besorgte BürgerInnen" zogen am Sonntag durch Frankfurt (Oder).

Etwa 150 Neo­na­zis und “be­sorgte Bür­ge­rIn­nen” zo­gen am Sonn­tag durch Frank­furt (Oder).

Auf dem Kauf­land-Vor­platz fan­den an die­sem Tag die ein­zi­gen in­halt­li­chen Bei­träge der Neo­na­zis statt. Ne­ben Haupt­red­ner Björn Brusak stan­den er­neut Ma­nuela Ko­kott (NPD) und Pas­cal Stolle („III. Weg“) am Mi­kro­fon. Ein wei­te­rer Red­ner, ver­mut­lich eben­falls vom „III. Weg“, hetzte in ei­ner kur­zen Rede ge­gen Ge­flüch­tete. Auch sonst un­ter­schie­den sich die Re­den in­halt­lich kaum von­ein­an­der. Hetze ge­gen Ge­flüch­tete, die Bun­des­re­gie­rung so­wie Be­lei­di­gun­gen in Rich­tung der Ge­gen­de­mons­trie­ren­den, gar­niert mit ein paar ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Ele­men­ten in Brusaks Bei­trag, sind die Quint­es­senz der Re­den. Im An­schluss zo­gen die Neo­na­zis wei­ter zum Haupt­bahn­hof, wo sie ihre De­mons­tra­tion kurz nach 17 Uhr be­en­de­ten.

Zu­lauf zu Ge­gen­pro­test sta­gniert

Zu der Kund­ge­bung des Bünd­nis „Kein Ort für Na­zis in Frank­furt (Oder)“ am Oder­turm ver­sam­mel­ten sich ab 14 Uhr etwa 200 An­ti­fa­schis­t_in­nen, dar­un­ter auch der Ober­bür­ger­meis­ter, der zu ei­nem fried­li­chen Mit­ein­an­der und Pro­test ge­gen Neo­na­zis aufrief. Am Rande pro­vo­zierte der ein­schlä­gig vor­be­strafte Neo­nazi Sven Lemke mit zwei Be­glei­tern den Pro­test ge­gen ih­ren Auf­marsch. Auf­merk­same An­ti­fa­schis­t_in­nen ver­trie­ben die Rech­ten, die sich an­schlie­ßend hin­ter Po­li­zei­kräf­ten ver­steck­ten. Lemke er­stat­tete zu­dem An­zeige we­gen Kör­per­ver­let­zung.

"All Ctas are beautiful" - Nazis not!

“All Ctas are be­au­ti­ful” – Na­zis not!

Das massive Polizeiaufgebot schirmte den Gegenprotest deutlich von den Neonazis ab.

Das mas­sive Po­li­zei­auf­ge­bot schirmte den Ge­gen­pro­test deut­lich von den Neo­na­zis ab.

Wie in an­de­ren Städ­ten, die mit re­gel­mä­ßi­gen ras­sis­ti­schen Auf­mär­schen in den letz­ten Mo­na­ten kon­fron­tiert sind, sta­gniert ebenso in der Oder­stadt die An­zahl der Ge­gen­de­mons­trie­ren­den. Wa­ren am 17. Ja­nuar, beim ers­ten Auf­marsch von „Frankfurt/Oder wehrt sich“, noch 700 Men­schen ge­gen Neo­na­zis auf der Straße ge­gan­gen, konn­ten bei den fol­gen­den Auf­mär­schen im­mer we­ni­ger Leute mo­bi­li­siert wer­den. So sind Blo­cka­den, zu de­nen das Frank­fur­ter Bünd­nis im­mer wie­der auf­ruft, kaum noch möglich. Die Bran­den­bur­ger Po­li­zei war in Frank­furt mit ei­nem Groß­auf­ge­bot vor Ort um mög­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen zu ver­hin­dern. So­gar ein Hub­schrau­ber war im Ein­satz. Über die Pres­se­stelle wa­ren, wie üblich, keine In­for­ma­tio­nen zum Ein­satz zu er­fah­ren.

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