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Björn Brusak – kein „be­sorg­ter An­woh­ner“ son­dern ein Ras­sist

Quelle: antifaschistische recherchegruppe frankfurt(oder)

Björn Brusak be­wegt sich in ver­schie­de­nen ex­trem rech­ten Strö­mun­gen: Hier am 1. Au­gust 2015 in Dams­dorf bei ei­ner Kund­ge­bung des “III. Weg” als Ver­tre­ter der Eu­ro­päi­schen Ak­tion. (Quelle: Pres­se­ser­vice Ra­the­now)

Ein Teil der bun­des­deut­schen Be­völ­ke­rung zeigt die­ser Tage wie­der das Ge­sicht des „be­sorg­ten“ Deut­schen, der sich um Heim, Fa­mi­lie und sein Land sorgt und da­bei Hass und Ge­walt ge­gen Ge­flüch­tete und de­ren Unterstützer*innen rich­tet. So auch in Frank­furt (Oder), wo die von Neo­na­zis do­mi­nierte Gruppe „Frankfurt/Oder wehrt sich“ seit Ja­nuar be­reits vier­mal auf De­mons­tra­tio­nen und Kund­ge­bun­gen ge­gen de­ren Un­ter­brin­gung in der Stadt auf­mar­schierte. Ei­ner der re­gel­mä­ßig an die­sen Ver­samm­lun­gen teil­nimmt und des öfte­ren dort als Red­ner auf­tritt ist der in Bries­kow-Fin­ken­he­erd woh­nende Neo­nazi Björn Brusak.

Der Ton macht die Mu­sik

Björn Brusak ist ei­ni­gen Frankfurter*innen eher be­kannt als Eh­ren­amt­li­cher des Ame­ri­can Foot­ball-Ver­eins „Red Cocks“, in dem er bis min­des­tens 2013, u.a. als Ju­gend­trai­ner, ak­tiv war. Das er sich ne­ben­bei po­li­tisch ex­trem recht ori­en­tierte zei­gen seine Ak­ti­vi­tä­ten als Lie­der­ma­cher. Zum ers­ten Mal als sol­cher auf­fäl­lig ge­wor­den ist er am 9. Au­gust 2013 in der von Neo­na­zis be­lieb­ten Frank­fur­ter Eck­kneipe „Die Bier­bar“ in der Ber­li­ner Straße. Dort hatte er bei ei­nem Ge­burts­tags­abend volks­ver­het­zende Lie­der, u.a. der als kri­mi­nelle Ver­ei­ni­gung ver­bo­te­nen Band „Land­ser“ und des Neo­nazi-Lie­der­ma­chers Frank Ren­ni­cke, ge­spielt.1 Die dar­auf­hin ein­tref­fende Po­li­zei un­ter­sagte das Kon­zert und lei­tete ein Straf­ver­fah­ren we­gen Ver­stoß des § 130 StGB, so­wie we­gen Ver­wen­dung von Kenn­zei­chen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Or­ga­ni­sa­tio­nen gem. § 86a StGB ein. Am 25. Fe­bruar 2015 musste er sich des­we­gen vor Ge­richt ver­ant­wor­ten. Der Pro­zess wurde ge­gen eine Zah­lung von 1.800 € ein­ge­stellt.2 Doch nicht erst seit die­sem Abend war bzw. ist der etwa 30jährige Brusak als ex­trem rech­ter Lie­der­ma­cher ak­tiv. Un­ter dem User-Na­men „MrBrusi86“ be­sitzt er seit dem 8. März 2012 ei­nen Youtube-Chan­nel.3 Hier fin­den sich drei selbst­er­stellte Vi­deos bzw. Songs von de­nen zwei auf der von den süd­afri­ka­ni­schen Bu­ren ver­wen­de­ten Spra­che Afri­kaans. Das ver­mut­lich selbst­kom­po­nierte Lied „Afri­kaanse taal is prag­tig en mo­nu­men­tal“ stammt aus dem eben­falls 2012 in

Seine Liebe zum Apart­heids­re­gime Süd­afri­kas drückt er in die­sem Vi­deo aus. Sein selbst­er­stell­tes Al­bum „Van Frank­furt toe Suid Afrika“ er­schien 2012. Im Vi­deo ist Brusak vor der al­ten Fahne Süd­afri­kas zu se­hen… (Quelle: youtube.com)

Selbst­pro­duk­tion er­schie­ne­nen Al­bum „Van Frank­furt toe Suid Afrika“.4 Das er mit die­sem Song bzw. Al­bum Sym­pa­thien zum al­ten Süd­afrika der Apartheids-Ära hegt zeigt das im Youtube-Vi­deo zu­se­hende Bild von Brusak mit Gi­tarre vor der ehe­ma­li­gen Flagge des Lan­des, wel­che bis zum Ende des ras­sis­ti­schen Re­gimes 1994 die Na­tio­nal­fahne dar­stellte. Afri­kaans, wel­ches heute noch ei­ner der Na­tio­nal­spra­chen Süd­afri­kas ist, hatte der selbst­stän­dige Ver­si­che­rungs­ver­trei­ber und ge­lernte Be­ton- und Stahl­be­ton­bauer ver­mut­lich wäh­rend sei­ner Zeit bei der Bun­des­wehr ge­lernt, wo er laut ei­ge­nen Aus­sage für die NATO ak­tiv war. Ein wei­te­rer Blick auf die abon­nier­ten Youtube-Kanäle zeigt seine Vor­liebe für ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche und neo­na­zis­ti­sche Bei­träge.5

Seit Au­gust 2013 trat er bei zahl­rei­chen neo­na­zis­ti­schen Ver­an­stal­tun­gen auf. Ob bei Lie­der­aben­den der „Ka­me­rad­schaft Kom­mando Wer­wolf“ oder auf De­mons­tra­tio­nen, u.a. bei ei­nem ras­sis­ti­schen Auf­marsch am 16. April 2015 in Nauen.6 In­zwi­schen ist Björn Brusak Gast bei zahl­rei­chen Ver­an­stal­tun­gen der ex­trem Rech­ten.

… hier dazu das Ver­gleichs­bild. (Quelle: facebook.com)

Eine be­son­dere Ver­bin­dung hat er da­bei auch zur neo­na­zis­ti­schen Zei­tung „Recht & Wahr­heit“.

Mit der Brau­nen Elite per Du

Etwa zwei­mal jähr­lich fin­den die so­ge­nann­ten „Le­ser­tref­fen“ der neo­na­zis­ti­schen Zeit­schrift „Recht & Wahr­heit“ von Meinolf Schön­born statt. Diese Ver­an­stal­tung gilt als bun­des­wei­ter Treff­punkt für neo­na­zis­ti­sche Füh­rungs­per­so­nen und als Schnitt­stelle der ver­schie­de­nen Ge­ne­ra­tio­nen.7 Zu den re­gel­mä­ßi­gen Re­fe­rie­ren­den ge­hört u.a. die Ho­lo­caust­leug­ne­rin Ur­sula Ha­ver­beck. Die Ta­gung fin­det da­bei je­weils im als bun­des­weit be­kann­ten Sze­ne­treff­punkt Hufhaus-Harzhöhe in Harz­tor-Il­feld statt. Ein wei­te­rer re­gel­mä­ßi­ger Teil­neh­mer ist „Brusi“, der bei den ver­gan­ge­nen „Le­ser­tref­fen“, zu­letzt vom 17. bis 19. April 2015,8 für die mu­si­ka­li­sche Un­ter­hal­tung sorgte. Da­hin­ter ver­birgt sich, nicht un­schwer zu er­ah­nen, Björn Brusak. Das er da­bei nicht nur als Lie­der­ma­cher teil­nahm, ist an­zu­neh­men. Im Som­mer 2014 tauchte die da­mals ak­tu­elle Aus­gabe von „Recht & Wahr­heit“ in ver­ein­zel­ten Frank­fur­ter Brief­käs­ten auf. Es ist auch hier an­zu­neh­men, dass Björn Brusak da­hin­ter steckt. Vom 25. bis zum 27. Sep­tem­ber 2015 fin­det das nächste „RuW-Le­ser­tref­fen“ im Harz statt. Auch dies­mal wird „Brusi“ zu­ge­gen sein.9

In den The­men der „Recht & Wahr­heit“ fin­den sich im­mer wie­der ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche und an­ti­se­mi­ti­sche Dar­stel­lun­gen. Diese fin­den sich auch in an­de­ren Pu­bli­ka­tio­nen die Brusak gerne zu le­sen scheint. Das in der Trut­her-Szene be­liebte Buch „Die Jahr­hun­dert­lüge, die nur In­si­der ken­nen: er­ken­nen er­wa­chen ver­än­dern“ von Heiko Schrang emp­fiehlt Björn Brusak in ei­ner Re­zen­sion auf amazon.de als „ge­nia­les Buch“, wel­ches „un­be­dingt mehr­mals zu le­sen und auch zu er­le­ben“ ist.10 Auch eine an­dere, ex­trem rechte Grup­pie­rung, der Brusak nahe steht ver­brei­tet sol­che In­halte.

Vom ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Com­pactTV des Jür­gen El­säs­sers bis zu ei­nem Nord­ko­rea-Ka­nal. Björn Brusak ver­folgt ver­schie­denste In­ter­es­sen auf Youtube. (Quelle: youtube.com)

Von Eu­ro­päi­scher Ak­tion zum „III. Weg“

Die ex­trem rechte und an­ti­se­mi­ti­sche „Eu­ro­päi­sche Ak­tion“ (EA) ist eine kleine, etwa 2009 ge­grün­dete Grup­pie­rung des Ho­lo­caust­leug­ners Bern­hard Schaub.11Auch in Bran­den­burg gibt es ei­nen klei­nen Ab­le­ger, der in der Ver­gan­gen­heit je­doch kaum in Er­schei­nung trat. Aus­nahme bil­dete die Be­tei­li­gung an den so­ge­nann­ten Mon­tags­mahn­wa­chen von Lars Mähr­holz im ver­gan­ge­nen Jahr in Ber­lin durch mehr oder we­ni­ger be­kannte Neo­na­zis aus Bran­den­burg. Zu die­sen ge­hörte auch Björn Brusak. Er baute An­fang 2014 ei­nen Stütz­punkt der EA in Frank­furt (Oder) auf und ver­suchte mit­tels klei­ner Ver­an­stal­tun­gen und Ge­mein­schafts­aben­den Mit­glie­der zu re­kru­tie­ren. Auf der Face­book-Seite des Frank­fur­ter Ab­le­gers wur­den re­gel­mä­ßig an­ti­ame­ri­ka­ni­sche und an­ti­se­mi­ti­sche Ver­schwö­rungs­theo­rien ver­brei­tet. Seit An­fang die­sen Jah­res ver­zeich­nete die Seite bis­lang kaum neue Ak­ti­vi­tä­ten.

Viel­mehr scheint sich die wich­tigste Per­son der Bran­den­bur­ger EA Björn Brusak an an­de­ren ex­trem rech­ten Ver­an­stal­tun­gen zu be­tei­li­gen. Oft als Red­ner und Lie­der­ma­cher.

Diese Ak­ti­vi­tä­ten in­ten­si­vierte er seit An­fang die­sen Jah­res. Bei den neo­na­zis­ti­schen Auf­mär­schen der Grup­pie­rung „Frankfurt/Oder wehrt sich“ war er im Ja­nuar, Fe­bruar und Juli je­weils als Red­ner zu Gast.12 Bei Kund­ge­bun­gen der neo­na­zis­ti­schen Par­tei „Der III. Weg“ am 1. Au­gust in Zos­sen und Dams­dorf hetzte er eben­falls ge­gen Ge­flüch­tete und ver­brei­tete seine Ver­schwö­rungs­theo­rien.13

Sein ei­ge­nes asyl­feind­li­ches Pro­jekt ver­folgt er der­zeit in sei­nem Hei­mat­ort. Am 18. Juli rief er un­ter dem Motto „Fin­ken­he­erd sagt Nein“ zu ei­ner of­fe­nen Dis­kus­si­ons­runde. An­lass war die an­ste­hende Un­ter­brin­gung von drei Flüchtlings-Familien. Hierzu hatte er lo­kale Politiker*innen ein­ge­la­den. Diese folg­ten dem An­ge­bot je­doch nicht. Da­für spra­chen ne­ben Björn Brusak selbst auch der NPD-Lan­des­vor­sit­zende Klaus Beier und die NPD-Ak­ti­vis­tin Ma­nuela Ko­kott aus Mark­graf­pieske (Land­kreis Oder-Spree). Beide be­grüßte er vor Be­ginn der Ver­an­stal­tung freund­schaft­lich. Auch zahl­rei­che Anwohner*innen Fin­ken­he­erds nah­men an der Ver­an­stal­tung teil.14

Für den kom­men­den Sams­tag, den 5. Sep­tem­ber kün­digte der um­trie­bige Neo­nazi Björn Brusak er­neut eine of­fene Dis­kus­si­ons­runde an. So wur­den in Bries­kow-Fin­ken­he­erd und den um­lie­gen­den Ort­schaf­ten Flyer ver­teilt die zwar auf den ers­ten Blick den Ein­druck ver­mit­teln sol­len das es sich um eine Kund­ge­bung für „be­sorgte Bürger*innen“ han­delt. Je­doch ist auf­grund der Be­tei­li­gung Brusak’s der neo­na­zis­ti­sche Cha­rak­ter nicht von der Hand zu wei­sen. Auch dies­mal sind Kommunalpolitiker*innen ein­ge­la­den und es ist auch dies­mal da­von aus­zu­ge­hen, dass die NPD ans Mi­kro­fon tre­ten wird. Ob­wohl Brusak in der Ver­gan­gen­heit be­tonte, dass es sich da­bei um keine Neo­nazi-Ver­an­stal­tung han­delt, ist sie ge­nau das: Eine von ei­nem Neo­nazi or­ga­ni­sierte Kund­ge­bung auf de­nen Neo­na­zis spre­chen. Der auf Dia­log set­zende Bür­ger­meis­ter Frank Rich­ter ließ bis­her ver­mis­sen sich klar von der ras­sis­ti­schen Ver­an­stal­tung zu dis­tan­zie­ren. Er sei da­bei bes­ser be­ra­ten, wenn er keine Al­mo­sen von Befürworter*innen und Tonangeber*innen ras­sis­ti­scher Hetze an­zu­neh­men. Zu die­sen ge­hört in der Re­gion Frank­furt (Oder) und dem Land­kreis Oder-Spree zwei­fels­frei Björn Brusak.

 

1Vgl. an­ti­fa­schis­ti­sche re­cher­che­gruppe frank­furt (oder): Im­mer Ärger mit der Bier­bar, https://recherchegruppe.wordpress.com/2013/09/08/immer-arger-mit-der-bierbar/, 08.09.2013.

2Vgl. BorG Frank­furt (Oder): Doch mehr als ein Ge­burts­tags­ständ­chen, http://utopiaffo.blogsport.de/2015/02/27/doch-mehr-als-ein-geburtstagsstaendchen-rechter-liedermacher-muss-geldstrafe-zahlen/, 27.02.2015, ein­ge­se­hen am 02.09.2015.

3Vgl. https://www.youtube.com/channel/UCIUsbdNOvBwcn_LuibnHjTA, ein­ge­se­hen am 02.09.2015.

4Vgl. https://www.youtube.com/watch?v=HR487V2-SeA, ein­ge­se­hen am 02.09.2015.

5Vgl. https://www.youtube.com/user/MrBrusi86/channels, ein­ge­se­hen am 02.09.2015.

7Vgl. Bud­ler, Kai: Meinolf Schön­born bit­tet zum Nazi-Pa­la­ver nach Thü­rin­gen, http://www.publikative.org/2013/02/26/nachdenken-uber-eine-neue-methodik-des-nationalen-widerstandes/, 26.02.2013, ein­ge­se­hen am 02.09.2015.

8Vgl. Blick nach Rechts: Re­vi­sio­nis­ten­tref­fen im Süd­harz, http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/revisionistentreffen-im-s-dharz (ein­ge­se­hen am 2. Sep­tem­ber 2015).

9Vgl. Blick nach Rechts: Brau­nes Mee­ting im Süd­harz, http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/braunes-meeting-im-s-dharz, 2703.2015, ein­ge­se­hen am 02.09.2015.

10Vgl. Kun­den­re­zen­sion zu Die Jahr­hun­dert­lüge, http://www.amazon.de/review/RLO2GRXZUE08T, 22.07.2014, ein­ge­se­hen am 02.09.2015.

11Vgl. Bran­den­bur­gi­sche Lan­des­zen­trale für po­li­ti­sche Bil­dung: Eu­ro­päi­sche Ak­tion, http://www.politische-bildung-brandenburg.de/node/9448, Juli 2013, ein­ge­se­hen am 02.09.2015.

12Vgl. an­ti­fa­schis­ti­sche re­cher­che­gur­ppe frank­furt (oder): Der Auf­stand der Ekel­haf­ten, http://www.inforiot.de/der-aufstand-der-ekelhaften/, 06.02.2015 und „Frankfurt/Oder wehrt sich“ IV. Akt – in­halts­lee­rer und ag­gres­si­ver, http://www.inforiot.de/frankfurtoder-wehrt-sich-iv-akt-inhaltsleerer-und-aggressiver/, 13.08.2015, so­wie in­fo­riot: Schweig­same Neo­na­zis und laut­starke an­ti­fa­schis­ti­sche De­mons­tra­tion, http://www.inforiot.de/frankfurt-oder-schweigsame-neonazis-und-lautstarke-antifaschistische-demonstration/, 14.02.2015, ein­ge­se­hen am 02.09.2015.

13Vgl. Pres­se­ser­vice Ra­the­now: Pro­teste ge­gen Kund­ge­bungs­tour des III. We­ges, http://www.inforiot.de/zossendamsdorf-proteste-gegen-kundgebungstour-des-iii-weges/, 01.08.2015, ein­ge­se­hen am 05.08.2015.

14Vgl. in­via 1200: Bries­kow-Fin­ken­he­erd: “Be­sorgte Bürger*innen” be­klat­schen Na­zis, http://www.inforiot.de/brieskow-finkenheerd-besorgte-buergerinnen-beklatschen-nazis/, 19.07.2015, ein­ge­se­hen am 02.09.2015.

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