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Potsdam: Polizeigewalt gegen Jugendliche

 

Quelle: Spartacus e.V.

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12.11.2008

Kategorien:
Oder-Spree

Über 1500 Menschen haben am Samstag Nachmittag in der Potsdamer Innenstadt friedlich für Freiräume demonstriert. Am Abend trafen sich dann einige hundert Jugendliche, um gemeinsam in der kürzlich geschlossenen Skaterhalle (Kurfürstenstraße) ebenso friedlich zu feiern, sich diesen verlorenen Freiraum nur für eine Nacht zurück zu erobern. Gemeinsam wollten die Potsdamer Jugendlichen zeigen, wie prekär es um die soziokulturelle Situation bestellt ist und dass sie sich nicht länger damit abfinden.

Die Party am Abend, die erst durch eine kurzzeitige Besetzung der Skaterhalle möglich war, unterstreicht, in welche Notsituation die kulturelle Szene Potsdams durch die Sanierungs- und Umbaupolitik der Stadt gekommen ist. Der Spartacus begrüßte und unterstützte diese politische Aktion.

Gegen 2 Uhr Nachts fuhr ein Polizeistreifenwagen vor und zeigte uns ein Mal mehr, wie erwünscht wir in dieser Stadt sind. Im Gespräch wurde versucht, die Situation zu klären, doch die Polizei verweigerte jegliche Konversation. „Ihr wollt eure Freiräume. Wir wollen unsere Ruhe.“ war die Ansage der Beamt_innen. Wiederholt wurde die Musik leiser und schließlich auch ganz abgedreht. Trotzdem stürmten die Berliner Bereitschaftspolizisten, die gegen 5 Uhr als Hundertschaft vor der Halle aufgetaucht waren, das Gelände. Die zuvor tanzenden Jugendlichen mussten nun rennen, um den prügelnden Polizist_innen zu entkommen. Drei Partygäste wurden festgenommen, etliche verletzt. Während der Schikanen auf offener Straße, wobei seitens der Polizei geschubst, geschlagen und beleidigt wurde, fielen auch provozierende und sexistische Sprüche, Frauen und Mädchen wurden angefasst, mit den Worten: "Darauf stehst du doch". Menschen wurden als "Schwuchteln" bezeichnet. Außerdem wurde von Berliner Polizisten der "Auswärtssieg" skandiert. Die Berliner Einsatzkräfte schienen sich aufgrund der Tatsache in Potsdam mal "aufräumen" zu können, bestätigt zu fühlen. Zudem fielen noch Sätze, wie: "Heute ist doch Kristallnacht".

Wir verurteilen aufs Entschiedenste das unverhältnismäßig brutale Vorgehen der Polizei bei diesem Einsatz. Wir fordern die Potsdamer Polizei und die Stadt auf sich zu den Vorkommnissen in der Nacht vom 8. auf den 9.November zu positionieren. Die Stadt und die Potsdamer Öffentlichkeit müssen sich nun mit den domizillosen Jugendlichen solidarisch erklären. Noch stärker als zuvor schon ist es Pflicht der Stadt, neue passende Räumlichkeiten für den Spartacus und die soziokulturelle Szene Potsdams zu bieten. Jasmin Kunzel vom Spartacus e.v. sagte hierzu: „Wir fordern die Stadt auf einen ersten Schritt in diese Richtung zu tun und den Erlös aus dem Verkauf der Skaterhalle, also der Vernichtung eines weiteren soziokulturellen Standorts, in die Sanierung des Minsk als neuer Standort für Soziokultur, zu investieren.“

Wir wollen unsere Freiräume, ohne Angst, ohne Polizeiwillkür und –gewalt.

 
 
 

1 Kommentare

12.11.08

Augenzeuge

Die Schikanen der Polizei kann ich als Anwohner der Behlertstr. nur bestätigen. Bis morgen um 5:30 Uhr war keine Lärmbelästigung zu hären. Aber als ich dann von Polizei-Gebrüll muss man sagen hochgeschreckt und aus dem Fenster schaute, sah ich mehrere Personen die von der Polizei wie eine Viehherde die Behlertstraße entlang getrieben wurde. Dabei wurde lautstark seitens der Polizei die Personen nahezu davongejagt. Dieses Verhalten finde ich als Anwohner als Ruhestörend. Solch einen Einsatz erstmals durchzuführen und dann noch rücksichtslos durch bewohntes Gebiet fortzusetzen ist eine Frechheit. Auch die angeblichen Randale kann ich nicht bestätigen, denn zum Teil wurden die Bauschilder von der Poilzei-Truppe selbst in den Weg geräumt worden. Auch 4 anrückende Poilzeifahrzeuge haben da nichts geändert und haben nur der Prügel-Einsatztruppe zugeschaut. Ein absolut unverhältnismäßiger Einsatz der Konsequenzen haben sollt.

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