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Po­li­zei­kon­troll­stelle

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Mit der In­itia­tive Po­li­zei­kon­troll­stelle wol­len wir der Öffent­lich­keit deut­lich ma­chen, wie weit es der Rechts­staat schon ge­bracht hat. Ende des Jah­res 2000 be­schloss der bran­den­bur­gi­sche Land­tag Ver­schär­fun­gen des Lan­des­po­li­zei­ge­set­zes. Es wur­den Auf­ent­halts­ver­bote, Vi­deo­über­wa­chung und der „Fi­nale Ret­tungs­schuss“ ein­ge­führt.

Be­reits 1996 war das Lan­des­po­li­zei­ge­setz durch 4-Tage-„Vorbeugegewahrsam“, Lausch­an­griff und die Ab­schaf­fung der Dienst­num­mern­tra­ge­pflicht für Po­li­zis­ten in ge­schlos­se­nen Ein­hei­ten ge­än­dert wor­den. (Die Dienst­num­mern­tra­ge­pflicht galt von 1990 bis 1996. Die­je­ni­gen, die da­für ver­ant­wort­lich wa­ren, dass sie nie ein­ge­hal­ten wurde, wer­ben für die Vi­deo­über­wa­chung mit dem Ar­gu­ment: wer nichts zu ver­ber­gen hat, der muss auch keine Angst vor Kon­trolle ha­ben.)

Spä­ter wur­den will­kür­li­che Kon­trol­len (die so­ge­nannte Schlei­er­fahn­dung) im grenz“nahen“ 30 km-Raum le­ga­li­siert. Die PDS hatte mit ih­rer Ver­fas­sungs­be­schwerde ge­gen die Ver­schär­fun­gen des Jah­res 1996 teil­weise Er­folg. So be­män­gelt das Ver­fas­sungs­ge­richt u.a., dass der Lausch­an­griff auch ge­gen Ärzte, Rechts­an­wälte u.s.w. vor­ge­se­hen war. Die des­halb not­wen­di­gen Nach­bes­se­run­gen am Ge­setz wur­den dazu be­nutzt, die neuen Ver­schär­fun­gen, die wie­derum ver­fas­sungs­wid­rig sind, auf die Ta­ges­ord­nung zu set­zen. Das neue Ge­setz ist sym­pto­ma­tisch für Ent­wick­lun­gen im Po­li­zei­recht bun­des­weit. Wäh­rend die Po­li­zei im­mer mehr Be­fug­nisse zu im­mer tie­fe­ren Grund­recht­s­ein­schrän­kun­gen er­hält, wer­den die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die An­wen­dung die­ser po­li­zei­li­chen Maß­nah­men im­mer ge­rin­ger.

Das Tren­nungs­ge­bot von Po­li­zei und Ge­heim­diens­ten so­wie die Ge­wal­ten­tei­lung wird im­mer wei­ter auf­ge­weicht. In den letz­ten Jah­ren wur­den neue Po­li­zei­be­fug­nisse stets zu­erst in der Pra­xis ohne ge­setz­li­che Grund­lage er­probt und spä­ter le­ga­li­siert. Ge­set­zes­ver­schär­fun­gen wur­den zu­meist mit der Not­wen­dig­keit des Ein­sat­zes ge­gen rechts­ex­tre­mis­ti­sche Straf­ta­ten be­grün­det. Die Pra­xis hat aber ge­zeigt, wer vor­nehm­lich da­von be­trof­fen sein wird. Eine ef­fek­tive öffent­li­che Kon­trolle der Po­li­zei ist in­zwi­schen ebenso we­nig ge­währ­leis­tet wie ein wirk­sa­mer Daten­schutz. Selbst ei­nige Ju­ris­ten se­hen die Bun­des­re­pu­blik in­zwi­schen auf le­ga­lem Weg in ei­nen Po­li­zei­staat.

Die In­itia­tive Po­li­zei­kon­troll­stelle soll die Grund- und Bür­ger­rechte ge­gen­über der Po­li­zei stär­ken. Durch die Ein­füh­rung ei­nes Polizei-Bürgerbeauftragten soll eine un­ab­hän­gige Kon­troll­be­hörde ge­schaf­fen wer­den, die die kor­rekte An­wen­dung des Po­li­zei­ge­set­zes auf An­trag Be­trof­fe­ner ef­fek­tiv prüft. An­ge­sichts er­wei­ter­ter Be­fug­nisse und ra­sant fort­schrei­ten­der tech­ni­scher Mög­lich­kei­ten ist die Wahl ei­nes Polizei-Bürgerbeauftragten über­fäl­lig.

Die kon­kre­ten für den Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­ten ge­schaf­fe­nen Re­ge­lun­gen ha­ben sich be­währt und sol­len auch für den Polizei-Bürgerbeauftragten gel­ten. Po­li­zei­voll­zugs­be­diens­tete sol­len wie­der iden­ti­fi­zier­bar sein. Es ist nicht ein­zu­se­hen, warum das Ver­mum­mungs­ver­bot nicht auch für Polizist/inn/en gel­ten soll. Ge­rade bei der Be­grün­dung für die Ein­füh­rung der Vi­deo­über­wa­chung ar­gu­men­tierte das In­nen­mi­nis­te­rium, dass Kon­trolle nicht fürch­ten muss, wer sich kor­rekt ver­hält. Wenn die Lan­des­re­gie­rung von ei­ner kor­rek­ten Ar­beits­weise der Po­li­zei aus­geht, dürfte sie also nichts ge­gen die Dienst­num­mern­pflicht ein­zu­wen­den ha­ben. Ob­ser­va­tion, Ab­hör­maß­nah­men, V-Leute und ver­deckte Ermittler/innen sind ge­heim­dienst­li­che Mit­tel. Es ver­stößt ge­gen den Grund­satz der Tren­nung von Ge­heim­diens­ten und Po­li­zei so­wie ge­schicht­li­che Er­fah­run­gen mit Ge­heim­po­li­zeien, der Po­li­zei diese Be­fug­nisse zu über­tra­gen.

Der Vor­beu­ge­ge­wahr­sam er­laubt es der Po­li­zei, frei­heits­ent­zie­hende Maß­nah­men an­zu­wen­den, be­vor auch nur der ge­ringste Straf­tat­ver­such un­ter­nom­men wurde. Mehr­fach er­klär­ten Ge­richte in den letz­ten Jah­ren Vor­beu­ge­ge­wahr­sam für rechts­wid­rig und er­leg­ten der Lan­des­kasse die Kos­ten für Ver­fah­ren und Ent­schä­di­gung auf. Die ver­dachts- u. er­eig­nis­un­ab­hän­gi­gen Per­so­nen­kon­trol­len im grenz­na­hen Be­reich (Schlei­er­fahn­dung) ha­ben sich nicht be­währt. Sie för­dern statt­des­sen nach Ein­schät­zung kri­ti­scher Polizist/inn/en ras­sis­ti­sche Ten­den­zen in der Po­li­zei.

To­des­schuss, Auf­ent­halts­ver­bote und Vi­deo­über­wa­chung öffent­li­cher Plätze sind tiefe Ein­griffe in fun­da­men­tale Grund­rechte. Die To­des­strafe ist ab­ge­schafft, die Er­schie­ßung von Men­schen darf nicht po­li­zei­li­che Stan­dard­maß­nahme wer­den. Die län­ger dau­ernde Ver­wei­sung aus gan­zen Stadt­ge­bie­ten ist nicht er­for­der­lich, um Ge­fah­ren­la­gen zu be­wäl­ti­gen. Vi­deo­über­wa­chung führt max. zur Ver­la­ge­rung von Kri­mi­na­li­tät. Alle die­ser drei zu­letzt ein­ge­führ­ten Be­fug­nisse ber­gen ebenso wie Vor­beu­ge­ge­wahr­sam und Schlei­er­fahn­dung eine große Miss­brauchs­ge­fahr ge­gen ge­sell­schaft­li­che Min­der­hei­ten und An­ders­den­kende.

Seit Jah­ren wur­den die po­li­zei­li­chen Be­fug­nisse auch im Land Bran­den­burg aus­ge­wei­tet und da­durch Grund- und Bür­ger­rechte im­mer wei­ter ab­ge­baut. Eine ef­fek­tive öffent­li­che Kon­trolle der Po­li­zei ist in­zwi­schen ebenso we­nig ge­währ­leis­tet wie ein wirk­sa­mer Daten­schutz. Selbst kri­ti­sche Jurist/inn/en se­hen die Bun­des­re­pu­blik in­zwi­schen auf le­ga­lem Weg in ei­nen Po­li­zei­staat.

 

Po­li­zei­kon­troll­stelle
In­itia­tive zur Stär­kung der Grund- und Bür­ger­rechte ge­gen­über der Po­li­zei
Lin­den­str. 47
14467 Pots­dam
Fon: (0331) 280.50.83

Fax: (0331) 237.02.72

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