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Alternative News & Termine für Brandenburg

· Eine Analyse der (neo)nazistischen Versammlung sowie der verschiedenen Gegenaktionen am 31. März 2012

Bran­den­burg an der Ha­vel und der NPD Auf­marsch

Quelle: Antifaschistisches Netzwerk [AFN]

Am 31. März 2012 ver­an­stal­tete die NPD un­ter dem Motto: „Wir ar­bei­ten – Brüs­sel kas­siert“ in Bran­den­burg an der Ha­vel ei­nen Auf­marsch, ge­gen den sich An­ti­fa­schis­t_in­nen und Zi­vil­ge­sell­schaft er­folg­reich zur Wehr setz­ten.
In­zwi­schen liegt auch ein ana­ly­sier­tes Ge­samt­bild des Ta­ges­ab­lau­fes vor, das in den fol­gen­den Ab­schnit­ten de­tail­liert dar­ge­stellt wird.

Aus­gangs­lage

In der öffent­li­chen Dis­kus­sion spielte der (Neo)nazimus in Bran­den­burg an der Ha­vel bis­her nur eine ge­ring­fü­gige Rolle. Er wurde im Be­wusst­sein der Bür­ger­schaft nur als Rand­phä­no­men wahr­ge­nom­men und von den staat­li­chen Be­hör­den so­wie in der Lo­kal­presse klein­ge­re­det. „Keine feste Nazi-Struk­tur“, ti­telte so die Mär­ki­sche All­ge­meine Zei­tung, noch im De­zem­ber 2012 in ei­nem Ran­d­ar­ti­kel zum (Neo)nazismus in der Stadt. (1.) Im Ge­gen­satz dazu stand je­doch schon da­mals eine Ana­lyse des An­ti­fa­schis­ti­schen Au­to­ren_in­nen­kol­lek­tivs Brandenburg/Havel und Um­ge­bung, wel­che eben­falls im De­zem­ber 2012 als Do­ku­men­ta­tion ver­öf­fent­licht wurde.(2.) Hierin wur­den nicht nur ak­tu­elle (neo)nazistische Struk­tu­ren auf­ge­deckt, son­dern auch de­ren Kon­ti­nui­tät bis zum An­fang der 1990er Jahre nach­ge­wie­sen.
Am kon­ti­nu­ier­lichs­ten tra­ten da­bei vor al­lem par­tei­un­ge­bun­dene (Neo)nazis in Er­schei­nung, die sich in un­ab­hän­gi­gen Zel­len als „freie“ Ka­me­rad­schaf­ten oder „freie“ Kräfte or­ga­ni­sier­ten und or­ga­ni­sie­ren. Un­ter stän­dig wech­seln­den Be­zeich­nun­gen, wie ak­tu­ell z.B. „Freie Kräfte Ost“ und „Freie Kräfte Brandenburg/Havel“, po­sie­ren sie bei über­re­gio­na­len Auf­mär­schen oder fal­len im Stadt­ge­biet – auch ak­tu­ell – durch Pro­pa­ganda- und Ge­walt­ak­tio­nen auf:

*Am 15. Fe­bruar 2012 wur­den bei­spiels­weise im Bran­den­bur­ger Stadt­ge­biet meh­rere Pa­ro­len fest­ge­stellt, die dazu auf­rie­fen, das An­ti­fa­schis­ti­sche Netz­werk [AFN] zu „zer­schla­gen“. (3.)

*Am 07. März 2012 griff ein Ak­ti­vist der „Freien Kräfte“ ei­nen Ak­ti­vis­ten der Linksjugend.SOLID an. Da­bei schlug der Tä­ter dem Op­fer mit der Faust in Ge­sicht, ver­sprühte Pfef­fer­spray und drohte mit wei­te­rer Ge­walt (4.)

*In der Nacht vom 23. auf den 24. März 2012 kam es zu ei­nem wei­te­ren An­griff. Da­bei wur­den drei An­ti­fa­schis­ten von fünf (Neo)nazis u.a. mit Te­le­skop­schlag­stö­cken at­ta­ckiert und bru­tal zu­sam­men­ge­schla­gen. (5.)

*In der Nacht vom 29. zum 30. März 2012 pro­vo­zier­ten vier (Neo)nazis, die be­kun­de­ten am 31. März 2012 beim (Neo)naziaufmarsch in Bran­den­burg an der Ha­vel mit­lau­fen zu wol­len, im al­ter­na­ti­ven „Haus der Of­fi­ziere“ (HdO). Die Stö­rer muss­ten po­li­zei­lich ent­fernt wer­den. Ge­gen sie wur­den Haus­ver­bote ver­hängt. (6.)

Die (neo)nazistische NPD un­ter­hält in Bran­den­burg an der Ha­vel ei­nen Orts­be­reich, der von ei­nem „freien“ Ak­ti­vis­ten, Franz Pop­pen­dieck aus Prem­nitz, ge­führt wird (7.). Die­ser Ver­band tritt je­doch nicht aus ei­ge­ner Kraft auf, son­dern er­scheint als Va­sall des re­gio­na­len Kreis- bzw. Lan­des­ver­ban­des. So wurde der NPD Auf­marsch am 31. März 2012 nicht durch lo­kale Par­tei­funk­tio­näre aus Bran­den­burg an der Ha­vel, son­dern durch Mi­chel Mül­ler, Or­ga­ni­sa­ti­ons­lei­ter im NPD Lan­des­vor­stand und Vor­sit­zen­der des NPD Kreis­ver­ban­des Ha­vel-Nu­the, an­ge­mel­det.
Die of­fen­sicht­li­che Fern­steue­rung des Bran­den­bur­ger Orts­be­rei­ches soll je­doch durch auf­ge­bauschte Lo­kalak­tio­nen, wie Pro­pa­gan­da­ak­ti­vi­tä­ten, ka­schiert wer­den. So sol­len im Zu­sam­men­hang mit dem Auf­marsch am 31. März 2012 an­geb­lich „mehr als 30.000 Flug­blät­ter“ (8.) in Bran­den­burg an der Ha­vel ver­teilt wor­den sein. Das diese Zahl je­doch höchst­wahr­schein­lich nur er­fun­den ist, lässt sich aus der de­mo­gra­fi­schen Sta­tis­tik so­wie durch Stich­pro­ben wi­der­le­gen. In Bran­den­burg an der Ha­vel woh­nen, ein­schließ­lich Ein­ge­mein­dun­gen, 71.778 Men­schen (9.), ver­teilt auf rund 41.000 Haus­halte. (10.) Wenn 30.000 Flug­blät­ter ver­teilt wor­den wä­ren, hät­ten 75 % der Haus­halte diese in den Brief­käs­ten ha­ben müs­sen. Trotz punkt­wei­ser Über­prü­fung in al­len Stadt­tei­len, wurde aber nur in Bran­den­burg-Nord eine grö­ßere An­zahl Flyer fest­ge­stellt. Die tat­säch­li­che Pro­pa­gan­da­wir­kung sol­che Ak­tio­nen sollte dem­nach erst durch ein Be­ken­ner­schrei­ben im In­ter­net ent­fal­tet wer­den.
Das Netz spielt oh­ne­hin of­fen­bar längst die wich­tigste Rolle in der Par­tei­ar­beit der NPD, da sie sich hier mit ge­ring­fü­gi­gem Auf­wand um­fas­send prä­sen­tie­ren kann. Auch so­ziale Netz­werke neh­men da­bei stän­dig an Be­deu­tung zu. Für den Marsch am 31. März 2012 hatte Mi­chel Mül­ler z.B. ei­gens ei­nen Face­book-Ter­min (11.) er­stellt, zu dem er un­ge­fähr 200 Per­so­nen, ge­nau die An­zahl, die er auch bei der po­li­zei­li­chen An­mel­dung des Auf­mar­sches an­ge­ge­ben hatte, ein­lud.

Der Auf­marsch

Am 31. März 2012 sam­mel­ten sich dann tat­säch­lich un­ge­fähr 150 (Neo)nazis aus den Bun­des­län­dern Bran­den­burg, Ber­lin und Sach­sen-An­halt (12.) vor dem Bran­den­bur­ger Haupt­bahn­hof und nah­men in ei­nem ei­gens für sie ab­ge­sperr­ten Be­reich Auf­stel­lung. Hier wur­den auch die Ban­ner und Fah­nen aus­ge­brei­tet, die erst­mals eine Lo­ka­li­sie­rung der über­wie­gend zu­ge­reis­ten Ver­samm­lungs­teil­neh­mer_in­nen er­mög­lichte. Als Ver­ei­ni­gung oder Sek­tion ga­ben sich da­bei der NPD Kreis­ver­band Ha­vel-Nu­the (13.), der NPD Stadt­ver­band Neu­rup­pin (14.) so­wie die „Freie Ak­ti­ons­gruppe Bran­den­burg“ (15.) mit Ban­nern zu er­ken­nen. Der NPD Kreis­ver­band Bar­nim-Ucker­mark wies hin­ge­gen nur mit ei­nem Papp­schild (16.) auf sich hin. Dar­über hin­aus wur­den schwarze Fah­nen mit den Auf­schrif­ten „Bran­den­burg an der Ha­vel“ (17.), „Ost­p­ri­gnitz-Rup­pin“ (18.), „Neu­rup­pin“ und „Bur­gen­land­kreis“ ge­zeigt.
Als be­son­dere Ak­tion hat­ten sich ein­zelne (Neo)nazis er­laubt mit Esels­mas­ken zu mar­schie­ren um so pla­ka­tiv den ver­meint­li­chen Irr­glau­ben an den EURO zu un­ter­strei­chen. (19.) Ganz neu war diese Vor­ge­hens­weise al­ler­dings nicht. In den 1970er Jah­ren wurde in ähn­li­cher Weise ge­gen die Shoa ar­gu­men­tiert. (20.) Die po­li­zei­li­che Un­ter­sa­gung der Ak­tion wurde je­doch nach ei­nem Ein­spruch der NPD von Pots­da­mer Ver­wal­tungs­ge­richt wie­der auf­ge­ho­ben. (21.)
Die Par­tei war auch mit zahl­rei­chen Bran­den­bur­ger Funk­tio­nä­ren in Bran­den­burg an der Ha­vel vor Ort. Der Lan­des­vor­sit­zende Klaus Beier war da, ebenso wie der An­mel­der Mi­chel Mül­ler. Der Kreis­ver­band Ha­vel-Nu­the hatte zu­dem den ha­vel­län­di­schen Kreis­tags­ab­ge­ord­ne­ten Maik Schnei­der, der Kreis­ver­band Oder­land Frank Maar, Frank Odoy so­wie die Kreis­tags­ab­ge­ord­nete im Land­kreis Oder Spree, Ma­nuela Ko­kott, ent­sandt. Der Lau­sit­zer Ver­band de­le­gierte in­des­sen sei­nen stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den Alex­an­der Bode so­wie Mar­kus Noack, Kreis­tags­ab­ge­ord­ne­ter im Land­kreis Spree-Neiße. Aus dem Be­reich Bar­nim-Ucker­mark war Ai­leen Götze an­ge­reist, aus dem Stadt­ver­band Neu­rup­pin des­sen Vor­sit­zen­der Dave Trick. Der Orts­be­reich Bran­den­burg an der Ha­vel wurde durch Franz Pop­pen­dieck re­prä­sen­tiert.
Ins­ge­samt nah­men un­ge­fähr 20 (Neo)nazis aus dem Stadt­kreis Bran­den­burg an der NPD Ver­samm­lung teil, dar­un­ter auch die mut­maß­li­chen Täter_innen der oben er­wähn­ten Ge­walt­über­griffe im März. Des Wei­te­ren mar­schierte auch der Bran­den­bur­ger Na­zisch­lä­ger Sa­scha Lü­cke bei der Ver­an­stal­tung mit. (22.) Er hatte im Fe­bruar 1996 den Punk Sven Beu­ter in Bran­den­burg an der Ha­vel bru­tal ge­tö­tet und war des­halb meh­rere Jahre in ei­ner JVA in­haf­tiert. (23.) Seine Sie­ger­pose (24.) wäh­rend des Auf­mar­sches, kann als Ver­höh­nung sei­nes Op­fers so­wie der Jus­tiz ge­wer­tet wer­den.
Auch die Po­sen von zwei wei­te­ren (Neo)nazis wa­ren mehr als ein­deu­tig. Sie zeig­ten wäh­rend der NPD Ver­an­stal­tung den so ge­nann­ten „deut­schen Gruß“ (um­gangs­sprach­lich „Hitler-Gruß“). (25.)

Zi­vil­ge­sell­schaft­li­cher Pro­test

Ge­gen den Auf­marsch der NPD hatte der Si­cher­heits- und Prä­ven­ti­ons­ra­tes (SPR) der Stadt Bran­den­burg an der Ha­vel zu ei­nem so­ge­nann­ten „Tag der De­mo­kra­tie“ auf­ge­ru­fen (26.). In die­sem Zu­sam­men­hang wurde auf dem Neu­städ­ti­schen Markt zwi­schen 12 Uhr und 17 Uhr eine Bühne auf­ge­baut, auf der ver­schie­dene Künst­ler un­ter dem Motto „Kein Ort für Na­zis“ ihr Kön­nen auf­führ­ten. Er­gänzt wurde das Pro­gramm durch di­verse po­li­ti­sche Re­den, un­ter an­de­rem von Dr. Lie­se­lotte Mar­tius (SPD), Vor­sit­zende der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung, Hel­muth Mar­kov (DIE Linke), stell­ver­tre­ten­der Mi­nis­ter­prä­si­dent und Mi­nis­ter der Fi­nan­zen des Lan­des Bran­den­burg, und Stef­fen Schel­ler (CDU), Bür­ger­meis­ter der Stadt Bran­den­burg. (27.)
Zu­sätz­lich zu die­ser Ver­an­stal­tung star­tete je­weils um 13 und 14 Uhr ein Fahr­rad­korso, der um die In­nen­stadt führte. Start und Ziel war je­weils der Neu­städ­ti­sche Markt. Wei­ter­hin wurde das Bild der bür­ger­li­chen Pro­teste durch drei Kund­ge­bun­gen ab­ge­run­det. Diese be­fan­den sich am Jü­di­schen Fried­hof, am Ge­denk­stein für Sven Beu­ter so­wie an der Eu­tha­na­sie Ge­denk­stätte.
Mit die­sen vorab an­ge­mel­de­ten Ver­an­stal­tun­gen wurde das Ziel ver­folgt, die NPD-De­mons­tra­tion aus der In­nen­stadt fern­zu­hal­ten (28.). Dies ge­lang je­doch nur im Be­reich des Neu­städ­ti­schen Mark­tes. An­sons­ten blieb den (Neo)nazis zu­min­dest die Mög­lich­keit, den In­nen­stadt­be­reich im Raum Kur­straße so­wie in der Haupt­straße zu tan­gie­ren. Hier­hin wä­ren sie vom Haupt­bahn­hof, über die Große Gar­ten­straße und die Ja­cob­straße ge­langt. Nach dem Auf­ent­halt in der In­nen­stadt wäre der Marsch dann durch die Alt­stadt und Bran­den­burg-Nord, via Rit­ter­straße, Berg­straße, Willi-Sänger-Straße und Fon­ta­ne­straße bis hin zum Alt­stadt­bahn­hof wei­ter­ge­gan­gen.
Die Bürger_innen woll­ten sich in der Zwi­schen­zeit mit un­ge­fähr 1.000 Teil­neh­mer_in­nen am Neu­städ­ti­schen Markt ver­sam­meln (29.). Je nach Quelle schwankte die tat­säch­li­che Zahl der dor­ti­gen Ver­an­stal­tungs­teil­neh­mer_in­nen je­doch zwi­schen 350 (30.) und 650. (31.) Viele Men­schen fehl­ten. Auch die Ober­bür­ger­meis­te­rin und Erst­un­ter­zeich­ne­rin des Auf­rufs zum „Tag der De­mo­kra­tie“, Dr. Diet­lind Tie­mann (CDU), glänzte mit Ab­we­sen­heit. Sie soll im „Ur­laub“ ge­we­sen sein. (32.)

An­ti­fa­schis­ti­sche Pro­teste

Ne­ben der Zi­vil­ge­sell­schaft rief aber auch das lo­kale An­ti­fa­schis­ti­sche Netz­werk Bran­den­burg-Prem­nitz-Ra­the­now (AFN) zu ei­nem „An­ti­fa­schis­ti­schen Ak­ti­ons­tag“ auf. (33.) Zeit­nah wur­den Mo­bi­li­sie­rungs­ma­te­ria­lien, wie Pla­kate, Flyer und Auf­kle­ber, ge­druckt und re­gio­nal so­wie auch über­re­gio­nal, bei­spiels­weise bei den Pro­tes­ten (34.) ge­gen ei­nen (Neo)naziaufmarsch am 24. März 2012 in Frank­furt (Oder), ver­teilt.
Des Wei­te­ren wurde im In­ter­net über die ak­tu­elle Si­tua­tion in Bran­den­burg an der Ha­vel in­for­miert (35.). Am 28. März 2012 fand zu­dem eine an­ti­fa­schis­ti­sche In­fo­ver­an­stal­tung in Bran­den­burg an der Ha­vel statt, die von un­ge­fähr 20 Men­schen be­sucht wurde. Wei­tere Ver­an­stal­tun­gen in an­de­ren Städ­ten konn­ten, auf­grund der Kürze der Mo­bi­li­sie­rungs­zeit, nicht mehr durch­ge­führt wer­den.
Als Treff­punkt für lo­kale und an­ge­reiste An­ti­fa­schis­t_in­nen wurde am 31. März 2012 ab 10.00 Uhr der Bran­den­bur­ger Haupt­bahn­hof ge­nutzt. Ge­gen 10.45 Uhr setzte sich eine grö­ßere Gruppe An­ti­fa­schis­t_in­nen, mit Po­li­zei­be­glei­tung, von dort aus in Be­we­gung Rich­tung In­nen­stadt. Über die große Gar­ten­straße wurde nach circa zehn Mi­nu­ten der Stein­tor­turm er­reicht. Hier sollte ei­gent­lich die erste Blo­ckade der De­mons­tra­ti­ons­route statt­fin­den. Auf­grund an­fäng­li­cher Un­ent­schlos­sen­heit und dem schnel­len Ein­grei­fen der Po­li­zei wurde dies je­doch früh­zei­tig ver­hin­dert. So setzte sich der Zug der rund 60 An­ti­fa­schis­t_in­nen über die Stein­straße und die Haupt­straße wei­ter Rich­tung Jahr­tau­send­brü­cke in Be­we­gung. Dort ge­lang schließ­lich die Blo­ckade. Zu­dem wurde eine Eil­ver­samm­lung an­ge­mel­det. (36.) Wei­ter­hin un­ter­stützte ein Laut­spre­cher­wa­gen die an­ti­fa­schis­ti­schen Blo­ckie­rer_in­nen. Zu ei­nem Po­li­zei­ein­satz ge­gen die an­ge­mel­dete Kund­ge­bung kam es nicht.
Nach­dem sich zeigte, dass die Blo­ckade nicht ge­räumt und der NPD Marsch statt­des­sen über eine al­ter­na­ti­ven Route via Bau­hof­straße und der Lu­cken­ber­ger Brü­cke in die Alt­stadt ge­führt wer­den würde, ent­stand eine wei­tere Blo­ckade in der Neu­en­dor­fer Straße Ecke Bau­hof­straße. Durch diese er­neute Stö­rung der plan­mä­ßi­gen Marsch­route der (Neo)nazis, wurde der NPD-Auf­zug aber­mals um­ge­lei­tet, dies­mal von der Bau­hof­straße in die Ja­cobs­straße. Zeit­gleich wurde die an­ge­mel­dete Ver­samm­lung auf der Jahr­tau­send­brü­cke vom Ver­an­stal­ter für be­en­det er­klärt.
Die NPD mar­schierte wäh­rend­des­sen durch die Ja­kobs­straße, über die Wil­helms­dor­fer Kreu­zung in die Otto Si­dow Straße, auf den so­ge­nann­ten „Zen­trums­ring“. Hier­bei han­delt es sich um eine zwei­spu­rige Ent­las­tungs­straße, an der, bis zum Alt­städ­ti­schen Bahn­hof, dem Ziel des De­mons­tra­ti­ons­zu­ges, kaum be­wohnte Ge­bäude an­gren­zen. Statt­des­sen ma­chen Lärm­schutz­wände, In­dus­trie­bra­chen so­wie we­nige Schre­ber­gär­ten, wel­che die Fahr­bah­nen säu­men, das Ge­biet für Ver­samm­lun­gen, die sich an Men­schen rich­ten sol­len, gänz­lich un­at­trak­tiv. Auf­grund die­ser Tat­sa­che ver­such­ten die Ver­an­stal­ter des (Neo)naziaufmarsches an na­hezu je­der Kreu­zung die Po­li­zei dazu zu be­we­gen, die Route wie­der in die Rich­tung be­wohn­ter Stadt­ge­biete zu ver­le­gen. Dies konnte je­doch durch eine wei­tere Blo­ckade in der Neu­en­dor­fer Straße, zwi­schen Ferdinand-Lassalle-Straße und Wilhelm-Weitling-Straße, ver­ei­telt wer­den. Hier kam es al­ler­dings auch zu ers­ten hand­fes­ten Überg­rif­fen durch Po­li­zei­be­amte, die of­fen­bar eine er­neute Blo­ckie­rung der NPD-Route ver­hin­dern woll­ten. Da­bei wurde u.a. ein An­ti­fa­schist mit ei­nem Tonfa zu Bo­den ge­schla­gen. (37.) Ihm konnte je­doch um­ge­hend durch ein Sa­ni­tä­ter­team ge­hol­fen wer­den. Trotz des Schlag­stock­ein­sat­zes der Po­li­zei blie­ben die Blo­ckier_in­nen aber stand­haft, bil­de­ten Ket­ten und ver­hin­der­ten den Ein­zug der (Neo)nazis in den be­wohn­ten Stadt­be­reich.
Die NPD und ihre An­hän­ger mar­schier­ten so dann wei­ter auf dem Zen­trums­ring, ent­lang der Zan­der­straße, bis zum Alt­städ­ti­schen Bahn­hof. Ei­gent­lich war hier auch der an­ge­mel­dete End­punkt der Ver­samm­lung. Doch durch die un­at­trak­tive Stre­cke und die Tat­sa­che, dass bis­her noch über­haupt keine Kund­ge­bung ab­ge­hal­ten wurde, ver­suchte die Ver­an­stal­tungs­lei­tung den Marsch nun zu ver­län­gern. Eine von der NPD er­wo­gene Wei­ter­füh­rung der Ver­an­stal­tung ent­lang der Mag­de­bur­ger Straße, wurde je­doch von der Po­li­zei aus Si­cher­heits­grün­den ab­ge­lehnt. (38.)
Die Be­am­t_in­nen lie­ßen sich je­doch auf eine Fort­füh­rung der Route Rich­tung Bran­den­burg-Nord, über die Fon­ta­ne­straße und die Willi-Sänger-Straße ein. An der Kreu­zung Fontanestraße/August-Bebel-Straße/Willi-Sänger-Straße war dann aber, auf­grund ei­ner er­neu­ten Blo­ckade der Route, end­gül­tig Schluss. Die NPD gab auf und hielt an Ort und Stelle eine Ab­schluss­kund­ge­bung ab. Da­bei re­de­ten Mat­thias Faust, ehe­ma­li­ger DVU Vor­sit­zen­der und jet­zi­ges NPD Bun­des­vor­stands­mit­glied, und Klaus Beier, Vor­sit­zen­der des NPD Lan­des­ver­ban­des Bran­den­burg. Letzt ge­nann­ter rief, auf­grund der Blo­cka­den, die Ver­samm­lungs­teil­neh­mer_in­nen zu spon­ta­nen Ak­tio­nen ent­lang der Bahn­stre­cke auf. Der über­wie­gende Teil der Re­den blieb al­ler­dings un­ver­ständ­lich, da An­ti­fa­schis­t_in­nen laut­stark, u.a. mit Me­ga­pho­nen, da­ge­gen hiel­ten. Ein An­ti­fa­schist wurde bei die­sen Pro­tes­ten übri­gens in Po­li­zei­ge­wahr­sam ge­nom­men, da sein Klei­dungs­stil als Ver­stoß ge­gen das Ver­samm­lungs­ge­setz ge­wer­tet wurde.
Die NPD zog sich der­weil frus­triert zum Alt­städ­ti­schen Bahn­hof zu­rück. Ei­nige (Neo)nazis lie­ßen da­bei ih­ren Frust an Pla­ka­ten mit der Auf­schrift „Brau­ner Müll in die Tonne“ aus. Ge­gen vier Per­so­nen im Al­ter zwi­schen 21 und 25 Jah­ren er­mit­telt nun die Po­li­zei we­gen Sach­be­schä­di­gung. (39.) Eine wei­tere po­li­zei­li­che An­zeige wurde ge­gen ei­nen Teil­neh­mer der NPD De­mons­tra­tion we­gen Ver­stoß ge­gen das Ver­samm­lungs­ge­setz er­stellt. Der 26 Jäh­rige trug so ge­nannte Quarz­hand­schuhe bei sich. (40.)

(Neo)nazistische Spontan­de­mons­tra­tion in Prem­nitz

Eine Gruppe von un­ge­fähr 40 (Neo)nazis fuhr nach der Be­en­di­gung der NPD Ver­an­stal­tung in Bran­den­burg an der Ha­vel von der Bahn­hal­te­stelle Bran­den­burg-Alt­stadt mit der Re­gio­nal­bahn di­rekt in die ha­vel­län­di­sche Klein­stadt Prem­nitz. Dort stie­gen sie an der Hal­te­stelle „Zen­trum“ aus und mar­schier­ten, ge­mäß der An­kün­di­gung Klaus Bei­ers, dann in Form ei­nes Auf­zu­ges durch das Prem­nit­zer Stadt­ge­biet. Die Teil­neh­mer_in­nen aus den Stadt- und Land­krei­sen Bran­den­burg an der Ha­vel, Ha­vel­land, Ost­p­ri­gnitz-Rup­pin und Pots­dam-Mit­tel­mark zeig­ten da­bei auch das Ban­ner des NPD Stadt­ver­band Neu­rup­pin so­wie meh­rere schwarze Fah­nen. (41.)
Ob­wohl die spon­tane Ver­samm­lung of­fen­bar den Cha­rak­ter ei­ner Er­satz­ver­an­stal­tung ha­ben sollte, ging es den teil­neh­men­den (Neo)nazis aber we­ni­ger um den be­reits für den Auf­marsch in Bran­den­burg an der Ha­vel an­ge­kün­dig­ten Pro­test ge­gen den EURO, son­dern aus­schließ­lich um Pro­vo­ka­tio­nen. „Man“ sei „mit ei­ner 50 Per­so­nen star­ken Gruppe in jene Stadt“ ge­reist „wel­che die An­tifa-West­ha­vel­land ihr Ge­biet nennt“, so die „Freien Kräfte Neu­rup­pin“ zu ih­rer Ak­tion im „ro­ten“ Prem­nitz, „um den Tag trotz Schi­ka­nen noch er­folg­reich ab­zu­schlie­ßen“. (42.)
Nach ei­ner kur­zen Lauf­stre­cke durch die Erich Wei­nert Straße, die Fried­rich Wolf Straße so­wie die Ger­hart Haupt­mann Straße wurde der Spon­tan­marsch al­ler­dings recht un­spek­ta­ku­lär von der Po­li­zei zu­rück zur Bahn­hal­te­stelle ge­führt.

Fa­zit

Trotz­dem die (Neo)nazis über eine lange Stre­cke doch in Bran­den­burg an der Ha­vel mar­schie­ren konn­ten, war es ent­schlos­se­nen An­ti­fa­schis­t_in­nen mehr­fach ge­lun­gen die Ver­an­stal­tung der NPD in eine für sie un­at­trak­tive Ge­gend ab­zu­drän­gen und letzt­end­lich so­gar zu stop­pen – ein No­vum in der Stadt.
Auch die Ge­gen­ver­an­stal­tung der Zi­vil­ge­sell­schaft kann als Fort­schritt be­wer­tet wer­den, zeigte sie doch, das es in­zwi­schen ei­nen klei­nen Ent­wick­lungs­schritt, weg vom Igno­rie­ren des Pro­blems hin zu ei­ner of­fen­si­ve­ren Be­geg­nung mit der Her­aus­for­de­rung, ge­ge­ben hat.
Es bleibt zu hof­fen, dass diese Ent­wick­lung sich auch in Zu­kunft wei­ter fort­setzt und kom­mende (Neo)naziaktionen mit ei­nem noch wei­ter ge­fä­cher­ten an­ti­fa­schis­ti­schen Bünd­nis ge­stoppt wer­den kön­nen.
Das auch in den nächs­ten Mo­na­ten und Jah­ren mit Ak­ti­vi­tä­ten des (neo)nazistischen Mi­lieus zu rech­nen ist, zeigte be­reits am 31. März 2012 die Ver­bis­sen­heit der NPD bei der Ko­or­di­nie­rung ih­rer Ver­an­stal­tung in Bran­den­burg an der Ha­vel so­wie ihre Ent­schlos­sen­heit und ihre Ak­ti­ons­fä­hig­keit bei der Durch­füh­rung ei­ner Spon­tan­ver­samm­lung in Prem­nitz.

Quel­len:

(1) Mär­ki­sche All­ge­meine Zei­tung: „Keine feste Nazi-Struk­tur“, 8. De­zem­ber 2011
(2) http://media.de.indymedia.org/media/2011/12//321771.pdf
(3) http://afn.blogsport.de/2012/02/16/gedenkkundgebung-in-brandenburg-an-der-havel/
(4) http://afn.blogsport.de/2012/03/07/linksjugend-aktivist-von-neonazi-angegriffen/
(5) http://opferperspektive.de/event/events_by_criteria/1
(6) Ei­gene Re­cher­che
(7) wie (2.)
(8) XXXX://npd-havel-nuthe.de/projekt-%E2%80%9Ekleeblatt%E2%80%9C-gestartet-demonstration-%E2%80%9Eraus-aus-dem-euro%E2%80%9C-in-brandenburg/2783
(9) http://www.stadt-brandenburg.de/stadt-buerger/daten-fakten/bevoelkerung/
(10) http://www.walter-werbung.de/index.php?brandenburg-an-der-havel-prospektverteilung
(11) XXXX://www.facebook.com/events/323454134375350
(12) http://afn.blogsport.de/2012/03/31/neonaziaufmarsch-in-brandenburg-an-der-havel-gestoppt/
(13) http://farm8.staticflickr.com/7188/6889420490_64dc49baa2_z.jpg
(14) http://westhavelland.files.wordpress.com/2012/03/2012-03-31-brandenburg-npd-008.jpg
(15) http://farm8.staticflickr.com/7268/6886557786_d0c25aa8f0_z.jpg
(16) http://farm8.staticflickr.com/7070/6889417354_7ed863dea4_z.jpg
(17) http://farm8.staticflickr.com/7176/7035511851_caf7f5e73a_z.jpg
(18) http://farm8.staticflickr.com/7074/7035514985_109e3ec268_z.jpg
(19) http://westhavelland.files.wordpress.com/2012/03/2012-03-31-brandenburg-npd-010.jpg
(20) http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12304063/61009/
(21) http://www.internetwache.brandenburg.de/sixcms/detail.php?id=10976471
(22) http://westhavelland.files.wordpress.com/2012/03/2012-03-31-brandenburg-npd-004-sascha-luecke.jpg
(23) http://afn.blogsport.de/2012/02/17/totschlaeger-zeigt-noch-immer-keine-reue/
(24) http://farm8.staticflickr.com/7223/6889415734_c770c3f018_z.jpg
(25) http://farm8.staticflickr.com/7259/6889416238_3c121de41d_z.jpg
(26) http://www.tolerantes.brandenburg.de/media_fast/5791/Tag%20der%20Demokratie%202012%20Aufruf.pdf
(27) http://havelstadt.de/poltik-aktuell/12649-brandenburg-an-der-havel-zeigt-rote-karte-gegen-rechts
(28) http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12301035/61009/Mit-einem-Demokratiefest-wollen-die-Brandenburger-gegen-NPD.html
(29) http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12302973/2242247/Tag-der-Demokratie-in-Brandenburg-mit-Minister-Beteiligung.html
(30) http://meetingpoint-brandenburg.de
(31) http://www.die-mark-online.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1015468
(32) wie (27)
(33) http://afn.blogsport.de/2012/03/08/neonaziaufmarsch-in-brandenburg-an-der-havel-stoppen/
(34) http://afn.blogsport.de/2012/03/25/frankfurt-oder-blockiert/
(35) http://afn.blogsport.de/2012/03/22/neonazis-in-brandenburg-an-der-havel-ein-aktueller-ueberblick/;
http://afn.blogsport.de/2012/03/28/info-update-zum-neonaziaufmarsch-in-brandenburg-an-der-havel/;
http://afn.blogsport.de/2012/03/30/npd-aufmarsch-soll-gestoppt-werden/
(36) wie (21.)
(37) http://farm8.staticflickr.com/7258/6886565778_bdf3042c5a_z.jpg
(38) wie (8.)
(39) wie (21.)
(40) wie (21.)
(41) http://westhavelland.files.wordpress.com/2012/03/2012-03-31-brandenburg-npd-022-sponti-premnitz.jpg
(42) XXXX://nsfkn.info/brbdemo12.html

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