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NPD-Flugblatt

So funktioniert die rassistische Hetze der NPD

 

Quelle: Inforiot

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07.09.2008

Kategorien:
Prignitz

INFORIOT Eine kleine Kopfrechenaufgabe: Wieviel ist 11.000 geteilt durch 85.000? Vielleicht etwas über ein Achtel? Könnte man denken - doch für Spezis wie die AnhängerInnen der NPD sieht die Welt etwas anders - selbst, wenn es um schnöde Mathematik geht.

Seit der Kommunalwahlkampf in Brandenburg begonnen hat, geht die NPD mit einer Statistik hausieren, die beweisen soll, wie gefährlich die wenigen AusländerInnen im Bundesland für den Rest der Bevölkerung seien. In einem Partei-Flugblatt heißt es "Deutsche weisen bei einem Bevölkerungsanteil von 98,1 % nur einen Anteil von 55% der neu ermittelten Tatverdächtigen auf. Ausländer weisen bei einem Bevölkerungsanteil von 1,9 % hingegen einen Anteil von 45 % auf." Die Zahlen entstammen, so die NPD, aus der polizeilichen Kriminalstatisik für das Jahr 2007.

NPD-Homepage
NPD-Homepage

Das gleiche wird in einem Beitrag anlässlich einer NPD-Störaktion gegen den Parteitag der SPD auf der Homepage des NPD-Landesverbandes wiederholt:

Zur Regierungsbilanz der SPD würde gehören, dass laut der "offiziellen Kriminalstatistik" im Jahre 2007 "45 % aller Tatverdächtigen Ausländer waren, wobei Ausländer offiziell nur 1,9 % der Bevölkerung stellen."

Einer einfachen Überprüfung halten die NPD-Angaben nicht stand. In der polizeilichen Kriminalstatistik 2007, die zum Beispiel beim Bundesinnenministerium heruntergeladen werden kann, gab es 2007 insgesamt 84.266 Tatverdächtige in Brandenburg - davon waren 72.989 Deutsche und 11.277 Nichtdeutsche. Der Anteil der Nichtdeutschen lag also bei 13,4 Prozent (was meilenweit von den 45 Prozent entfernt ist, mit denen die NPD hantiert).

Die Deliktzahl für Vergehen gegen Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz lag 2007 in Brandenburg übrigens bei 4.746 Fällen - wobei damit zu rechnen ist, dass es eine ähnlich hohe Zahl Tatverdächtiger gab. Ein sehr großer Anteil der "Straftaten" von AusländerInnen in Brandenburg geht also auf das Konto von Gesetzen, gegen die Deutsche überhaupt nicht verstoßen können und deren Missachtung niemandem Schaden zufügt. In Bundesländern, die an Grenzen zum Ausland liegen - wie eben Brandenburg - ist es auch nur logisch, dass es grenzüberschreitende Kriminalität in beide Richtungen gibt. Berücksichtigt man zusätzlich die soziodemografische Struktur der ausländischen Bevölkerung im Vergleich zur deutschen und das Anzeigeverhalten und das Gebaren der Polizei, dann bleibt schlichtweg keine pauschal höhere Kriminalität von AusländerInnen mehr übrig.

Die Zahlenspielereien der NPD werfen ein Schlaglicht darauf, mit welchen Methoden sie in Brandenburg auf Stimmenfang geht. Sie nutzt ihre Unfähigkeit zur einfachen Prozentrechnung, um den wenigen Nichtdeutschen in Brandenburg fast die Hälfte der Kriminalität in die Schuhe zu schieben und sie somit pauschal als Kriminelle zu stigmatisieren.

 
 
 
So funktioniert die rassistische Hetze der NPD
Kriminalstatistik

1 Kommentare

11.09.08

Mogwai

Die Zahl von 45% nicht-deutschen Tatverdächtigen, auf die sich die NPD-"Erkenntnis" bezieht, wird vom LKA verbreitet (http://www.mi.brandenburg.de/sixcms/media.php/1056/LKA%20%5BSchreibgesch...). Wenn man sich das gesamte Dokument ansieht, stellt man aber fest, dass sich die Zahl auf den Ausschnitt der 16 OK-Komplexe bezieht, zu denen 2007 ermittelt wurde. Absolute Zahlen werden dort nicht genannt, aber im Vergleich mit anderen Statistiken kann man zumindest vermuten, dass es sich bei den 45% um eine zwei- oder niedrige dreistellige Zahl an Tatverdächtigen handelt. (2005 waren es bei 17 OK-Komplexen 43 deutsche und 30 nicht-deutsche neu ermittelte Tatverdächtige.) Die Frage, ob man bei der NPD mit Vorsatz handelt, zu doof zum Lesen ist oder beides, darf man sich selbst beantworten.

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