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Bran­den­burg be­tei­ligt sich erst­mals an Sam­mel­ab­schie­bung nach Af­gha­nis­tan

Quelle: Flüchtlingsrat Brandenburg

Un­ter den am Mon­tag ab­ge­scho­be­nen Per­so­nen kam ei­ner der 15 Af­gha­nen aus Bran­den­burg. Das Bun­des­land be­tei­ligt sich zum ers­ten Mal an ei­ner Sam­mel­ab­schie­bung nach Af­gha­nis­tan – die nun­mehr vierte seit De­zem­ber 2016. Da­mit ist Bran­den­burg das erste Bun­des­land mit Re­gie­rungs­be­tei­li­gung der LINKEN, das nach Af­gha­nis­tan ab­schiebt.

Im Vor­feld der Ab­schie­bung aus Mün­chen wurde der af­gha­ni­sche Mann in Bran­den­burg an der Ha­vel von sei­ner Ar­beit ab­ge­holt. Der Flücht­lings­rat kri­ti­siert die Ab­schie­bung in das Kriegs­ge­biet aufs Schärfste und ap­pel­liert an die Lan­des­re­gie­rung, Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan so­fort zu stop­pen und alle Schritte in die Wege zu lei­ten, dass die be­trof­fene Per­son wie­der zu­rück­keh­ren kann.

Ein­zel­fall­prü­fung er­setzt kei­nen Ab­schie­be­stopp

Die Ab­schie­bung fand we­nige Tage statt, nach­dem im Land­tag der Be­schluss über die „Aus­set­zung von Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan“ ge­fasst wurde. Darin sind eine sorg­fäl­tige Ein­zel­fall­prü­fung und das Aus­schöp­fen von Er­mes­sens­spiel­räu­men fest­ge­schrie­ben. Den Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten war sehr wohl be­wusst, dass Schutz­su­chende aus Af­gha­nis­tan in ein Kriegs­ge­biet ab­ge­scho­ben wür­den. Mit der Er­mes­sens- und Ein­zel­fall­prü­fung ent­schied der Land­tag sich ge­gen ei­nen Lan­des-Ab­schie­be­stopp nach Af­gha­nis­tan.

Die Ab­schie­bung des af­gha­ni­schen Man­nes macht deut­lich, dass der Land­tags­be­schluss kei­nen Ab­schie­be­stopp er­set­zen kann. Be­am­t_in­nen sind in je­dem Fall – nicht nur bei Flücht­lin­gen aus Af­gha­nis­tan – ver­pflich­tet, im Ein­zel­fall zu prü­fen, ob Ab­schie­be­hin­der­nisse vor­lie­gen bzw. die Ab­schie­bung ei­nen Ein­griff in Grund­rechte dar­stel­len würde. Folgt man dem ak­tu­el­len Be­richt des Ho­hen Flücht­lings­kom­mis­sa­ri­ats der Ver­ein­ten Na­tio­nen (UNHCR), ge­fähr­det jede Ab­schie­bung nach Af­gha­nis­tan die kör­per­li­che Un­ver­sehrt­heit von Men­schen und stellt da­mit­ei­nen Grund­rechts­ein­griff dar. Der Land­tags­be­schluss bie­tet an­ge­sichts des­sen kei­nen wirk­sa­men Schutz für von Ab­schie­bung be­drohte Af­ghan_in­nen. Das In­nen­mi­nis­te­rium soll­te­statt­des­sen den Aus­län­der­be­hör­den ein kla­res Si­gnal ge­ben, von Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan ab­zu­se­hen. Eine Mög­lich­keit wäre, dem Bre­mer Bei­spiel zu fol­gen und die Aus­län­der­be­hör­den an­zu­wei­sen, Af­ghan_in­nen Auf­ent­halts­er­laub­nisse nach § 25 Abs. 5 Auf­en­thG we­gen be­stehen­der Un­zu­mut­bar­keit (und da­mit Un­mög­lich­keit) ei­ner Rück­kehr aus­zu­stel­len. Zu­dem muss Bran­den­bur­gend­lich Zu­gang zu Sprach­kur­sen für Af­ghan_in­nen
ge­wäh­ren, denn nur so kann der Weg zu ei­ner lang­fris­ti­gen Blei­be­per­spek­tive ge­eb­net wer­den.

Laut ei­ner ak­tu­el­len Stu­die der Uni­ver­si­tät Kon­stanz hat­ten die in der Au­ßen­stelle des BAMF in Bran­den­bur­gent­schie­de­nen­Asylge­su­che mit 10% bun­des­weit die nied­rigste An­er­ken­nungs­quote af­gha­ni­scher Flücht­linge in den Jah­ren 2010–2015 (im Ver­gleich Nordrhein-Westfalen:34%). Das be­deu­tet, dass in Bran­den­burg über­durch­schnitt­lich viele Af­ghan_in­nen dau­er­haft ge­fähr­det sind, ab­ge­scho­ben zu wer­den.

Bran­den­burg hält an har­ter Li­nie ge­gen Ge­flüch­tete fest

Auf­grund der zahl­rei­chen Be­richte zur ver­hee­ren­den Si­cher­heits­lage leh­nen Bun­des­län­der wie Schles­wig-Hol­stein Ab­schie­bun­gen­nach Af­gha­nis­tan grund­sätz­lich ab. In der Presse hatte sich der Bran­den­bur­ger In­nen­mi­nis­ter Karl-Heinz Schrö­ter zu­vor wie­der­holt als Ver­fech­ter der ri­gi­den Ab­schie­be­po­li­tik de Mai­ziè­res ge­ou­tet und die hu­ma­ni­täre Po­li­tik seines­Kol­le­gen­aus Schles­wig-Hol­stein, de­rals ers­terund bis­her ein­zi­ger­ei­nen Ab­schie­be­stopp ver­hängt hatte, scharf kri­ti­siert.

Mit der Ent­schei­dung ge­gen ei­nen Ab­schie­be­stopp und der erst­ma­li­gen Be­tei­li­gung an ei­ner Sam­mel­ab­schie­bung nach Af­gha­nis­tan zeigt die Lan­des­re­gie­rung, dass sie an der har­ten Li­nie von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­zière fest­hält. Da­mit über­geht sie den Wil­len und das En­ga­ge­ment vie­ler Men­schen in Bran­den­burg, die die ak­tu­elle Lan­des- und Bun­des­po­li­tik kri­ti­sie­ren und mit lan­des­wei­ten Ak­tio­nen ihre So­li­da­ri­tät be­kun­den. Mit ei­ner Pe­ti­tion,
die be­reits fast 70.000 Unterstützer_innen ge­fun­den hat, set­zen sich bei­spiels­weise Schüler_innen ei­ner Cott­bu­ser Schule für ihre von Ab­schie­bung be­droh­ten af­gha­ni­schen Mit­schü­ler ein. Bei Kund­ge­bun­gen in Neu­rup­pin und Pots­dam for­der­ten in die­sem Mo­nat De­mons­tran­t_in­nen, dar­un­ter viele Afghan_innen,Flüchtlingsschutz und Ab­schie­be­stopp.

Zu­sam­men mit In­itia­ti­ven und Eh­ren­amt­li­chen for­dert des­halb der Flücht­lings­rat Bran­den­burg wei­ter­hin: Keine Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan! Bran­den­burg muss das Lot­te­rie­spiel mit dem Le­ben af­gha­ni­scher Flücht­linge be­en­den und den hier le­ben­den Af­ghan_in­nen end­lich Si­cher­heit und Schutz ge­wäh­ren!

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